Messer-Täter: Deshalb war er frei

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Matthias A. bei seiner Festnahme

Töging - Drei Tage nach der schrecklichen Bluttat von Töging herrscht in der Innstadt noch immer Fassungslosigkeit: Wieso läuft ein so gefährlicher Mann wie Matthias A. frei herum? ** Tür an Tür mit dem Sex-Täter ** Innenminister: Justiz-Fehler! ** Niemand ahnte die Gefahr ** Erklärung der Staatsanwaltschaft** Strafregister des Täters ** Reaktionen in Töging** Gutachten zum Sextäter **

In Stadthagen (Landkreis Schaumburg in Niedersachsen) begann 1987 die kriminelle Karriere des Matthias A. Zweimal wurde er 1988 straffällig, 1991 einmal. Zwei der Straftaten waren sexuelle Nötigungen. Von 1991 bis 1994 war A. im niedersächsischen Gifhorn gemeldet.

Wie die Wolfsburger Allgemeine Zeitung recherchiert hat, fiel er dort jedoch durch vergleichsweise harmlose Taten auf: Ladendiebstahl, Einbrüche, Körperverletzungen. "Nicht so wilde Sachen", beschreiben es die norddeutschen Kollegen.

Fakt ist, dass A. sich in der Intensität seiner Taten seitdem gesteigert hat. Obwohl die Verbrechen A.s laut Polizeiaussagen in den vergangenen Jahren bereits "recht massiv" gewesen seien, setzte das Landgericht Göttingen den Wiederholungstäter im Oktober 2008 wieder auf freien Fuß.

"Der Beschluss zur Führungsaufsicht fiel in Göttingen, das mussten wir hinnehmen", erklärt Dr. Josef Hager vom Traunsteiner Landgericht. In dessen Obhut war A. nach seinem Umzug nach Bayern gekommen. Das Weisungsnetz, dem A. sich fortan zu unterwerfen hatte, ist laut Hager "engmaschig" gewesen.

A. habe sich zudem an alle Auflagen gehalten. Der Maßnahmenkatalog, dem A. zu folgen hatte, sah unter anderem eine tägliche Meldepflicht bei der Polizei in Altötting vor. Um beispielsweise den Landkreis Mühldorf zu betreten, hätte A. eine Genehmigung benötigt. "Engmaschiger geht's eigentlich nicht", fasst es Hager zusamnen.

Zudem, so Hager, war A. ein sogenannter HEADS-Proband. HEADS ist eine Sexualstraftäterdatei, das Programm sieht eine zusätzliche Überwachung des rückfallgefährdeten Täters durch die Polizei vor.

Uwe Rücker von der Mühldorfer Kripo befürwortet die Sexualstraftäterdatei, stellt aber das System der Führungsaufsicht in Frage: "Die Justiz benutzt die Polizei, weil sie allein die Beaufsichtigung eines derartigen Täters nicht schafft."

Der Mühldorfer HEADS-Sachbearbeiter hatte laut Rücker einen speziellen Lehrgang besuchen müssen. Für eine derartige Aufgabe kämen nur erfahrene Kollegen in Frage, die charakterlich die nötige Eignung besäßen. Ein Sextäter sei schließlich ein schwieriges "kriminelles Gut", mit dem nicht jeder Kollege umgehen könne und wolle.

Die Aufgabe des HEADS-Mannes bestand laut Rücker darin, Matthias A. in regelmäßigen Abständen zu besuchen. Der Kontakt beruhte auf freiwilliger Basis, denn: "Der von uns Betreute ist ja kein Beschuldigter." Der Kripo-Beamte habe ein persönliches Verhältnis zum Täter aufbauen und im Rahmen einer sogenannten Gefährderansprache herausfinden müssen, ob er unter Umständen rückfällig werden könnte.

m Gegensatz zur polizeilichen Meldepflicht, wo Matthias A. bei der Altöttinger Inspektion lediglich seinen Ausweis vorzuzeigen und eine Unterschrift zu leisten hatte, versuche der Kripo-Beamte die Befindlichkeit des "Gefährders" zu ergründen. Konsequenzen möglicher Fehltritte habe er ebenfalls aufzuzeigen.

Im Falle Matthias A.'s halfen alle Bemühungen nichts. Sein Verhalten habe in den letzten Tagen vor der Tat keinerlei Auffälligkeiten aufgewiesen. Weder Führungsaufsicht noch die Überwachung durch die Kripo konnten ihn von seinem Überfall auf Carmen K. abhalten. "Der Justiz sind da einfach Grenzen gesetzt", bedauert Hager.

Dem Mädchen geht es laut Günther Hammerdinger von der Traunsteiner Staatsanwaltschaft "angesichts der Schwere der Tat und der Intensität des Angriffs erstaunlich gut." Mehr dazu auch im Bayern-Teil.

zip/Mühldorfer Anzeiger

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Quelle: rosenheim24.de

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