In allen Landkreisen

Drastischer Anstieg der "Alters-Hartz-IV"-Bezieher in der Region

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Landkreis - In der gesamten Region ist die Zahl der Rentner, die zusätzlich Grundsicherung beziehen müssen teilweise drastisch angestiegen. Dies teilte die Gewerkschaft NGG unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Landesamtes mit.

Die Altersarmut ist in der Region auf dem Vormarsch, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in einer Pressemitteilung erklärt. Überall ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Menschen, die neben ihrer Rente noch eine Grundsicherung bezieht, was auch als "Alters-Hartz-IV" bezeichnet wird, teilweise drastisch angestiegen.  Die NGG Rosenheim-Oberbayern bezieht sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamts. NGG-Geschäftsführer Georg Schneider nannte die Zahlen einen "Weckruf" und fordert einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.

Die Zahlen für die Region:

  • Im Landkreis Rosenheim ist die Zahl um 236 Prozent auf 2.322 Bezieher gestiegen.
  • In der kreisfreien Stadt Rosenheim lebten zuletzt 843 Bezieher.
  • 2.625 Menschen können in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land nicht von ihrer Rente leben, das ist eine Steigerung von 150 beziehungsweise 130 Prozent.
  • Im Landkreis Mühldorf waren es zuletzt 1.313 Bezieher, eine Steigerung von 251 Prozent
  • 1.235 Bezieher waren es zuletzt im Landkreis Altötting

"Altersarmut ist auch bei uns ein großes Thema, das uns sehr berührt", bestätigte Josef Kugler, Vorsitzender des Seniorenbeirats Rosenheim die Zahlen für die Stadt gegenüber dem Oberbayerischen Volksblatt (OVB).

Besonders traurig mache ihn, das viele Betroffene aus Scham keine Unterstützung in Anspruch nehmen würden. Auch die Vertreter weiterer gemeinnütziger Organisationen aus der Stadt schlossen sich dem gegenüber dem OVB an. Bundesweit müssen die Tafeln auch immer mehr Rentner versorgen.

Gewerkschaft will tarifliche Renten stärken

"Zwar ist die Rentenkasse so gut gefüllt wie lange nicht, aber Geringverdiener profitieren kaum von der nächsten Erhöhung", so NGG-Geschäftsführer Schneider. Gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vieler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häufig nicht erspart. Verschärfen dürfte sich die Lage in den nächsten zwei Jahrzehnten: Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung wird das Armutsrisiko besonders für die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre ansteigen – von aktuell 15 auf 20 Prozent im Jahr 2036. Als armutsgefährdet gilt ein Rentner, dessen Netto-Einkommen unter 958 Euro monatlich liegt.

Die NGG Rosenheim-Oberbayern plädiere daher für eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Politik müsse dringend handeln: Denn die Bundesregierung geht in ihrem aktuellen Rentenversicherungsbericht noch von einem Absinken des Rentenniveaus auf 44,6 Prozent bis zum Jahr 2031 aus. "Wichtig ist aber auch die betriebliche Altersvorsorge als Unterstützung der gesetzlichen Rente. Sie kann ein Schutz gegen Altersarmut sein – gerade wenn sie fest im Tarifvertrag verankert ist", betont Schneider. 

Immerhin dürften ab Januar Betriebsrenten nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden. Ein neues Gesetz garantiere hier Freibeträge. Die Gewerkschaft NGG habe sich für das kommende Jahr vorgenommen, diese tariflichen Renten weiter zu stärken.

hs/Pressemitteilung NGG-Region Rosenheim-Oberbayern

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

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