Lokale Gremien werden noch 2015 gebildet

Von Tirol ins Inntal: Trasse wird gesucht

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Raubling - Die Suche nach einer Trasse für eine zweigleisige Neubaustrecke zwischen Langkampfen in Tirol und dem Inntaldreieck nimmt sprichwörtlich langsam Fahrt auf.

Noch in diesem Jahr sollen die lokalen Gremien gebildet werden, in denen die Bürgerinnen und Bürger aus den Gemeinden repräsentativ vertreten sein sollen. Den ganzen Prozess stellten Susanne Müller von der Deutschen Bahn und Martin Gradnitzer von der Österreichischen Bundesbahn auf der Generalversammlung der Euregio Inntal in Kufstein vor.

Zur Einführung ins Thema meinte Euregio Präsident Hubert Wildgruber, das Thema wurde auf deutscher Seite verschlafen. Tatsächlich scheint es aus heutiger Sicht unmöglich zu sein, dass die Neubaustrecke auf bayerischer Seite rechtzeitig zur Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels im Jahr 2026 fertig gestellt ist. Martin Gradnitzer verwies auf vergleichbare Projekte und stellte fest, dass es mindestens 20 Jahre dauert, bis der erste Zug rollt. Zwischen 2035 und 2040 ist es möglich, ergänze er, aber nur, wenn alle zügig arbeiten. Damit ist klar, dass die Züge auf dem Weg zum Brennerbasistunnel über viele Jahre auf der Bestandsstrecke durch das bayerische Inntal rollen werden.

Susanne Müller von der Deutschen Bahn fasste den bisherigen Stand der Dinge noch einmal zusammen. Den Abschnitt zwischen Langkampfen und dem Inntaldreieck werden Deutsche Bahn und Österreichische Bundesbahn unter Einbindung der örtlichen Vertreter gemeinsam planen. Wie die Trasse ab dem Inntaldreieck weitergeführt wird, ist derzeit völlig offen. Müller stellte in Frage, ob alle Brennerzüge nach München müssen. Wenn eine Neubaustrecke, beginnend in Mühldorf über Regensburg nach Norden verlaufend, in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird, dann ist auch eine Trassenfindung vom Inntaldreieck in Richtung Mühldorf möglich, so Müller. Der Bundesverkehrswegeplan soll frühestens Ende des Jahres vorliegen.

Zwischen Langkampfen und dem Inntaldreieck wird die zweigleisige Neubaustrecke mit Hilfe eines international erprobten Verfahrens gesucht. Nach Auskunft von Martin Gradnitzer von der Österreichischen Bundesbahn wird es auf lokaler Ebene vier Gemeindeforen geben. Das südlichste Gemeindeforum umfasst Ebbs, Kufstein und Langkampfen. Anschließend bilden Oberaudorf, Kiefersfelden, Erl und Niederndorf ein Forum. Das dritte umfasst Brannenburg, Flintsbach und Nußdorf und im nördlichen Bereich bilden Raubling, Neubeuern und Samerberg das vierte Gemeindeforum. Damit jedes Gremium handlungsfähig ist, sollen nicht mehr als jeweils 20 bis 25 Personen mitarbeiten. Wichtig ist, dass es eine repräsentative Vertretung der Bürgerinnen und Bürger gibt, die im Trassenauswahlverfahren aktiv mitwirken soll.

Auf regionaler Ebene wird ein Projektbeirat regelmäßig über den Entwicklungsstand informiert. Die Mitglieder dieses Gremiums sind Abgeordnete des Bundestages und des Nationalrates, Landtagsabgeordnete aus Bayern und Tirol, Mitglieder des Europäischen Parlaments, der Kufsteiner Bezirkshauptmann sowie der Rosenheimer Landrat und die Oberbürgermeisterin von Rosenheim. Zudem gibt es noch einen Lenkungskreis, dem Vertreter des deutschen und österreichischen Verkehrsministeriums, der Österreichischen Bundesbahn, der Deutschen Bahn sowie der Länder Bayern und Tirol angehören.

Drei Jahre will man sich Zeit lassen, um die richtige Trasse zu finden. ÖBB-Mann Gradnitzer nannte eine ganze Reihe von Punkten, die in diesem Verfahren wichtig sind: Das Ergebnis muss für alle nachvollziehbar sein. Es muss eine Akzeptanz von möglichst vielen Beteiligten im Prozess geben. Es muss möglich sein, dass verschiedene Werte und Interessen im Verfahren abgebildet werden. Die speziellen Bedingungen im Inntal müssen berücksichtigt werden. Die Arbeit in den Gremien muss offen und ehrlich sein, Informationen müssen frühzeitig weitergegeben werden und in der Überzeugungsarbeit dürfen nur Argumente zählen. Eine Diskussion der möglichen Trassenverläufe über die Medien schloss Gradnitzer aus. Damit die Entscheidungen der Gremien nachvollziehbar sind, müssen sie zunächst messbare Ziele formulieren und Kriterien wie beispielsweise Lärm festlegen.

Weil für die Züge zum Brennerbasistunnel über viele Jahre nur die bestehende zweigleisige Strecke durch das Inntal zur Verfügung steht, begannen vor allem die bayerischen Vertreter in der Generalversammlung der Euregio Inntal eine Debatte über den Lärmschutz an der Bestandsstrecke. Um herauszufinden, wie viel Lärmschutz über den gesetzlichen Standard hinaus möglich ist, hatte der deutsche Verkehrsminister Dobrindt eine zusätzliche Machbarkeitsstudie angekündigt. Nach Auskunft von Susanne Müller von der Deutschen Bahn wird ein entsprechendes Gutachten für den Streckenbereich von Kiefersfelden bis München-Trudering ausgeschrieben.

Die bayerischen Lokalpolitiker waren sich einig, dass sie politischen Druck auf die Landes- und Bundespolitik ausüben müssen, damit die Bestandsstrecke ertüchtigt wird. Es ist deutlich geworden, dass das eine große Herausforderung für uns wird. Das Thema wird uns Jahrzehnte begleiten, so Euregio Präsident Wildgruber abschließend. Derzeit fahren täglich 180 Züge auf der zweigleisigen Bahnstrecke durch das Inntal, bis zu 260 täglich sind möglich.

Pressemitteilung Inntal Euregio

Quelle: rosenheim24.de

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