Mutter aus Marktl erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen OBA Altötting

"Mein Sohn durfte nicht zum islamischen Religionsunterricht"

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A. (links) erhebt schwere Vorwürfe gegen die OBA Altötting: Ihr Sohn T. (r.) durfte nicht zum islamischen Religionsunterricht.
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Marktl am Inn – Eine Schulbegleiterin der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Diakonischen Werks Traunstein e.V. soll sich geweigert haben, mit ihrem Klienten, dem neunjährigen T., am islamischen Religionsunterricht teilzunehmen.

Diesen Vorwurf erhebt Mutter A. (45) aus Marktl. Ihr ältester Sohn T. (9) ist aufgrund seiner Autismus-Spektrum-Störung zu 100 Prozent schwerbehindert und daher auf eine permanente Schulbegleitung angewiesen. „Völlig aus dem Nichts hat sich aber die Schulbegleiterin schon am ersten Schultag geweigert, meinen Sohn in den islamischen Religionsunterricht zu begleiten, obwohl es genauso ein Pflichtfach ist wie katholischer Religionsunterricht“, so die Mutter von T. gegenüber innsalzach24.de.

Den Vorwurf diskriminierender Äußerungen der Schulbegleiterin der OBA Altötting kann A., deutsche Staatsbürgerin mit türkischer Herkunft, auch belegen. In einem Protokollheft schrieb diese, dass sie nicht damit einverstanden ist, ihren Schützling in den islamischen Religionsunterricht zu begleiten. Im Gespräch mit der Grundschule Marktl hat die Schulbegleiterin zudem gesagt, dass sie T. lediglich zum Unterricht nach Burghausen bringen könne. „Sie hat nur Probleme damit, im Unterricht dabei zu sein“, heißt es in einer Mail der Grundschule Marktl an A. Doch genau auf diese Hilfe ist ihr Sohn angewiesen.

Schulbegleiterin: "Wir leben hier nicht im Islam!"

Darauf angesprochen habe die Schulbegleiterin der Mutter erklärt: „Wir leben hier nicht im Islam. Wir leben hier in Deutschland und das hier ist ein christliches Land.“ Sie würde es nicht einsehen, ihren Sohn in den Islam-Unterricht zu begleiten.

A. hat daraufhin sofort die OBA und das Jugendamt (Auftraggeber für die Schulbegleitung) mit den Beweisen kontaktiert. Es kam jedoch keinerlei Reaktion oder Entschuldigung seitens der Schulbegleiterin oder der OBA.

Im Gegenteil: Am 25. September quittierte die Schulbegleiterin einfach ohne Vorankündigung ihren Dienst - am Nachmittag wäre Islam-Unterricht gewesen“. Seit diesem Zeitpunkt hat sie sich nicht mehr um T. gekümmert. „Wir wussten oft nicht, ob mein Sohn am nächsten Tag in die Schule gehen kann“, so A. Die OBA habe sich zwar um einen kurzfristigen Ersatz bemüht. Manchmal hat die Mutter aber erst gegen 23 Uhr abends erfahren, ob jemand kommt.

Für T. hatte dieser Umstand bereits Folgen und er ist total durcheinander gekommen. Autisten benötigen einen strukturierten Tagesablauf und vertraute Personen um sich herum. Dass plötzlich seine Schulbegleiterin weg war, konnte der Junge nicht nachvollziehen. Damit war er überfordert. „Er hatte das Gefühl, dass er nicht geliebt wird“, so seine Mutter. Er habe ab da alles verweigert und sich zurückgezogen.

OBA kündigt Vertrag

Das Jugendamt organisierte ein klärendes Gespräch mit der OBA am Montag, 30. September, mit der Folge, dass T. ab dem darauffolgenden Tag nun keine Schulbegleitung mehr hatte. Die OBA hat während des Gespräches den Vertrag mit dem Jugendamt von einem Tag auf den anderen gekündigt. "Ich fühlte mich noch mehr diskriminiert - wie der Restaurant-Gast, der vom Kellner aufgrund ausländischen Aussehens nicht bedient wird. Als ich mich beim Restaurantleiter beschwerte, wurde ich von diesem vor die Tür gesetzt, mit der Begründung, das Vertrauensverhältnis sei gestört." erklärte die Mutter gegenüber innsalzach24.de.

Zum Vorfall kann sich die OBA Altötting des Diakonischen Werks Traunstein e.V. nicht äußern, da sie zu konkreten Vorwürfen gegen eine Person keine Stellungnahme abgeben. Wie Klaus Rieder, Zuständiger für die Öffentlichkeitsarbeit der OBA, aber gegenüber innsalzach24.de erklärte, werde jeder Vorwurf umgehend geprüft. „Alle beteiligte Stellen werden für ein klärendes Gespräch zusammenberufen“. Sollten sich schwere Vorwürfe bewahrheiten, würden auch arbeitsrechtliche Schritte vollzogen werden.

Generelles Ziel der Schulbegleitung ist, dass Schüler mit einem Handicap am Unterricht teilnehmen können. Konfessionen spielen dabei aber laut Rieder keine Rolle. „Man habe allerdings ein Misstrauen zwischen den Parteien gemerkt. Die Grundlage für eine gute Schulbegleitung ist Vertrauen. Das war nicht mehr gegeben“, so Rieder. Daher habe man dem Jugendamt empfohlen, einen anderen Träger zu beauftragen. Ob es Konsequenzen für die Schulbegleiterin geben wird, ist derzeit nicht bekannt.

Jugendamt hat keinen Einfluss auf das Personal

Das Jugendamt ist nur der Auftraggeber. „Wir beauftragen einen Träger für eine solche Aufgabe. Welches Personal der Träger schickt, darauf haben wir keinen Einfluss“, so Markus Huber, Pressesprecher des Landratsamt Altötting, gegenüber innsalzach24.de. Glücklicherweise konnte bereits ein neuer Träger gefunden werden, der am Montag seinen Dienst bei T. antreten wird. Gegenüber Frau A. äußerte eine Mitarbeiterin, dass dies auch manchmal Monate dauern könne.

Um Hilfe hat A. auch beim Kultusministerium, dem SPD-Landtagsabgeordneten Tasdelen Arif und dem Behindertenbeauftragten gebeten. „Ob alle Druck ausgeübt haben, kann ich nicht sagen, aber ich bin sehr erfreut darüber, dass wir so schnell eine neue Betreuungsperson für meinen Sohn bekommen haben“, so A.

Ich habe mich 45 Jahre lang als Mensch gefühlt, bisher hatte ich noch nie mit Ausländerfeindlichkeit zu tun gehabt“, so A. Die letzten Wochen seien sehr schwer für sie und ihre Familie gewesen. Aufgrund der Diskriminierung hat die Mutter bereits Strafanzeige gegen die Schulbegleiterin und die OBA gestellt.

Das Wichtigste ist aber, dass T. seine bisher sehr gute Entwicklung fortsetzen kann. Er wechselte von der Förder- in die Grundschule. Dies schaffen in Deutschland nur ganz Wenige. Und mit der neuen Schulbegleitung kann er dann hoffentlich auch am islamischen Religionsunterricht teilnehmen, so wie es die Religionsfreiheit in Deutschland vorsieht.

jz

Quelle: innsalzach24.de

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