Im Gespräch mit dem Bayerischen Brauerbund

Sommer, Sonne, Engpass in der Brauerei: Es ist anders, als man denkt

  • schließen

Landkreise – Sommer, Sonne, Engpass in der Brauerei. Wie kann das sein im Land der Brauer und Mälzer schlechthin? innsalzach24 hat nachgefragt.

Das Bier wird knapp“, „Wir können nicht mehr abfüllen“, „Wir müssen nachproduzieren“: Solche Nachrichten aus der heimischen Brauwelt lassen Genießer des edlen Gerstensaftes, der Hopfenkaltschale, des „Grundnahrungsmittels“ aufhorchen. „Es gibt kein Bier? Kann nicht sein.“

„Es gibt kein Bier auf Hawaii“

1963 erscheint das Lied „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ von Paul Kuhn. Stimmt nicht. Es gibt Bier auf Hawaii, ja sogar eine Brauerei. Im Text heißt es „Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier. Drum fahr ich nicht nach Hawaii, drum bleib ich hier.“

Hier (auch) kein Bier?

Ganz so ist es freilich nicht, nicht wie auf Hawaii im Lied von Paul Kuhn. Es gibt aber gleich mehrere Brauereien, wo es knapp wird bei der Hauptsorte, diese gar nachproduziert werden muss. Andere bitten ihre Kunden und Endkunden darum, das Leergut zurückzubringen. Drei Beispiele:

Wie kann das sein im Land der Brauer und Mälzer schlechthin? innsalzach24.de hat beim Bayerischen Brauerbund nachgefragt.

Lieber Schorle in der Schwüle

Die Hitzewelle der letzten Wochen ist nicht schuld an den Engpässen beim Bier. Bei über dreißig Grad und großer Schwüle greifen ganz offenbar viele lieber auf alkoholfreie Getränke zurück und trinken auch schon mal gerne Saftschorle oder Wasser. Habe es zur Fußball-WM noch große Zuwächse beim Bierverkauf gegeben, seien die Zahlen zurückgegangen und würden aktuell stagnieren, so Walter König vom Bayerischen Brauerbund. Freilich seien Zuwächse schön, egal in welchem Bereich. Es sei aber zu erwarten gewesen, dass diese nicht dauerhaft gehalten werden.

An einem lauschigen Sommerabend schmeckts. Bei hohen Temperaturen vielen nicht. 

Ein Zeichen von Qualität

Zu den Engpässen sagt König, dass es dieses Jahr bisher super laufen würde für die heimischen Brauer. Da könne es schon mal eng werden mit dem Nachschub. Warum ist das so? Wohl die meisten Brauereien hierzulande setzen auf Qualität und traditionelle Gär- und Lagermethoden. Soll heißen: Das Bier muss reifen und das dauert seine Zeit. Um den Ausstoß zu erhöhen hat eine Brauerei zwei Möglichkeiten:

  • Ausbau/Erweiterung: Das bedeutet ein größeres Sudhaus, mehr Gär und Lagertanks. Das bedeutet wiederum folgerichtig enorme Investitionen.
  • Kürzere Gär- und Lagerzeiten: Das ist durchaus möglich. Die Rechnung dahinter ist einfach. Verweilt das Bier in der Brauerei nur halb so lange, sind die Kapazität und damit der Ausstoß verdoppelt. Der Unterschied ist deutlich zu schmecken.

Es ist also ein Zeichen von Qualität, wenn eine Brauerei mal einen Engpass hat und das nicht nur, weil das Bier gefragt ist sondern auch weil man dort eine klare Linie fährt in punkto Tradition und echtem Brauhandwerk.

Mit Malz und Wasser fängt das Bierbrauen im Sudhaus an (Archivbild)

Angebot und Nachfrage

Gerade bei kleinen Spezialitätenbrauereien könne es durchaus sein, dass die Hauptsorte vergriffen ist, so Walter König zum Beispiel der Burghauser Brauwerkstatt. Der Grund: Der Mythos Bayern, der sehr eng mit Bier verbunden ist. Darüber berichten auch die Medien sehr gerne. Damit erreicht so eine Brauerei eine breite Öffentlichkeit. Die gestiegene Nachfrage ist dann gerne mal nicht mehr zu decken. Dazu kommt die bereits erwähnte Qualitätsphilosophie und so müssen Biergenießer auch schon mal warten, bis die Hauptsorte wieder verfügbar ist.

Bier muss reifen (Archivbild)

Ein großer Kostenfaktor

Im Sommer könne es schon mal knapp werden mit dem Leergut. Das sei ganz normal, so Walter König auf Nachfrage von innsalzach24.de. Der Flascheneinsatz sei gerade im Sommer enorm: ein großer Kostenfaktor also, gerade für die kleinen und mittelständischen Brauereien. Die Problematik würde sich durch die steigende Vielfalt an Flaschen (teils sehr individuelle) noch verschärfen. Klar: Hat eine Brauerei ganz besondere Flaschen, braucht sie die bei großer Nachfrage noch schneller wieder zurück oder sie muss neue kaufen.

Damit die Leitung zur Abfüllung steht, braucht es das nötige Leergut.

Fazit:

  • Es ist bisher ein sehr gutes Jahr für die Brauereien in der Region.
  • Engpässe oder gar, dass eine Sorte vergriffen ist, sind ein Zeichen von Qualität.
  • Leergut bitte nicht zuhause stapeln und am besten vor dem Urlaub zurückbringen.

rw

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT