Zahlen für alle Landkreise

So viel Fläche wird in der Region verbraucht

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Landkreise Rosenheim/Traunstein/Mühldorf/Berchtesgadener Land/Altötting - Auf eine Anfrage im Bayerischen Landtag hin veröffentlichte die Staatsregierung Zahlen zum Flächenverbrauch auch in unserer Region. 

Der Freie Wähler-Landtagsabgeordnete Dr. Hans Jürgen Fahn aus dem Stimmkreis Aschaffenburg-West stellte am achten Mai eine Kleine Anfrage zum Thema "Flächenverbrauch und Flächennutzung im Jahr 2018" an die Staatsregierung. Seine Antwort erhielt Fahn erst Anfang Oktober vom Umweltministerium in Abstimmung mit dem Innen- sowie dem Bau- und Verkehrsministerium. 

Auf Fahns Frage hin erklärten die Ministerien, der Flächenverbrauch errechne sich aus der Veränderung der Siedlungs- und Verkehrsfläche zum Stichtag 31. Dezember des jeweiligen Jahres gegenüber dem Vorjahr. 

Geänderte Erfassungsmethode - Daten momentan nur bis 2016

Die aktuellsten, nach Stand Oktober 2018 verfügbaren Daten stammen vom Stichtag 31. Dezember 2016. Zudem wird seit einiger Zeit ein neues Verfahren bei der Erfassung der verbrauchten Flächen angewendet. Dabei werden neben einer reinen Betrachtung der offiziellen Einträge für Flächennutzungen auch Luftbilder ausgewertet, um ein Bild der tatsächlichen Flächennutzung zu erhalten. So soll beispielsweise ausgeschlossen werden, dass eine als Industriefläche ausgewiesene begrünte Brachfläche falsch verrechnet wird. 

"Die Siedlungs- und Verkehrsfläche setzt sich unter der Berücksichtigung der Berechnungen auf Basis des Automatisierten Liegenschaftsbuchs, aus der Verkehrsfläche und Siedlungsfläche, welche Gebäude- und Freifläche, Betriebsflächen ohne Abbauland, Erholungsfläche und Friedhofsfläche beinhalten, zusammen." Basierend auf der Auswertung nach dem Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS) werde die Siedlungs- und Verkehrsfläche aus der Verkehrsfläche und der Siedlungsfläche, ohne Berg- und Tagebau sowie Steinbrüche und Gruben, berechnet.

Amt antwortet zum Flächenverbrauch

"Im Jahr 2016 betrug der Flächenverbrauch in Bayern 3.581 Hektar, also 35,8 Quadratkilometer", so die gemeinsame Antwort der Ämter weiter, "Pro Tag betrug er im Jahr 2016 in Bayern durchschnittlich 9,8 Hektar."  Allerdings würden in der amtlichen Statistik keine Daten zu den tat-sächlich versiegelten Flächen am jährlichen Flächenverbrauch erhoben. "Nach einer Studie des Landesamts für Umwelt aus dem Jahr 2017 beträgt der Versiegelungsgrad der Siedlungs- und Verkehrsflächen, nach Stand 2015, bayernweit 50,9 Prozent. 2015 waren insgesamt rund 6 Prozent der Landesfläche Bayerns versiegelt."

  • In Bayern wurden im Jahr 2016 insgesamt 567,4 Hektar (5,7 Quadratkilometer) für Verkehrsflächen in Anspruch genommen.
  • In Bayern wurden im Jahr 2016 insgesamt 1.635,2 Hektar (16,4 Quadratkilometer) für Wohnbaufläche in Anspruch genommen.
  • In Bayern wurden im Jahr 2016 insgesamt 132,8 Hektar(1,3 Quadratkilometer) für Industrie und Gewerbe in Anspruch genommen.
  • Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche belief sich Ende 2016 auf 12 Prozent (8.433 Quadratkilometer) der Gesamtfläche Bayerns (70.542 Quadratkilometer).
  • Der Umfang der Flächen in Bayern, die nach ihrer Inanspruchnahme als Ausgleichs- und Ersatzfläche nicht mehr unmittelbar landwirtschaftlich genutzt, jedoch gegebenefalls noch von Landwirten extensiv bewirtschaftet beziehungsweise gepflegt werden, beträgt seit Anfang 2005 bis heute 2.239 Hektar (22 Quadratkilometer).

