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„Man muss den Wolf doch nicht gleich abknallen“

Wie beim Thema „Wolf“ noch immer die Welten aufeinanderprallen

Beim Thema „Wolf“ gehen die Meinungen auseinander
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Beim Thema „Wolf“ gehen die Meinungen auseinander.

Kaum ein Thema zieht sich so hartnäckig durch fast ganz Südbayern, wie das Thema des Wolfes. Die Fälle der Wolfsangriffe häufen sich in der letzten Zeit wieder und daher wird die Frage immer lauter – was tun mit dem Wolf? Hierbei prallen allerdings Welten aufeinander.

Landkreise – Bei der Frage, wie in Zukunft mit dem Wolf umgegangen wird, oder vielmehr werden soll, könnten die Positionen unterschiedlicher kaum sein. Sogenannte Wolfsromatiker treffen auf Entnahme-Befürworter. Die einen erteilen dem Wolf überspitzt formuliert die komplette Narrenfreiheit, die anderen wollen ihn gnadenlos töten lassen. Besonders hoch kocht die Thematik gerade deswegen, weil nun die Entnahme eines Wolfes offiziell beantragt wurde. Dieser Thematik wird sich in letzter Instanz wohl ein Richter annehmen, es könnte der erste Wolfsabschuss seit über 100 Jahren werden.

„Man muss den Wolf doch nicht gleich abknallen“

Die gemeinnützige Unternehmergesellschaft „Wildfleck“ kritisiert den Antrag auf die Entnahme beispielsweise scharf und steht dabei stellvertretend für viele weitere Wolfsbefürworter. Wildfleck stellt klar: „Natürlich sind Wölfe kein Streichelzoo, dennoch muss man den Wolf nicht gleich abknallen, nur weil er fünf Schafe reißt.“ Laut der gemeinnützigen Gesellschaft schießt der Entnahme-Antrag von Traunsteins Landrat Walch (CSU) nicht nur über das Ziel hinaus, sondern ist ein Alleingang. Besonders wird kritisiert, dass der Kreisrat nicht informiert oder beteiligt wurde. Der Vorstoß wird als „Einzelaktion des schießwütigen Landrats“ bezeichnet.

Auch spricht „Wildfleck“ dem Verband der Forstberechtigten, an dessen Spitze Walch steht, das Entscheidungsvermögen bei der Frage, was mit dem Wolf geschehen soll, ab. Denn: „In diesem Verband sind Holzrechtler in der Mehrheit. Die Weiderechtler halten wiederum nur im Sommer Vieh. Zudem halten nur wenige Almbauern Schafe“, sondern eben Kühe oder Kälber und für diese Herden sei ein einzelner Wolf keine Gefahr.

„Wir können nicht weiter zusehen...“

Eine ganz andere Position vertritt Klaus Steiner (CSU), Traunsteiner Stimmkreisabgeordneter und Mitglied im Agrar- und Umweltausschuss des Landtages: „Der Wolfsriss in Bergen wird auch im Bayerischen Landtag ein Nachspiel haben“, drohte Steiner am Dienstag (23. November) „Wir können nicht zusehen, wie eine falsch verstandene Wolfsromantik die Weidehaltung und die Almwirtschaft in unserer Region kaputt macht“, verleiht er seiner Position Nachdruck.

Steiner ist verärgert, dass unter anderem er sich seit Jahren bemüht, gegen den auf europäischer Ebene geltenden Schutzstatus vorzugehen, aber immer wieder scheitert. Beispielsweise die neun grünen Agrarminister im Bundesrat, „die ein einheitliches Vorgehen der Bundesrepublik Deutschland im Bundesrat verhindern“, sind ihm ein Dorn im Auge. Der Riss in Bergen mit sechs toten Schafen ist jetzt Anlass, erneut einen Vorstoß zu unternehmen, betont Steiner, wenngleich er es langsam leid sei, dass Tatsachen und Fakten in der Diskussion um den Wolf einfach ignoriert würden.

Für Steiner gilt es als Fakt, dass eine kleinteilige Weide- und Almwirtschaft neben Wolfsrudeln im Chiemgau, Berchtesgadener Land, Inntal oder dem Allgäu, einfach nicht möglich sei. „Eine Koexistenz zwischen Weidehaltung und Wolf gibt es nicht“, betont der Politiker. Zudem mahnt er, dass der Vergleich mit anderen europäischen Regionen hinkt. Beispielsweise in den Pyrenäen hätte der Wolf einen ganz anderen Lebensraum, da die Dörfer dort viel weiter auseinander lägen.

Der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete kritisierte dabei auch Teile der Gesellschaft, die gleichzeitig einerseits von freilaufenden Weidetieren schwärme und andererseits die Population von Wölfen und Bären in der Region befürworte. Die Bedenken vieler Landwirte könne Steiner gut verstehen, lies er verlauten. Er mahnte an, dass es mittlerweile nicht umsonst viele Stimmen aus der Landwirtschaft gäbe, besonders von kleineren Betrieben, die angesichts der Bilder vom letzten Schafriss überlegen, mit der Landwirtschaft aufzuhören, sollten keine dauerhaften Lösungen gefunden werden.

Vorgeschlagene Schutzmaßnahmen sieht Steiner als nicht umsetzbar, zu kostspielig oder realitätsfern. Beispielsweise der Einsatz von Schutzhunden würde spätestens dann zu Problemen führen, wenn dutzende Wanderer mit ihren Hunden die Schafsherden passieren. Auch Entschädigungszahlungen bei einem Riss helfen nicht wirklich weiter, denn sie können ein liebevoll aufgezogenes Tier nicht ersetzen.

Steiner schlägt sich auf Walchs Seite

Daher begrüßt Steiner ausdrücklich den Entnahme-Vorstoß Walchs. „Dieser Schritt ist folgerichtig und konsequent. Wir können die Landwirte und Viehhalter nicht einer romantischen Sichtweise aussetzen und sie hilflos im Regen stehen lassen“. Große Beutegreifer wie Wolf oder Bär können laut Steiner hier einfach keinen artgerechten Lebensraum mehr vorfinden. Das könne man beklagen, aber es sei nun einmal die Realität.

Walch verteidigt seinen Vorstoß

Auf Anfrage von chiemgau24.de und mit dem Vorwurf des „schießwütigen Landrats“ konfrontiert äußerte sich Walch folgendermaßen: „Der letzte Wolfsvorfall hat sich bereits in Siedlungsstrukturen ereignet. Das heißt der Wolf taucht immer näher am bewohnten Gebiet auf. Zudem haben wir im südlichen Teil des Landkreises eine überhaupt nicht schützbare Geländestruktur. Die Almwirtschaft ist für uns ein ganz wichtiges Standbein und vor allem auch aus ökologischer Sicht ein ganz wertvoller Aspekt. Die Almwirtschaft hat für das ökologische Gleichgewicht auch im Hinblick auf Artenvielfalt, Biodiversität und Insekten eine ganz besondere Rolle. Diesen Wert gilt es zu schützen und zu erhalten.

Ein Nebeneinander von Almwirtschaft auf der einen Seite und Wolf auf der anderen Seite ist aus unserer Sicht nicht machbar. Wer über Weideschutz philosophiert, sollte sich auch mal anschauen, wie das in der Praxis ausschaut. Die Gebiete sind nachweisbar nicht schützbar und deswegen ist eine Entnahme aus unserer Sicht der notwendige Schritt.“

Wie es mit dem Thema weitergeht bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass die Positionen kaum unterschiedlicher sein könnten und so ist der Weg bis hin zu einem geeigneten Kompromiss ein weiter.

nt

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