Wohnungsbau-Kampagne mit überraschenden Ergebnissen

SPD-Kreisverband Traunstein: „Wohnraum ist knapp, Nachfrage ist riesig“

Überraschende Ergebnisse wurden in der jüngsten Online-Konferenz der Kreis-SPD zu „bezahlbaren Wohnraum“ zusammengetragen und daraus Handlungsempfehlungen für die Kommunen abgeleitet. .
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Überraschende Ergebnisse wurden in der jüngsten Online-Konferenz der Kreis-SPD zu „bezahlbaren Wohnraum“ zusammengetragen und daraus Handlungsempfehlungen für die Kommunen abgeleitet. .

Kurz vor Weihnachten startete die SPD im Landkreis Traunstein ihre Wohnungsbau-Kampagne. Nun liegen bereits erste Ergebnisse der umfangreichen Befragung unter den Landkreis-Kommunen vor.

Landkreis Traunstein – „Wohnraum ist überall knapp und die Nachfrage ist riesig.“ Dieses Fazit zog der stellvertretende Kreisvorsitzende Sepp Parzinger aus den ersten Ergebnissen der Wohnungsbau-Kampagne, die der SPD-Kreisverband Traunstein als umfangreiche Befragung unter 35 Landkreis-Kommunen kurz vor Weihnachten gestartet hatte. „Vor allem eines wird deutlich: Handeln ist angesagt. Wir müssen jetzt aktiv werden“, forderte Parzinger in einer Online-Konferenz, zu der über 50 Teilnehmer zugeschaltet waren.

Wohnraumsituation angespannt

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse präsentierte Sabine Prechtl. Fast die Hälfte der befragten Kommunen – von Fridolfing über Altenmarkt bis Kienberg sowie von Grassau bis Ruhpolding und die Städte im Landkreis – hatten detaillierte Antworten zur Wohnraumsituation abgegeben. Zwölf gaben an, mit einer angespannten Wohnraumsituation konfrontiert zu sein.

Ebenso viele Gemeinden konnten auch keine konkreten Angaben zu nachgefragten Wohnraumgrößen geben, wodurch eine aussagekräftige Bedarfsplanung kaum möglich sei, so Prechtl.

Brachliegende Zweitwohnsitze

Probleme, ausreichend Bauland ausweisen zu können, haben sieben der befragten Gemeinden; ein Drittel beziehen keine öffentlichen Fördermittel für öffentlichen Wohnungsbau. Brachliegende Zweitwohnsitze hatten vor allem die südlichen Gemeinden gemeldet. Zudem besitzen laut Prechtl weniger als ein Drittel der Kommunen Wohnungen in Sozialbindung.

Die SPD im Kreistag habe die Problematik schon von über 20 Jahren erkannt und mit der Wohnungsbauförderungsgesellschaft ein Instrument im Landkreis bewahrt, das heute wichtiger denn je sei, bekräftigte Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser.

Bezahlbare Wohnungen anbieten

Hierüber würden für Bedürftige viele bezahlbare Wohnungen geschaffen auf „sehr gutem“ Mietpreisniveau. Daneben habe sich mit dem Zweckverband „Heimat.Chiemgau“ eine weitere Institution etabliert, die den Bau von kreiseigenen Wohnungen im Fokus habe. Über diesen Zweckverband seien bereits die Schüler- und Studentenwohnungen für den Campus Chiemgau geplant. Vorteil dieser Institution sei, dass man für die geplanten Baumaßnahmen 30 Prozent Förderung erhalte.

Auf dem selben Förderprogramm basiere das Angebot, welches auch Kommunen nutzen können, um bezahlbaren Wohnraum anzubieten, sagte Fridolfings Bürgermeister Hans Schild.

In 2016 insgesamt 27 Wohnungen geschaffen

Seine Gemeinde habe dies bald erkannt und bereits 2016 insgesamt 27 Wohnungen geschaffen, die dann aufgrund der Förderung zu günstigen Mietpreisen weitergegeben werden konnten. Schild: „Das Modell war so erfolgreich, dass wir in den Folgejahren weitere 27 Wohnungen bereitstellen konnten. Unter Einbeziehung weiterer Fördermittel mussten so für eine Wohnung statt 150.000 Euro nur rund 85.000 Euro investiert werden. Damit war es auch möglich, den günstigen Preis an die Mieter durchzureichen.“

Tobias Gasteiger präsentierte Zahlen zur Wohnraumsituation im Landkreis. Seine Auszüge aus dem Gutachten des Instituts für Wohnen und Umwelt zeigen für den Landkreis, dass in gerade mal der Hälfte der Kommunen die Leerstandsrate unter drei Prozent liegt. Bei vier Gemeinden (Grabenstätt, Obing, Pittenhart und Kienberg) liege die Mietpreissteigerung über sechs Prozent, so Gasteiger. Aktuell deutlich zu wenig Bautätigkeit gemessen am Bevölkerungswachstum würden die Gemeinden Grabenstätt und Ruhpolding aufweisen.

Konsequenzen aus den Zahlen ziehen

Man müsse nun Konsequenzen aus den Zahlen und Entwicklungen ziehen, so Sepp Parzinger. Zunächst bedürfe es einer Koordination in der Bedarfsplanung. Dazu müssten die Kommunen in ein zentrales Register regelmäßig ihre Dateien einpflegen. Auf dieser Basis könnten dann mögliche Baulandausweisungen eruiert werden. Zweitwohnungsinteressenten oder Spekulanten sollten in der Priorität nach hinten wandern. (re)

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