Pläne für Lokschuppen in der Schwebe

CSU und Grüne kritisieren Zeitdruck durch Stadtverwaltung

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Rosenheim - Gestritten wurde am Mittwochabend über das Rosenheimer "Leuchtturmprojekt" Lokschuppen. Eine "schwarz-grüne Koalition" kritisierte dabei die Stadtverwaltung massiv.

Rund 12,3 Millionen Euro umfasste die Vorplanung für die Sanierung und Erweiterung des Lokschuppens im Bereich Ausstellung, Foyer und Verwaltung. Schon im Vorfeld war deutlich geworden, dass diese Summe angesichts der angespannten Haushaltslage vielen Stadträten als deutlich zu hoch erscheint. 

Die Defizite des Lokschuppens aus Sicht der Verwaltung: 

  • Zu wenige Toiletten
  • Ausgelagerte Garderobe im Zelt
  • Besucherstau im Foyer
  • Lagerflächen und Räume für Museumspädagogik fehlen
  • Unzureichende Kühlung im Sommer 
  • Brandschutzdefizite 
  • Einbruchssicherheit entspricht nicht mehr der von Versicherungen und Exponatengebern geforderten Klasse 
  • Das Dachtragewerk muss statisch saniert werden

Deshalb soll nun unter anderem ein Erweiterungsbau und ein Keller die Räumlichkeiten des Lokschuppens vergrößern. 

Als Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) im Stadtrat noch auf das enge Zeitfenster für die Sanierungsarbeiten verwies, weil nur im Jahr 2018 auf eine Ausstellung verzichtet werden soll, bezog CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann klar Kante gegen diesen Zeitdruck. 

Borrmann: Verwaltung muss Kosten senken

Er lasse sich nicht die Pistole auf die Brust setzen, "die Verwaltung berate hin und her", bis das Zeitfenster so eng werde, dass der Stadtrat den Beschluss nur noch durchwinken soll. So gehe es nicht und er forderte die Verwaltung auf, schnellstmöglich Lösungsvorschläge für eine Kostenminimierung vorzulegen. Borrmann spielte also den Ball zurück. Konkret kritisierte der Christsoziale insbesondere die hohen Kosten für den geplanten Kelleranbau. 

Unterschiedliche Stimmen kamen aus der Fraktion der Freien Wähler/UP. Zwar sah Fraktionschef Multrus eine unglückliche Planung seitens der Verwaltung, man könne aber nicht jahrelang auf Ausstellungen verzichten. "Über das Sparen kann man nachdenken, aber die vorliegende Planung ist kein Luxus", so Multrus. Dagegen erkannte seine Fraktionskollegin Christine Degenhart in dem Antrag der Verwaltung sehr wohl "Komfortmerkmale". Das Gebäude sei doch harmonisch in sich, deswegen sieht sie einen geplanten Anbau kritisch. 

Die SPD-Stadträte Andreas Lakowski und Gabriele Leicht warben für ein klares Bekenntnis für den Lokschuppen, der eine überregionale Werbung für die Stadt sei und Hunderttausende Besucher anlocke. "Wenn wir gute Ausstellungen wollen, dann brauchen wir eine entsprechende Infrastruktur. Ohne eine gute Klimatisierung bekommt man beispielsweise gewisse Exponate nicht mehr", gab Leicht zu bedenken. 

Deutliche Kritik an der Planung dagegen von den Grünen: "Das Gebäude ist betriebsbereit, wieso müssen wir so einen riesigen Batzen Geld in die Hand nehmen?", hinterfragte der Fraktionsvorsitzende Franz Lukas. Man brauche zunächst eine Diskussion, was der Lokschuppen in Zukunft eigentlich leisten solle. Auch seine Fraktionskollegen Judith Kley-Stephan und Peter Weigel warben dafür, nur die notwendigen Sanierungsarbeiten zu beschließen. Alles weitere solle in Ruhe überdacht werden. 

Ohne Gesamtplan keine Fördermittel

Die Krux: Um auch für die Sanierungsmaßnahmen für Dach und Brandschutz in Höhe von rund 5,8 Millionen Euro Fördermittel von der Regierung von Oberbayern beantragen zu können, muss die Stadt ein Gesamtpaket mit Erweiterungsplänen vorlegen. Die Regierung habe durchblicken lassen, dass die Stadt dann auch gute Förderaussichten für Teile der Sanierungskosten habe, erklärte Finanzdezernent Heinz Bösl. "Sehr spekulativ" sei das, entgegnete Stadträtin Degenhart. 

Fahrplan: Die Entscheidung fällt im Juni

Dennoch einigte sich das Gremium letztlich bei einer Gegenstimme auf folgenden Fahrplan: Die Planung für die Sanierungen wird fortgesetzt. Bis zum Juni soll die Verwaltung zudem einen neuen Entwurf für Erweiterungen mit gesenkten Kosten präsentieren. 

Dann solle der Stadtrat entscheiden, ob man dieses "abgespeckte Raumkonzept" wolle, oder ob es nur bei den nötigen Sanierungen bleibt. Noch vor den Sommerferien soll dann der Projektbeschluss der Regierung von Oberbayern vorliegen, damit tatsächlich 2018 saniert werden kann. 

Quelle: rosenheim24.de

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