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Hubert Aiwanger in Unterwössen im Exklusiv-Interview

„Man erkennt, welch kleines Würstchen der Mensch in diesen Naturräumen ist“

Hubert Aiwanger (FW) auf der Agersgschwendt-Alm bei Unterwössen
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Der stellvertretende Ministerpräsident und bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) auf der Agersgschwendt-Alm bei Unterwössen.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Unterwössen - Hoher Besuch auf der Agersgschwendt-Alm: Bei der Almbegehung mit rund 200 Teilnehmern war Hubert Aiwanger (FW) unter den Ehrengästen. chiemgau24.de hat mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und bayerischen Wirtschaftsminister über die anstehende Bundestagswahl, aktuelle Corona-Debatten, den Wolf in der Region sowie Hochwasser- und Unwetterschutz geredet.

Herr Aiwanger, der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Ramsauer spricht gerne vom „schönsten Wahlkreis“, wenn er im Chiemgau und Berchtesgadener Land ist. Können Sie diesen Eindruck hier an der Agersgschwendt-Alm bei Unterwössen bestätigen – oder bevorzugen Sie Ihre Heimat Niederbayern?

Ich glaube, jede Region hat ihren besonderen Reiz. Aber ich muss auch sagen: Hier hat sich der liebe Gott schon besondere Mühe gegeben.

Was ist denn das Besondere für Sie an dieser Region?

Den Chiemgau zeichnet die Vielfalt der Touristenmagnete aus – für Jung und Alt ein riesiges Spektrum. Zu nennen ist die einzigartige Kultur mit den Schlössern, Klöstern und Museen. Doch auch die Chiemgauer Alpen haben etwas Majestätisches, Idyllisches und imponieren gerade auch den Touristen aus dem Flachland, der ansonsten die weite Ebene gewohnt ist. Man erkennt einfach, welch kleines Würstchen der Mensch in diesen Naturräumen ist.

In diesen Naturräumen fühlt sich inzwischen auch der Wolf vereinzelt wieder wohl – Wie stehen Sie zu dem doch umstrittenen Thema? 

Den Wolf im Griff zu haben bedeutet für mich Tierwohl. Der Wolf verursacht viel Tierleid, wenn er Almtiere in Weiden reißt und die Herden in den Abgrund treibt. Tierwohl heißt auch Wolfskontrolle.

Mit Plakaten machten die Almbauern auf der Agersgschwendt-Alm bei Unterwössen im Rahmen der Almbegehung auf die Wolf-Debatte aufmerksam.

Weil wir schon bei Peter Ramsauer waren: Kommen wir auf den Bundestag zurück. Sie führen die Freien Wähler im Wahlkampf an. Wie sehen Sie die Chancen für die außerhalb Bayerns eher noch unbekanntere Gruppierung?

Wir sind bundesweit bekannt, haben in Umfragen und auch bei Landtagswahlen über drei Prozent eingefahren, in Bayern liegen wir bei Bundestagsumfragen bei sechs bis acht Prozent. Wir sind im Europäischen Parlament, genauso wie in der Bundespolitik angekommen. Jetzt hoffen wir natürlich die Fünf-Prozent-Hürde knacken zu können. Die Freien Wähler würden dem Bundestag gut tun. 

Sollten die Freien Wähler wirklich in den Bundestag einziehen, würde dies das Ende Ihrer Regierungsarbeit in Bayern bedeuten?

Ich würde mein Ministeramt in Bayern aufgeben und nach Berlin gehen. Ich will für die Freien Wähler in den Bundestag einziehen, um dort für unsere Heimat etwas zu bewegen. In Berlin hätte ich vielleicht mehr Einfluss als ich jetzt habe. Denn dort ist oftmals der Gestaltungshebel länger als in Bayern. Ich bin mit Herzen ein Bayer und werde mich in Berlin für meine Heimat einsetzen. Man muss nicht Minister sein, um seine Heimat zu achten und genießen zu können. Auch als Bundestags-Abgeordneter wäre ich nicht weg vom Schuss, dann würde ich eben statt nach München nach Berlin fahren. Als bayerischer Wirtschaftsminister bin ich ohnehin nicht nur in meinem Heimatgebiet unterwegs, sondern auch in vielen anderen Bundesländern außerhalb der eigenen Landesgrenzen. Kurzum: So viel würde sich für mich nicht ändern.

Die Regierungsarbeit wird derzeit in der Corona-Pandemie auf eine harte Probe gestellt. Könnte die Debatte ums Impfen die schwarz-orange Koalition in München in eine echte Krise stürzen?

Nein, die Krise wird herbeigeredet. Gerade Richtung Sommerloch wird gerne auch von den Medien viel Streit inszeniert und es ist nichts Ungewöhnliches daran, unterschiedliche Ansichten zu vertreten. Es ist ganz normal, dass in Regierungen mit zwei Parteien auch mal unterschiedliche Meinungen auftreten. Dann diskutieren wir auf Augenhöhe die unterschiedlichen Standpunkte. Wir haben viel erreicht und die Freien Wähler sind ein wichtiges Korrektiv in der Bayernkoalition. Zum Impf-Thema selbst kann ich nur für mehr Sensibilität plädieren. Impfen ist ein wichtiges Werkzeug und ich bin froh, dass es diese Möglichkeit jetzt gibt, jeder kann sich impfen lassen. Aber jeder muss die Freiheit haben, für sich selbst und Eltern für ihre Kinder die Entscheidung zu treffen. 

