Coburg: 66-Jähriger erschlagen

Das Mordkomplott im Rotlicht-Milieu

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In seiner eigenen Wohnung in Coburg wurde ein 66-Jähriger erschlagen.

Coburg - Vor eineinhalb Wochen setzte eine Frau den Notruf ab: Sie habe ihren 66-jährigen Lebensgefährten erschlagen in seiner Wohnung gefunden. Jetzt sitzt sie selbst in U-Haft.

Sein Doppelleben wurde Wolfgang R. (66) offenbar zum Verhängnis: Acht Tage nach dem Mord an dem Tubaspieler des Coburger Landesorchesters hat die Polizei die mutmaßlichen Täter festgenommen – sie kommen aus dem Rockermilieu! Doch als Drahtzieherin wurde seine eigene Partnerin verhaftet: Die Ex-Prostituierte Maria S. (41), die nach Informationen der Münchner tz auch für Wolfgang R. angeschafft hatte.

Ein Auftragsmord wegen Sex und Geld in der gediegenen Veste-Stadt? Die Coburger sind schockiert über das, was die Staatsanwaltschaft einen Tag vor Heiligabend öffentlich gemacht hat. Viele kannten das Opfer, das 40 Jahre lang als Kammervirtuose aufgetreten war. Von seiner anderen Seite ahnten nur die wenigsten etwas: Er vermietete Apartments an Prostituierte – und verdiente offenbar nicht schlecht daran. „Das Mordmotiv ist im finanziellen Bereich der Lebensgefährtin zu suchen“, sagte dazu Oberstaatsanwalt Anton Lohneis am Montag.

Maria S. betrieb in der Coburger Altstadt eine Pilsbar. Auch ihr Freund Wolfgang R. war an seinem letzten Lebensabend hier zu Gast. Was er damals nicht ahnen konnte: Er stand mit den späteren Mördern, einem 23-jährigen Thüringer und einem 44 Jahre alten Coburger, gemeinsam am Tresen!

Am 11. Dezember, kurz vor 20 Uhr, fuhr R. mit dem Bus in den Stadtteil Beiersdorf. Um 5 Uhr am nächsten Morgen alarmierte Maria S. Polizei und Notarzt: Sie hatte ihren Freund regungslos aufgefunden.

Was in der Nacht geschah, rekonstruierte die nach dem Tatort Eichenweg benannte Soko Eiche in Kleinarbeit. Über 700 Tatortspuren und Asservate mussten gesichert werden. Der Durchbruch kam mit dem Zeugenhinweis auf einen VW Passat, der in der Tatnacht von Anwohnern gesehen worden war. Polizeisprecher Jürgen Stadter: „Er konnte einem der Gäste der Bar zugeordnet werden.“ Dazu kamen Auffälligkeiten bei der Auswertung der Funkzellen zwischen Pilsbar und dem Tatort.

Eine Woche nach der Tat erwirkten die Ermittler Durchsuchungsbeschlüsse gegen die Verdächtigen, die derselben Rockergruppe angehören. „Es sind Einlassungen gemacht worden“, sagt Polizeisprecher Stadter – von Geständnissen könne man aber nicht sprechen. Doch nach den Aussagen des Duos wurde auch die mutmaßliche Anstifterin Maria S., dingfest gemacht. Alle drei Verdächtigen sitzen nun in U-Haft.

Der Fall hatte aufgrund der massiven Verletzungen von Wolfgang R. höchste Priorität. Staatsanwältin Ursula Haderlein nannte Rippenbrüche, eine gebrochene Wirbelsäule, einen zertrümmerten Kehlkopf und ein gebrochenes Zungenbein – das Opfer erstickte an seinem eigenen Blut.

Die Ermittlungen gehen trotz des Erfolges weiter: Die Kripo prüft, ob es weitere Mitwisser des Komplotts gibt.

Polizei ermittelt nach Leichenfund in Coburg

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