Was steckt hinter dem kontroversen Urteil?

Emotionaler Fall in Bayern: Gericht schickt Malena (5) zu Vater nach China

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Marquartstein - Die fünfjährige Malena soll zu ihrem Vater nach China überführt werden. Das entschied ein deutsches Gericht. Für die Mutter ein schreckliches Szenario. Doch was steckt hinter dem Sorgerechtsstreit?

Das Schicksal der kleinen Malena und ihrer Mutter bewegte in der vergangenen Woche ganz Deutschland. Nachdem sich ihr Ehemann Kenny C. von Tanja G. aus Marquartstein trennte und in seine Heimat nach Hongkong zurückkehrte, beantragte er, dass die Mutter des Kindes die gemeinsame Tochter Malena nach China zurückführen müsse. Damals lehnte das  deutsche Gericht seinen Antrag ab, doch Kenny C. ging in Berufung. Seine Ehefrau habe die Fünfjährige entführt, begründete er dies laut Berichten der Bild-Zeitung

Beim Prozess vor dem Oberlandesgericht München dann der Schock für Tanja G. aus Marquartstein. Die Richterin widerrief das ursprüngliche Urteil und gab Kenny C. Recht. Bis zum 8. November müsse sie das Kind nach China bringen. Für die junge Mutter ein echter Albtraum. 

Beziehung begann romantisch

Malenas Mama wird in Marquartstein Spenden sammeln

Die Stewardess hatte Kenny C. auf der Arbeit kennen gelernt. Er sei nämlich Pilot für eine Airline, es habe sofort gefunkt, berichtet Bild. Kurze Zeit später heirateten die beiden. 2014 kam dann Malena in Wasserburg auf die Welt. Nach der Trennung der Eltern wurde es dann kompliziert. Mama Tanja G. lebt in Bayern, Vater Kenny in Hongkong. 

Nach dem Beschluss des Oberlandesgerichts wandte sich Tanja G. an die Medien, ihre Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Doch ganz so einfach, wie dargestellt scheint die Lage nicht zu sein. Auf Anfrage von chiemgau24.de erklärte das Oberlandesgericht München, dass es aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Informationen zum Fall Malena herausgeben könne. Gerade in Fällen, in denen es um Kinder geht, sei man besonders vorsichtig. Eine Begründung des Urteils liegt der Öffentlichkeit also nicht vor. 

Schwere Vorwürfe im Laufe des Prozesses

Auch Tanja G. selbst konnte einer Interviewanfrage von chiemgau24.de nicht nachkommen. Sie habe bereits Exklusivverträge mit anderen Medienunternehmen unterschrieben, so die junge Mutter. 

Letztlich wandte sich eine Freundin von Tanja G., Sabrina S. an die Redaktion. Sie berichtete, dass Malena momentan noch daheim in Bayern sei, erst am Montagabend werde sie gemeinsam mit ihrer Mama nach Hongkong fliegen. Beide werden dann dort drei Monate lang bleiben, danach muss Tanja wieder nach Deutschland ausreisen, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigung in China hat. Eine Wohnung für die Mutter soll von Kenny C. zur Verfügung gestellt werden. 

Bei dem Verfahren vor dem Oberlandesgericht habe es sich auch nicht, wie bislang berichtet, um einen Sorgerechtsstreit gehandelt, sondern um ein sogenanntes HKÜ-Verfahren, ein Verfahren zum "Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung". Dieses greift immer dann, wenn ein Elternteil ohne entsprechende Sorgerechtsregelung eigenmächtig das gemeinsam bewohnte Land verlässt und das Kind dabei mitnimmt, was juristisch einer Entführung gleichkommt. 

Wie bereits erwähnt hatte Malenas Vater im Rahmen der Streitigkeiten vor Gericht behauptet, Malena sei von ihrer Mutter entführt worden. Ohne Einsicht in das Gerichtsurteil wird es jedoch schwer werden, eine solide Einschätzung der Situation zu erlangen. 

Das Urteil der Richterin in München verstehen weder Tanja G. noch Sabrina S. Das Kind fühle sich in Bayern zu Hause und wolle nicht in China leben, so die Freundin der Familie. 

Emotionale und finanzielle Belastung

Die Situation sei nicht nur emotional, sondern auch finanziell sehr belastend, so Sabrina S. Deshalb habe Tanja G. auch die Exklusivverträge mit den Medienunternehmen unterschrieben. "Sie ist auf das Geld angewiesen", so die Freundin. 

Um die finanzielle Last etwas zu erleichtern haben die beiden Frauen eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die die Flüge zwischen China und Deutschland, sowie eventuelle Prozesskosten auffangen soll. Diese wird am Mittwoch, den 13. November, um 18.15 Uhr, vor der Kirche in Marquartstein statt finden. 

Am Ende ist und bleibt der Fall komplex. Eine Sorgerechtsregelung zwischen zwei Kontinenten zu finden, scheint kein einfaches Unterfangen zu sein. 

Den Vater von Malena haben wir bereits angeschrieben und um Stellungnahme gebeten, bisher aber ohne Rückmeldung

jv

Quelle: chiemgau24.de

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