Huber Aiwanger bei seiner Begrüßungsrede zur Almbegehung auf der Agersgschwendt-Alm bei Unterwössen am Mittwoch, 4. August 2021.

Bleiben wir bei der Pandemie und ihren Einschränkungen: Vor allem in Hinblick auf Hotellerie und Gastronomie vertreten Sie häufig einen anderen Standpunkt. Wie zufrieden sind Sie mit den aktuellen Maßnahmen?

Im Großen und Ganzen läuft es momentan wieder ganz gut in Tourismus und Gastronomie. Teilweise wird sogar Personalmangel beklagt, weil im Lockdown viele in andere Berufe abgewandert sind. In den Hotels gilt aktuell die Einhaltung der 3G-Regel - damit kann man arbeiten. Die Hygienevorgaben sind machbar und mit dem jetzigen Reglement funktioniert es. Wenn wir nicht wieder verschärfen und an einigen Stellen noch lockern - bei Gelegenheit beispielsweise bei der Sperrstunde - dann können wir alle damit leben und wirtschaften. Dafür bin ich durchaus bereit, ein vernünftiges Maß an Sicherheit durch Hygienemaßnahmen aufrecht zu erhalten.

Ist es sinnvoll, weiter an der Sieben-Tage-Inzidenz festzuhalten – zumal Ausbruchgeschehen wie jüngst im Berchtesgadener Land gezielt nachverfolgt werden können?

Der Inzidenzwert ist ein Anhaltspunkt über das Infektionsgeschehen, wir müssen aber die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Wo früher ein Lockdown ausgerufen wurde, ist heute vielleicht keiner mehr vonnöten durch verschiedene Maßnahmen von Impfen über Maske bis hin zu Abstand. Eine Inzidenz von beispielsweise 50 vor einem Jahr hatte andere Auswirkungen als heute.

Der Blick auf den Herbst bereitet dennoch vielen Bauchschmerzen, Stimmen über einen neuen Lockdown werden laut: Können Sie dazu schon eine Einschätzung abgeben?

Ich gehe nicht davon aus, dass Herbst und Winter neue Lockdowns mit sich bringen. Man weiß zwar nie, was die Bundesregierung vorhat, aber ich kämpfe auf alle Fälle dafür, dass wir keine neuen Lockdowns ausrufen.

Wie kann dem wirtschaftlichen Schaden durch bisherige Lockdowns entgegengesteuert werden?

Wir fördern Qualitätstourismus in Bayern. Er muss wirtschaftlich, naturverträglich und barrierefrei sein. Deshalb werben wir so für den heimischen Tourismus. Es ist gut, wenn die Leute in Bayern Urlaub machen und als Gäste die wirtschaftliche Existenz der Betriebe sichern. In vielen Gebieten waren im vergangenen Jahr wegen Corona mehr Gäste als in Zeiten vor der Pandemie – gerade in den strukturschwächeren ländlichen Gebieten, die man früher als Tourismusgebiete vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatte und jetzt neu entdeckt hat. Das wollen wir gezielt mit Werbekampagnen fördern, um diese Regionen bekannter zu machen und auch in die Modernisierung von Betrieben investieren, sodass auch kleinere Betriebe sich am Markt besser behaupten können. Wir wollen dem Tourist Gesamtbayern mit seinen einmaligen Gesundheits-, Genuss- und Kulturangeboten in einer wunderschönen Landschaft und Natur anbieten.

Hubert Aiwanger im Gespräch mit Teilnehmern der Almbegehung bei Unterwössen.

Neben Corona beherrschen auch Unwetter und Hochwasser die Schlagzeilen – gerade das Berchtesgadener Land hat es in der Region erwischt. Wie sehen da die staatlichen Hilfen aus?

Der Bund hat Hilfen angekündigt. Im Vorfeld müssen aber noch offene Fragen wie die nach nötigen Versicherungen geklärt werden. Sind dann noch Lücken da, so versuche ich zu erreichen, dass diese zeitlich als auch von der Gebietskulisse her so angegangen werden, dass keine Region durchs Raster fällt.

Es wird davor gewarnt, dass solche Ereignisse erst der Anfang sind. Wo sehen Sie die Aufgaben der Politik, hier aktiver zu werden?

Gegen schwere Unwetter werden wir nie eine endgültige Lösung finden, aber es ist es wichtig, vorbeugend den Unwetterschutz zu optimieren – beispielsweise dort, wo Bäche plötzlich zu reißenden Sturzfluten werden. Hochwasser- und Murenschutz, Geröll- und Lawinenverbauung – wir müssen genau unter die Lupe nehmen, wo Gehöfte oder Siedlungen gefährdet sind, wenn größere Wassermassen runterkommen. Wir dürfen nicht danach nur mit Fördergeldern ankommen, sondern müssen im Vorfeld Unwetter-Auswirkungen reduzieren. Daher hat das Umweltministerium mit meinem Kollegen Thorsten Glauber eine Beratungs-Offensive Hochwasser und Starkregen ins Leben gerufen. Wir wollen gemeinsam mit den Wasserwirtschaftsämtern Kommunen mit so genannten Sturzflut-Beratungen bestmöglich auf Extremwetterereignisse vorbereiten.

Herr Aiwanger, herzlichen Dank für das Interview und noch einen schönen Aufenthalt im Chiemgau.

mb

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