Auch Daten für die Region

In der Region verzeichnet, wenig überraschend, der Landkreis Rosenheim den stärksten Flächenverbrauch zum Stichtag 31. Dezember 2016. Er wird gefolgt vom Landkreis Traunstein und dann, weitab erst, dem Berchtesgadener Land. 

Die Zahlen für die Region zum Stichtag 31. Dezember 2016:

Bereich

Siedlungs- und Verkehrsfläche in ha

Flächenverbrauch in ha

Flächenverbrauch pro Tag in ha

Bayern

8433331,08

3581,51

9,79

Oberbayern gesamt

213463,5

1119,34

3,06

Kreisfreie Stadt Rosenheim

1531,41

14,7

0,04

Landkreis Altötting

7477,61

29,77

0,08

Landkreis Berchtesgadener Land

5910,3

48,76

0,13

Landkreis Mühldorf am Inn

8610,08

29,57

0,08

Landkreis Rosenheim

16017,76

134,35

0,37

Landkreis Traunstein

13101,06

93,42

0,26

Auch bei der Entwicklung des Flächenverbrauchs in der Region verhält es sich ähnlich. Hier muss jedoch ab 2012 die geänderte Erfassungsmethodik als Grund für den massiven Einbruch des Verbrauchs mit bedacht werden.

Volksbegehren scheiterte im Juli vor Gericht

Im September des vergangenen Jahres hatten die Grünen gemeinsam mit der ÖDP, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) das sogenannte Bündnis gegen den Flächenfraß in Bayern gestartet. Ihr Volksbegehren hatte das Ziel, den Flächenverbrauch in Bayern ab 2020 von zehn auf circa fünf Hektar am Tag zu begrenzen. Nur ein halbes Jahr später konnten die Grünen und ihre Bündnispartner am Mittwoch fast 50.000 Unterschriften für ein Volksbegehren an das Innenministerium übergeben. 

Fahn reichte seine Anfrage im Mai ein, zwei Monate bevor der Bayerische Verfassungsgerichtshof Volksbegehren stoppte. Fahns Freie Wähler hatte das Volksbegehren ebenso wie CSU und SPD kritisiert. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien nicht gegeben,

sagte der Präsident des Gerichts bei der Urteilsverkündung in München Mitte Juli.

Durch die Ziele des Volksbegehrens würde die kommunale Planungshoheit unzulässig eingeschränkt.

Auch in der Region Widerspruch

In der Region gab es auch Widerspruch gegen das Volksbegehren. Beispielsweise kam es Mitte März im Landkreis Traunstein und dann auch Anfang April im Landkreis Mühldorf zu Resolutionen der Bürgermeister-Versammlungen dagegen. In beiden Fällen erklärten die Gemeindeoberhäupter, dass sie unter anderem Betriebsverlagerungen, höhere Grundstückspreise, weniger Wohnungsbau, noch mehr Pendler und weniger Freiheit für die Kommunen befürchten.

Auch die IHK positionierte sich, unter anderem bei einer Pressekonferenz in Mühldorf Mitte März, klar gegen den Volksentscheid. "Die Landkreise Mühldorf und Altötting sind grün", betonte Ingrid Obermeier-Osl, Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern und Vorsitzende des Regionalausschusses für Altötting und Mühldorf.

Die Mühldorfer ÖDP und Grüne wiederum beispielsweise

positionierten sich im Anschluss noch einmal ausdrücklich für das Volksbegehren. 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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