Fakten-Check: Zwei Demo-Bilder und deren Ursprung

"Deutsche raus!"

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Berlin/Salzburg/Rosenheim - Die "Linke" und die Vaterlandsliebe sind ein uraltes Thema. Man muss sich nur auf Demos umsehen - dort entlarvt sich das linke Pack von ganz alleine. Möchte man meinen...

Zwei Demos, zwei Botschaften 

Bleiben oder gehen? Die Widersprüchlichkeit des Gutmenschen in einem Meme. Die Kommentarspalten auf Twitter und Facebook schäumen über: 

  • „Und die irre Merkel unterstützt die Linksfaschisten! Spricht das Wort `Deutsche` nicht mehr aus und regiert absolut volksfeindlich!“
  • „Das können nur grünversiffte Rotzbacken sein.“
  • „Wieso sind bei solchen Dummheiten immer viele Frauen dabei? Was stimmt mit denen nicht?“
  • „Krankes Volk - suizidal!“

Zwei Demos, zwei Orte 

Die erste Demo fand am 5. Juli 2014 – lange vor der Kanzlerin „Wir schaffen das“ statt. Etwa 2.300 Teilnehmer kamen und zogen durch die Berliner Stadtteile Neukölln und Kreuzberg. Sie demonstrierten für ein Bleiberecht der Flüchtlinge, in der Gerhart-Hauptmann-Schule an der Ohlauer Straße. Das Foto entstand am Berliner Hermannsplatz, wo der Demozug startete. Das Banner auf dem Bild „Bleiberecht für alle“ bezog sich zunächst also nur auf die gut 200 Flüchtlinge in der besetzten Berliner Schule. Ob allerdings – das ist nicht auszuschließen – unter den Demonstranten auch solche waren, die den Slogan als Einladung an alle Welt verstanden haben wollten, ist nicht zu klären.

Das spannendere Bild ist allerdings das zweite: "Deutsche raus!" 

Starker Tobak – nichts für die zarten Nerven deutscher Patrioten. Das Bild ist stark zugeschnitten. Sucht man das Originalbild, so kann man neben dem Schild „Deutsche raus“ auch ein Schild „Piefkes raus“ erkennen. Was unter deutschem, "grünversifftem" Klientel kein allzu gebräuchlicher Schlachtruf sein dürfte.

Aufgenommen wurde das Foto allerdings ein Jahr vor dem ersten Bild am 23. Februar 2013. In der Salzburger Innenstadt – also nicht in Deutschland. Streng genommen zeigt das Foto noch nicht einmal eine Demonstration sondern eine Übung einer Gruppe von Schauspielstudenten des Mozarteums. Thema der Übung: die politische Rede als Ausdrucks- und Meinungsmittel. 

„Wir haben damals versucht in der Art des Dramaturgen Christoph Schlingensief eine Fake-Demo zu veranstalten mit der Forderung: `Deutsche Studenten raus aus Österreich!`“, berichtet der Schauspieler und Initiator der Demo, Peter Blum. Die Forderungen der kleinen Gruppe seien bis zur Kundgebung vor dem Mozarthaus immer absurder geworden: „Wir haben gerufen, `Willst Du einen Deutschen sehn, musst Du nach Freilassing gehn`. Am Schluss haben wir die Todesstrafe für deutsche Rückkehrer nach Österreich gefordert.“ 

Die meisten Passanten hätten allerdings sehr bald verstanden, dass es sich bei dem Projekt um ein Kunstprojekt handeln muss und seien entsprechend auf Distanz geblieben, so Blum, der 2013 am Mozarteum Theaterregie studierte. Der erhoffte Austausch mit den Leuten auf Salzburgs Straßen sei – sehe man von ein paar vereinzelten Sympathiekundgebungen ab – ausgeblieben. Lediglich auf dem Nachhauseweg hätte ihm eine Gruppe Linker Schläge angedroht.

Dass Bilder seiner Veranstaltung derzeit von Parteien wie der AfD - auch in unserer Region - herumgereicht werden, nimmt Blum mit Gleichmut: Ein Foto – solange für den Betrachter nicht erkennbar ist, wo, wann und unter welchen Umständen es entstand – werde immer mehrere Deutungen zulassen.

Kolumne "Fakten-Check"

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Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook AfD Stadt Rosenheim

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