Runder Tisch zum Meridian-Chaos

Meridian: Wird der 7. Januar ein "Glückstag"?

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Kai Müller-Eberstein, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, erläuterte beim Runden Tisch mit Politikern aus der Region die Maßnahmen zur Verbesserung des Merdian-Betriebs.
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Rosenheim - Nach dem holprigen Meridian-Start bringt die BOB mehr und mehr moderne Züge auf die Strecke. Reicht das, um den Pendleransturm nach den Weihnachtsferien zu bewältigen?

Sind die größten Turbulenzen rund um den Start des Meridian überstanden? Bei den Zügen konnte inzwischen immerhin eine Pünktlichkeit von rund 95 Prozent erreicht werden - ein mehr als solider Wert. "Das ist das Ziel, das möchten wir halten", kommentierte Kai Müller-Eberstein, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Noch unmittelbar nach dem Start des Meridian am 15. Dezember hatte die Pünktlichkeit bei lediglich 50 bis 55 Prozent gelegen. Wie zuverlässig der Meridian mittlerweile tatsächlich ist, zeigt sich aber wohl erst am 7. Januar, dem ersten Werktag nach den Weihnachtsferien. "Der 7. Januar ist ein ganz heißer Tag", sagte Müller-Eberstein.

OB Bauer: "Mein Herz ist schwer"

Dossier:

Der Start des Meridian

"Es wäre schön, wenn der 7. Januar ein Glückstag für uns alle wäre", sagte Rosenheims Landrat Josef Neiderhell. Müller-Eberstein, Neiderhell, die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und Otto Lederer sowie Andreas Schulz von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft trafen sich am Montag auf Einladung von Stöttner und Lederer zu einem Runden Tisch, um gemeinsam die Probleme des Meridian zu besprechen. Dabei schilderten die Politiker eindringlich den Ärger und die Sorgen der vielen vom Meridian-Chaos betroffenen Pendler - immerhin 20.000 Ein- und Ausstiege verzeichnet der Bahnhof Rosenheim Tag für Tag.

"Mein Herz ist schwer, ich muss das wirklich sagen", erklärte Bauer. Die Stadt erhalte viele E-Mails mit Klagen über die mangelnde Zuverlässigkeit, aber auch über die mangelhafte Auskunft zu Verspätungen und Zugausfällen. "Es hat sich leider herausgestellt, dass unsere Pendler nicht zufrieden sind", so Bauer. Vom Meridian forderte die Oberbürgermeisterin ein "höheres Maß an Berechenbarkeit".

20 FLIRT-Fahrzeuge bis Ende Januar

Neiderhell lobte grundsätzlich das avisierte Zugangebot in der Region. Man habe mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mehr Zugverbindungen ausgehandelt, das Konzept sei eine großes Entgegenkommen dem ländlichen Raum gegenüber. Andererseits müsse dann aber freilich auch die Erfüllung kommen, so Neiderhell.

Gerade mit Blick auf den nahenden Wintereinbruch forderte Stöttner eine baldige Verbesserung. "Gott sei Dank haben wir noch keinen Winter, sonst wären die Zustände noch gravierender als sie es bereits sind", kritisierte der Abgeordnete. Auch Lederer forderte, die Störungen "schnellstmöglich abzustellen": "Unser Bestreben ist es, möglichst viele Menschen auf die Bahn zu bringen und nicht abzuschrecken."

Abfahrtszeiten des Meridian auf der DB-Homepage

Aus Sicht der BOB bessert sich die Lage quasi von Tag zu Tag. Zehn der modernen "FLIRT"-Fahrzeuge seien im Einsatz, 16 seien übernommen, führte Müller-Eberstein aus. Frisch gelieferte "FLIRTs" können allerdings nicht unverzüglich eingesetzt werden, zuvor sind beispielsweise noch Umbaumaßnahmen zu erledigen. Müller-Eberstein schätzt, dass Ende Januar schließlich 20 der modernen Fahrzeuge im Einsatz sein werden.

Der bisherige Betrieb mit etlichen, aus ganz Deutschland angemieteten älteren Zügen ist eine der Hauptursachen für die Start-Schwierigkeiten des Meridian - und der BOB ein Ärgernis, bedeutet der Einsatz älterer Fahrzeuge doch einen "erheblichen Mehraufwand", wie Müller-Eberstein betonte.

Doch nicht nur die Qualität der eingesetzten, Fahrzeuge, sondern auch die Information der Kunden soll in den nächsten Tagen verbessert werden. Aktuell laufen Gespräche, die Ist-Abfahrtszeiten des Meridian auf der Internetseite und den Apps der Deutschen Bahn zu veröffentlichen. Bis Mitte Januar, vielleicht sogar schon nächste Woche, könnte es soweit sein, schätzt Müller-Eberstein. Verspätet sich dann ein Meridian, erfahren es die Reisenden wenigstens zügiger.

Sanktionen dürften der BOB "weh tun"

Lautsprecherdurchsagen am Bahnsteig zu Verspätungen und Zugausfällen sollte es eigentlich schon jetzt geben. "Der Freistaat Bayern zahlt an den Infrastrukturbetreiber für diese Leistung", erklärte Müller-Eberstein. Die BOB jedenfalls gibt die Verspätungen weiter - kann sie aber nicht selbst den Reisenden melden. "Wir haben keinen Zugriff auf die Station", so Müller-Eberstein. Zuständig für die Bekanntmachungen ist DB Station und Service. Die BOB führt im Moment Gespräche, "um nachzusteuern", wie Müller-Eberstein sagte.

Andreas Schulz von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft machte deutlich, dass der holprige Meridian-Start für die BOB nicht ohne Folgen bleiben wird. "Wir werden tun, was der Vertrag vorsieht für solche Fälle", sagte Schulz. Konkret müsste man beispielsweise für ausgefallene Züge nicht bezahlen und ein Betrieb mit anderen Fahrzeuge als vereinbart könnte eine Minderung der Zahlungen nach sich ziehen. "Wir sind dabei es zusammenzustellen und sind sicher, dass es ziemlich weh tut", sagte Schulz.

"Ich werde es sehr wohl genau beäugen"

Michaela Kaniber, Landtagsabgeordnete für den Stimmkreis Berchtesgadener Land, äußerte sich im Interview positiv über das Ergebnis des Runden Tisches: "Es hat sich herausgestellt, dass ein großes Bemühen da ist seitens der Betreiber." Die hohe Pünktlichkeit von 95 Prozent sei "sehr beruhigend", so Kaniber. In ihrem Stimmkreis gebe es zwar weit weniger Pendler als etwa in Rosenheim, allerdings sei die Zugverbindung nach München für die Touristen wichtig.

Ob die gegenwärtigen Bemühungen der BOB auch für den Pendelverkehr nach den Weihnachtsferien ausreichen, muss sich nach Ansicht Kanibers erst nocht zeigen. "Wenn es nicht funktioniert, wird der Druck nochmal erhöht werden", erwartet die Abgeordnete. Sie werde nächste Woche selbst mit dem Zug nach München in den Landtag fahren, um sich ein Bild zu machen. "Ich werde es sehr wohl genau beäugen", so Kaniber.

Fotos vom Runden Tisch:

Meridian-Chaos: Runder Tisch in Rosenheim

Fotos vom Start des Meridian Mitte Dezember:

MERIDIAN: Die ersten Pendler

Quelle: rosenheim24.de

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