Alpinübung der Polizei mit Bergwacht

Dramatische Stunden am Sudelfeld - Training für den Ernstfall

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Sudelfeld - Dramatische Stunden in den Bergen. Eine Lawine im Sudelfeldgebiet hat mehrere Skifahrer mitgerissen und verschüttet. Die Tourengeher waren bei erheblicher Lawinengefahr, Stufe drei von fünf, abseits der gesicherten Pisten unterwegs, als sich das Schneebrett am Grafenherberg löste. Für die Rettungskräfte von Polizei und Bergwacht beginnt der Wettlauf gegen die Zeit.

Vor diesem anspruchsvollen Übungsszenario standen am 28. Februar Einsatzkräfte der Bayerischen Polizei und der Bergwacht Bayern im Sudelfeldgebiet.

Staatsminister Dr. Marcel Huber war von der hohen Leistungsfähigkeit der Retter beeindruckt: „Mein tiefster Respekt vor dem professionellen Können unserer Rettungskräfte! Sie sind routiniert, ruhig und arbeiten in Gefahrensituationen reibungslos zusammen. Was am Mittwoch praktisch geübt wurde, wird im Ernstfall professionell und kompetent umgesetzt. Darauf können sich die Menschen verlassen. Dieses Wissen darf aber nicht dazu führen, dass Bergsportler leichtsinnige Risiken eingehen oder lebensgefährliche Abenteuer suchen. So ein Einsatz bedeutet für unsere Rettungskräfte Höchstleistung unter höchster Anspannung. Das muss absolute Ausnahme für den Notfall bleiben.“

Spurenziehen im Tiefschnee und hochalpines Berg-Feeling - aus diesem Stoff sind Skifahrer- und Snowboarder-Träume gemacht. Aus dem Traum wird aber schnell ein Albtraum, wie uns der21. Januar dieses Jahres eindrucksvoll vor Augen führte. Drei Lawinenabgänge in nur drei Stunden, die Bergretter werden diesen Sonntag nicht so schnell vergessen. In den heimischen Bergen am Zwiesel, am Geigelstein und an der Brünnsteinschanze, in unmittelbarer Nähe des Übungsgeländes, werden fünf Tourengeher von Lawinen erfasst und von den Schneemassen teilweise verschüttet. Es kam zu einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit, der am Geigelstein nicht zu gewinnen war. Ein 30-jähriger Tourengeher kann nur mehr tot geborgen werden, die vier anderen Opfer haben mehr Glück und überleben.

Am Mittwoch wurde ein solcher Notfall im Rahmen einer öffentlichen Übung simuliert. Ein Lawinenabgang ist ein Kampf gegen die Zeit, wie Polizeihauptkommissar Helmut Weidel, Leiter des alpinen Einsatzzuges, mit Zahlen verdeutlicht: „Innerhalb der ersten Viertelstunde nach dem Lawinenabgang liegt die Chance, lebend gefunden zu werden bei 90 Prozent.“ Mit jeder weiteren Minute schwindet diese Wahrscheinlichkeit. Nach 45 Minuten ist nur mehr eine Lebenswahrscheinlichkeit von 15 bis 30 Prozent zu erwarten. Der Einsatz ist erst abgeschlossen, wenn alle vermissten Personen gefunden wurden – ob tot oder lebendig. Sobald Polizei und Rettungskräfte alarmiert sind, wird die mobile Einsatzleitstelle mit Notfallausrüstung aufgebaut. Für den besseren Überblick des Einsatzleiters sorgt eine Drohne. Ein Hubschrauber– ausgestattet mit einer gelb-schwarzen Sonde, die die Einsatzkräfte „Biene Maja“ nennen – erkennt Erschütterungen und schwache Signale unter den Schneemassen. Auf Höhe der fraglichen Bereichen wird ein Fähnchen abgeworfen, dass die Rettungskräfte am Boden bereits im Visier haben.

Jetzt hat der Lawinenhund seinen großen Auftritt. Zusammen mit seinem Hundeführer wird er an einer 50 Meter über den Boden schwebenden Seilwinde auf das Schneefeld herabgelassen. Der braune Schäfer erfasst den Geruch des Verschütteten und schlägt in der Nähe des Fähnchens an. Wo die Arbeit des Rettungshundes mit einem Leckerli schon wieder beendet ist, beginnt die Zerreißprobe für die Retter. Im Durchschnitt befinden sich die Verschütteten laut Bereitschaftsleiter Florian Lotter von der Bergwacht Oberaudorf-Kiefersfelden etwa 1,10 Meter unter dem Schnee. „Es gab aber auch schon Situationen, in denen wir bis zu vier Meter tief graben mussten.“

Bilder der Alpinübung von Polizei und Bergwacht

Staatsminister Dr. Marcel Huber hat mit weiteren Gästen des Bayerischen Staatsministerium des Innern, der Polizeipräsidien Oberbayern Süd und Schwaben Süd/West, der Bayerischen Bereitschaftspolizei, der Landespolizeidirektion Tirol, der Österreichischen Bergrettung und Alpinpolizei, der Staatsanwaltschaften Traunstein, München II und Kempten, der Bergwacht Bayern, sowie der Landratsämter Rosenheim (gekommen war Landrat Wolfgang Berthaler) und Miesbach (Landrat Wolfgang Rzehak) an der Einsatzübung teilgenommen. Die Übungsbeobachter waren von der hohen Leistungsfähigkeit der Retter beeindruckt, die bei schwierigsten äußeren Umständen ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellten. Polizeipräsident Robert Kopp: „Die alpine Großübung hat realistisch gezeigt, dass die Spezialisten von Polizei und Bergwacht selbst in schwierigsten Situationen einen kühlen Kopf bewahren und die gestellten Herausforderungen in einem sehr professionellen Miteinander mit höchstem Engagement bewältigen.“

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd/jb

Quelle: rosenheim24.de

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