Lebensgefahr auf dünnem Eis

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Bei Eisunfällen zählt jede Sekunde: Übung der Wasserwacht am Höglinger Weiher bei Bad Aibling.

Rosenheim/Landkreis - Der Start in den Dezember war so kalt wie lange nicht. Und nach dem Schnee kommt nun das Eis: Die ersten Seen frieren zu.

Deshalb warnen Rosenheimer BRK-Wasserwacht und DLRG eindringlich: "Tragfähige Eisflächen - mit einer Eisstärke von zehn Zentimetern - sind auch am Wochenende noch nicht zu erwarten."

Die Freiluft-Saison auf Natureis soll in der Region nicht so beginnen wie 2009: Damals brach ein Schlittschuhläufer im Simssee ein und ertrank - es war der erste tödliche Eis-Unfall in ganz Bayern.

Stets einsatzbereit: ein mobiler Eisrettungsschlitten.

Eisflächen üben eine magische Anziehungskraft auf Kinder aus, idyllische Winterlandschaften locken Spaziergänger auf die teilweise schon zugefrorenen Seen. Aber die Zeit dafür ist noch nicht gekommen. Nach wenigen Tagen Frost sind die Eisflächen noch nicht tragfähig. Deshalb sagt Christian Förster, Vorsitzender der Rosenheimer Kreiswasserwacht im BRK: "Wer jetzt die Eisflächen von Seen, Weihern und Flüsse betritt, spielt leichtfertig mit seinem Leben."

Lesen Sie dazu auch:

Dossier: Richtiges Verhalten bei Einbruch ins Eis

Die Eisregeln der DLRG

Lebensgefahr: Eisdecke noch nicht tragfähig

Die 13 Wasserwacht-Ortsgruppen im Landkreis Rosenheim sowie die Kräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Chiemgau und in Bad Aibling sind auf die Wintersaison vorbereitet: Schnelleinsatzgruppen mit speziell geschulten Helfern und Tauchern sind rund um die Uhr in ständiger Rufbereitschaft. Neue Eisrettungsschlitten und Eisgleiter eröffnen ihnen im Ernstfall neue Möglichkeiten.

Doch darauf sollten sich Schlittschuhläufer nicht verlassen. Bricht eine Person ins Eis ein, zählt jede Sekunde. "Im Eiswasser unterkühlt der menschliche Körper rasend schnell, man verliert schon nach wenigen Minuten das Bewusstsein", so Förster.

Wenn - wie aktuell an den kleineren Seen - Schnee auf der Eisdecke liegt, ist es besonders gefährlich. Schließlich kann man nicht erkennen, wie dick das Eis ist. Dunkle Stellen sind in der Regel ein Indiz dafür, dass das Eis noch durchsichtig und dünn ist.

Rund 50 Seen und Weiher gibt es im Landkreis Rosenheim, auf denen Pucks, Eisstöcke und Schlittschuhe hin und her flitzen. Unterirdische Strömungen, Zuflüsse, Pflanzen und andere Einflüsse sind auch in den kleinen Weihern Gefahrenquellen, die dazu führen können, dass Eisdicke und Tragfähigkeit varierien. Förster: "Wenn erfahrene Stockschützen in Ufernähe auf dem Eis sind, heißt das noch lange nicht, dass der gesamte See gefahrlos betreten werden kann."

So kommt man sicher durch die Eissaison:

  • Jetzt die Kinder darauf hinweisen, dass die Eisflächen noch nicht tragen
  • Kindern und Jugendlichen am besten diesen Artikel zeigen; auf der DLRG-Webseite (www.eisregeln.info) erklären die Comicfiguren Tina, Max, Vroni und Hakki die Eisregeln; Eiswarnung mit Comicbildern für Kinder auch auf www.kreiswasserwacht-rosenheim.de
  • Wer aufs Eis will, sollte sich vorher bei ortskundigen Fachleuten oder bei der Gemeinde erkundigen, ob das Eis auch dick genug ist
  • Wenn es knistert oder knackt, sofort runter vom Eis - am besten flach aufs Eis legen und versuchen, in Bauchlage das Ufer zu erreichen - auf dem Weg, auf dem man gekommen ist.

Wenn man doch im Eis einbricht:

  • Ruhe bewahren, laut um Hilfe rufen
  • Vermeiden, dass man unter das Eis gerät
  • So wenig wie möglich bewegen, um wenig Körpertemperatur zu verlieren
  • Kleidung (außer einem schweren Mantel) nicht ausziehen, denn sie bietet einen minimalen Wärmeschutz
  • Sofort Hilfe holen über die Notrufnummern 112, 110
  • Die eingebrochene Person beruhigen
  • Das Opfer mit Hilfsmitteln wie Rettungsring, Leitern (teilweise am See-Ufer vorhanden), Ästen, Abschleppseil oder ähnlichen Gegenständen absichern
  • Nur ins eisige Wasser springen, wenn man selbst über eine dritte Person mit einem Seil gesichert ist
  • das Unfallopfer an Land und in stabile Seitenlage bringen, vor Kälte schützen bis der herbeigerufene Rettungsdienst eintrifft
  • den unterkühlten Geretteten auf keinen Fall "warmreiben", das kann tödliche Folgen haben, weil kaltes Blut aus Armen und Beinen so zum Herz gelangt
  • dem Opfer warme Getränke, aber keinesfalls Alkohol anbieten

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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