DGB kritistiert gute Lehrstellen-Bilanz

Nürnberg/München - Massive Kritik: Der DGB Bayern hält die gute Lehrstellen-Statistik mit kaum suchenden Schulabgängern für geschönt.

Nur wenige Schulabgänger sind in diesem Jahr bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer ausgegangen. Das geht aus der Lehrstellenbilanz hervor, die die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in München vorstellte. Bis Anfang Oktober waren von knapp 82 600 Bewerbern 987 ohne Stelle, auf der anderen Seite blieben aber mehr als 5000 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Dies zeigt auch die eigentlichen Sorgen der Verantwortlichen: Nicht die Ausbildungsstellen werden in Zukunft knapp, sondern die Zahl der Bewerber. “Der Lehrling wird bald zum seltenen Schatz. Die Unternehmen konkurrieren immer stärker um die besten Köpfe“, sagte Lothar Semper, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Handwerkskammern. Vertreter der Arbeitsagenturen betonten, sich auch nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres um eine Vermittlung der restlichen Schulabgänger bemühen zu wollen. Im Vorjahr waren zum Stichtag Ende September 793 Menschen und damit noch weniger junge Menschen ohne Job geblieben.

“Eine gute Ausbildung ist die beste Arbeitslosenversicherung“, sagte Ralf Holtzwart, Geschäftsführer der bayerischen Regionaldirektion. Viele Schulabgänger hätten noch nicht die Unterstützung, die sie bei der Jobsuche benötigen. Dies müsse sich rasch ändern, denn der einsetzende Fachkräftemangel werde sich in den kommenden Jahren infolge schwacher Geburtenjahrgänge immer stärker bemerkbar machen. “Die Probleme werden kommen und auch wir in Bayern werden die Auswirkungen zu spüren bekommen“, sagte der zuständige Staatssekretär Markus Sackmann (CSU).

Besonders eklatant ist das ungleiche Verhältnis von unbesetzten Ausbildungsstellen und unversorgten Bewerbern im Bezirk Oberpfalz. Dort stehen in diesem Jahr rechnerisch 19,9 freie Plätze für jeden unversorgten Schulabgänger parat. Trotzdem blieben auch hier 24 Stellen unbesetzt - oft ließen sich die Ausbildungswünsche der Schulabgänger nicht mit dem Angebot des Marktes verbinden. Bayernweit werden vor allem noch Fachverkäufer im Fischereiwesen, Köche und Hotelfachleute gesucht. Die beliebtesten Ausbildungsberufe waren in diesem Jahr der Kraftfahrzeugmechatroniker und die Bürokauffrau.

Der DGB Bayern hingegen kritisierte, die Ausbildungsbilanz sei geschönt. Sie fuße “auf einer gut frisierten Statistik“, sagte der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena am Mittwoch laut Mitteilung in München. Nur 60 Prozent der Bewerber erhielten tatsächlich eine Lehrstelle. Das weise die Agentur-Statistik jedoch nur im Kleingedruckten aus. Alleine in diesem Jahr seien 17 000 der insgesamt 82 000 Bewerber in Bayern in Warteschleifen wie berufsvorbereitenden Maßnahmen, Praktika, weiterführenden Schulen oder Einstiegsqualifizierungen geparkt worden.

Laut Agentur-Statistik gelten diese Jugendlichen als versorgt ­ auch die 7700 von ihnen, die gegenüber der Agentur ausdrücklich angezeigt hätten, dass sie weiterhin einen Ausbildungsplatz suchten. “5000 unbesetzten Lehrstellen stehen also nicht 1000 suchende Jugendliche gegenüber, sondern mindestens 8700“, stellte Jena klar. Zudem sei nicht jeder, der sich für einen Ausbildungsplatz interessiere, bei der Arbeitsagentur als Bewerber geführt. Bezüglich der Anzahl junger Menschen in Warteschleifen und ohne Ausbildungsplatz an Berufsschulen sagte Jena: “Der Ausbildungspakt hat versagt“.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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