"Haben wieder viele Menschen glücklich gemacht"

Hans Lamminger und die Johanniter-Weihnachtstrucker sind wieder zurück

+
64.440 Pakete lieferten die Johanniter-Weihnachtstrucker heuer an bedürftige Familien.

Landshut - 51 Lastwagen und 102 ehrenamtliche Helfer waren mit dem Weihnachtstrucker sechs  Tage und fast 17.000 Kilometer unterwegs, um Menschen ins Osteuropa zu unterstützen. 64.440 Pakete lieferten sie heuer an bedürftige Familien.

Sechs bewegte Tage und fast 17.000 gefahrene Kilometer liegen hinter den rund 140 haupt- und ehrenamtlichen Helfern, die sich mit dem Johanniter-Weihnachtstrucker am 26. Dezember auf den Weg nach Albanien, Bosnien-Herzegowina, nach Nord- und Zentral-Rumänien, Bulgarien und in die Ukraine aufgemacht hatten. Insgesamt 51 Lkw mit 102 ehrenamtlichen Fahrern waren in sechs Konvois gemeinsam mit je zwei Konvoi-Leitern sowie zahlreichen Helfern am zweiten Weihnachtsfeiertag Richtung Südosteuropa aufgebrochen.

Für viele Fahrer beginnt ihr Engagement schon einige Wochen vor der Tour. Sie halten Vorträge über ihre Erlebnisse bei vergangenen Aktionen der Weihnachtstrucker. Einige Tage vor Weihnachten nehmen sich die meisten Fahrer schon Urlaub um mit dem Lkw oder Transporter die Pakete von Schulen, Kindergärten, Firmen, Vereine oder öffentliche Sammelstellen abzuholen und alles für die Tour vorzubereiten. Die Pakete werden an wirtschaftlich schwache Familien, Schul- und Kindergartenkinder, Menschen mit Behinderung, in Armenküchen, Alten- und Kinderheimen durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in Osteuropa überreicht. Für viele Menschen sind die Pakete ein kostbares Zeichen der Hoffnung – ein Zeichen, dass sie nicht vergessen sind in ihrer Not. Jedes der Weihnachtstrucker-Päckchen enthält Lebensmittel und Hygieneartikel von einer sorgfältig zusammengestellten Packliste.

Die Fahrt der Johanniter-Weihnachtstrucker nach Osteuropa

2018 feierten die Weihnachtstrucker 25-jähriges Bestehen

Zu Beginn kamen die Weihnachtstrucker nur aus Bayern. Inzwischen beteiligen sich außerdem Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sowie Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg - und damit fast alle deutschen Landesverbände der Johanniter. 64.440 Pakete lieferten sie heuer an bedürftige Familien.

Konvoi Zentralrumänien

Am 26. Dezember war für die Lastwagen der Konvois Bulgarien, Albanien, Rumänien Nord und Rumänien Zentral gemeinsamer Treffpunkt am frühen Morgen in der Altstadt von Landshut. Nur die Fahrzeuge für die Ukraine starteten in der Nähe von Hannover. Als erstes rief der Konvoileiter Manfred Emmerling zur Besprechung für die Fahrer seines Konvois nach Zentralrumänien. Wie sich wieder zeigte, war der feste Kern der Fahrer aus den letzten Jahren dabei. Nur vier neue Fahrer unter den 26 ehrenamtlichen Lkw-Fahrern. Nach einem ökumenischen Reisesegen verließen die Lastwagen und zahlreiche Begleitfahrzeuge um 10.30 Uhr die Altstadt. Viele Zuschauer winkten den Fahrern. Einsatzkräfte von THW und den Johanniter sperrten alle Kreuzung bis zur Autobahn, damit alle Lastwagen in einem Zug aus der Stadt fahren konnten.

64.440 Pakete lieferten die Johanniter-Weihnachtstrucker heuer an bedürftige Familien.

Zwei Tage lang ging es von Bayern aus durch Österreich, Ungarn nach Rumänien in die Region Harghita. Rund 1.400 Kilometer wurde von den Fahrern insgesamt zurückgelegt. Jeder Lkw war mit zwei Fahrern besetzt, so saß jeder im Wechsel hinterm Steuer. Die Fahrt verlief reibungslos, auf den Autobahnen herrschte kaum Betrieb. An den Grenzübergängen nach Österreich, Ungarn und Rumänien gab es keine Probleme. Die Fahrer übernachten größtenteils in ihren Fahrzeugen. Die Fahrt in Rumänien war anspruchsvoller und dauerte deutlich länger. Die Autobahn A1 ist noch nicht vollständig ausgebaut, und so führte die Route über die Karpaten. Teils waren die Straßen eng und kurvig, und führten durch höhergelegene kleine Orte. Immer wieder mussten Pferdefuhrwerke vorsichtig überholt werden, auf denen Familien mit Kindern bei kaltem Schneewind unterwegs waren. Am Abend wurde der Konvoi zehn Kilometer vor dem Zielort Odorhellen von der Polizei empfangen und mit Blaulicht bis zum Gelände eines Baustoffhändlers begleitet, der seit Jahren sein bewachtes Firmengelände als Parkplatz zur Verfügung stellt. Für die Fahrer ging es mit Kleinbussen weiter in den nahe gelegenen Ort Taureni. Dort wurden die folgenden zwei Nächte in einer Unterkunft für betreutes Wohnen verbracht. Am Samstag machten sich die Fahrer schon zeitig auf den Weg um die Pakete zu verteilen. Im Umkreis von rund 100 Kilometer hatte jeder Lkw in der Regel mehrere Abladestellen. Organisiert wird die Verteilung für die Johanniter von LIA e.V. Rumänienhilfe. LIA heißt übersetzt Jugendstiftung Lokod. Sie arbeitet mit regionalen sozialen Verbänden zusammen, die Geschenkpakete an kinderreiche und hilfsbedürftige Familien und Einzelpersonen verteilen. Die Pakete wurden oft auf kleinere Transporter umgeladen oder in Lager vom Roten Kreuz, Vereine, Stiftungen oder Diakonien gebracht. An den Abladestellen wurde die Anzahl der abgeladenen Pakete protokolliert und per Unterschrift bestätigt. Vor Ort ist man bemüht einen Missbrauch der Hilfspakete zu vermeiden. Dafür werden im Vorfeld schon eingereichte Listen mit den Bedürftigen geprüft.

Menschen leben auf wenigen Quadratmeter

Eine Gruppe von Fahrern machte sich nach der Entleerung ihrer Fahrzeuge mit zwei Geländewagen auf den Weg in ein Bergdorf auf über 1.000 Höhenmeter. Über eine halbe Stunde ging es auf einer von Schnee bedeckten Schotterstraße ins Gebirge. Begleitet von einer Stromleitung, die es erst seit einigen Jahren dort gibt. Das Wasser entnehmen die Menschen am Berg immer noch aus ihren Brunnen. Die Fahrt dorthin war abenteuerlich zu den letzten Häusern auf der Strecke führte der Weg zum Teil durch ein Bachbett und war gerade mal so breit wie der Geländewagen. Die Häuser oft aus Holz und nur zum Teil aus Stein gebaut. Beim Betreten der Häuser zeigte sich bittere Armut, wie wir sie uns kaum vorstellen können. Auf wenigen Quadratmetern leben, essen und schlafen Familien mit teils mehreren Kindern. Die Menschen in dieser Region werden von der Regierung stark vernachlässigt, da sie einem Volksstamm einer ungarischen Minderheit in Rumänien angehören. Auf dem Rückweg ist es still im Auto. Jeder verarbeitete seine Erlebnisse für sich.

Am zweiten Tag besuchten die Fahrer das Dorf Lokod von der LIA Stiftung und verschafften sich dort einen Eindruck über die Arbeit von Elke und Herbert Flöck. Die beiden haben 1995 begonnen ein Jugenddorf für junge Menschen aufzubauen, die ihre Kindheit in rumänischen Kinderheimen verbringen mussten. Zum Abschluss wurden alle in der Dorfkantine mit leckerem Essen verköstigt und als Dankeschön überrascht eine Seniorengruppe in Landestracht mit einem typischen Volkstanz. Gegen 14 Uhr gab es eine letzte Besprechung mit kurzen Anweisungen vom Konvoileiter Manfred Emmerling. Geschlossen machten sich die 13 Trucks auf den Heimweg, der wieder in zwei Etappen erfolgte. Am österreichischen Autohof Oed wurde am zweiten Rückreisetag noch ein letztes Mal gemeinsam gegessen. Danach hieß es Abschiednehmen für die Weihnachtstrucker und den Begleitern von den Johanniter. Für viele ein Abschied für die nächsten zwölf Monate. Manche Fahrer treffen sich auch unter dem Jahr auf der Straße oder bei Veranstaltungen. Die, die zum ersten Mal dabei waren, müssen die vielen Eindrücke und Erfahrungen erst einmal verarbeiten und werden dann entscheiden, ob sie auch wieder dabei sind, wenn die Johanniter-Weihnachtstrucker wieder nach Osteuropa fahren um Pakete zu verteilen. Für die meisten Beteiligte, die seit vielen Jahren der Aktion angehören, lautet das Motto: „nach dem Weihnachtstrucker ist vor dem Weihnachtstrucker“ und „einmal Weihnachtstrucker immer Weihnachtstrucker“.

Auch Hans Lamminger wird wieder dabei sein, und wie im letzten Jahr bereits im November mit dem Sammeln von Paketen beginnen. Wer die Aktion unterstützen möchte darf sich gern bei ihm melden um mehr zu erfahren.

FDL/Lamminger

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT