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Medizinische Strategie in Traunstein und BGL

Schwerpunktversorger bis Fachklinik: So entwickeln sich die Standorte der Kliniken Südostbayern

Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern KSOB Bad Reichenhall Berchtesgaden Traunstein
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Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern präsentiert dem Kreistag das medizinische Konzept der KSOB.

Wie wird die Medizin der Zukunft aussehen? Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern Dr. Uwe Gretscher präsentiert die Herausforderungen und Alleinstellungsmerkmale der sechs Standorte in den Kreisen Traunstein und Berchtesgadener Land - und wie sie sich weiterentwickeln werden.

Berchtesgadener Land/Traunstein - „Die Pandemie ist für das Gesundheitswesen ein Katalysator, ein Beschleuniger für viele Themen“, erklärt Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern. Wer glaube, dass alles wieder so werde, wie es vorher war, der liege falsch. Die Kliniken Südostbayern haben sich bereits vor der Pandemie „massiv damit auseinander gesetzt, dass sich die Gesundheitsversorgung verändert“.

Dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland an mehreren Fronten kämpft, ist kein Geheimnis. Zu wenig Personal, schließende Krankenhäuser und die Digitalisierung ein Fremdwort. Bei den Kliniken Südostbayern setzt man derzeit alles daran, dem medizinischen Wandel gewachsen zu sein.

Kliniken Südostbayern entwickeln sich weiter: Digitalisierung

Um überhaupt noch medizinische Leistungsfähigkeit an die Patienten zu bringen, wird künftig die digitale Medizin elementar werden, erklärt Gretscher am Dienstag (17. Dezember) vor dem Kreistag Berchtesgadener Land. „Patienten wollen sich zu 100 Prozent sicher fühlen. Ohne Digitalisierung geht das nicht - denn die Fehlerquelle ist immer der Mensch.“ Man versuche derzeit erstmals, die Digitalisierung konsequent voranzubringen.

Über eines solle sich der Kreistag auch im Klaren sein. „Die ‚Digital Natives‘ sind die Jungen. Das ist die Zukunft. Wir hier alle sind - ich eingeschlossen - Vergangenheit. Wir reden über diejenigen, die irgendwann die Versorgung brauchen“, so Gretscher.

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Die KSOB gehören zu den 10 Prozent der Kliniken in Deutschland, die eine vollständig digitale Fieberkurve am Patienten umgesetzt haben, so Gretscher. Man gehöre zu dem Top Drittel deutscher Kliniken. Doch im internationalen Vergleich sei man „grottenschlecht“. „Wir haben riesen Nachholbedarf.“ In den Kliniken versuche man konsequente, alles was möglich sei, digital freizugeben.

Altersmedizin wird wichtiger

Ziel der Kliniken sei es, die „bestmögliche wohnortnahe Versorgung“ zu schaffen. Dafür werde auch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten immer wichtiger. Es solle ein Miteinander und kein Gegeneinander sein, so Gretscher. So könne man die Medizin auch zum Patienten bringen. Altersmedizin wird dabei immer wichtiger. Das zeigt sich an der Altersstruktur in der Region. Der Anteil der Älteren steigt. Spezialisierte Kliniken sollen die medizinischen Bedürfnisse der Patienten erfüllen. Bereits jetzt befinden sich in den Häusern spezialisierte Bereiche der Geriatrie, also altersmedizinische Versorgung.

Fachkräftemangel im Krankenhaus

„Uns fehlen etwa 400.000 Arbeitskräfte“, so Gretscher. Die Mitarbeiter seien durch die Pandemie „geschlaucht“. Geld sei da kein Anreiz mehr. Das merke man auch an der Teilzeitquote. Selbst immer mehr Ärzte würden weniger arbeiten wollen. Und: „Wer bitte arbeitet nachts, am Wochenende und in Schichtmodellen, wenn er Alternativen hat.“

Rund 4000 Mitarbeiter und 350 Auszubildende beschäftigen die KSOB derzeit. Die Mitarbeiter sind grundsätzlich treu. Doch bis 2030 erreiche rund 30 Prozent der Belegschaft das Rentenalter. Insbesondere die Standorte Freilassing, Berchtesgaden und Ruhpolding seien davon betroffen. Gleichzeitig verliere man derzeit durch die Pandemie reihenweise Mitarbeiter auf der Intensivstation, die sagen „wir können nicht mehr, wir wollen nicht mehr“.

Mitarbeiterwerben im Ausland

Auslands-Recruiting sei hier essenziell. Man habe etwa schon einige Fachkräfte von den Philippinen gewonnen. 2022 kommen 50 weitere. „Muss das sein? Ja, das muss sein. Wir müssen ausländische Fachkräfte gewinnen - dort, wo sie auch verzichtbar sind“, erklärt Gretscher. Auf den Philippinen etwa würden mehr Fachkräfte ausgebildet, als benötigt würden. Dort bilde man aus, damit die Menschen ins Ausland zum Arbeiten gehen und Geld zu den Familien nach Hause schicken.

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Beim Auslands-Recruiting wird nach einer „Blacklist“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegangen. Fachkräfte dürfen demnach nur in den Ländern abgeworben werden, wo kein Mangel herrscht.

Notfallversorgung: Manche Standorte spielen keine Rolle

„Wir haben im Verhältnis zu Deutschland überproportional viele Krankenhausbetten je 1000 Einwohner. Und dabei eine unterproportionale Auslastung unserer Bettenstruktur“, erklärt Gretscher. Gleichzeitig tragen etwa die Standorte Freilassing und Berchtesgaden kaum zur Notfallversorgung bei. Vier bzw. nur zwei Prozent der rettungsdienstlichen Anfahrten fällt auf die beiden Standorte. Ein Ärzteteam steht jedoch trotzdem rund um die Uhr bereit. Der Schnitt der stationären Aufnahmen pro Nacht in Freilassing und Berchtesgaden? Rund eine Person.

Die einzelnen Standorte haben jeweils ihre eigene spezielle Rolle.

Schwerpunktversorger Traunstein

„Der Landkreis Traunstein ist aufgestellt. Das Ding passt.“ Das Klinikum in Traunstein ist der Schwerpunktversorger und auch Hubschrauberstandort in der Region Traunstein und Berchtesgadener Land. Rund 2150 Mitarbeiter sind allein in Traunstein beschäftigt. 548 Betten stehen in der Klinik zur Verfügung. Während der Corona-Pandemie hat auch die Fallschwere am Standort zugenommen. Das jetzige Angebot soll weiterentwickelt werden. Bis 2030 sollen 230 Millionen Euro investiert werden.

Spezialisierter Grundversorger Trostberg

Auch Trostberg ist relevant - ein spezialisierter Grund- und Regelversorger. Bis 2030 werden hier 11,28 Millionen Euro investiert. Auch hier spielt die Altersmedizin eine große Rolle.

Schmerzzentrum Ruhpolding

Ruhpolding ist ein Fachkrankenhaus - ein überregionales Schmerzzentrum. 5,7 Millionen Euro sollen unter anderem in den Ausbau der Schmerzklinik und die Herstellung einer Grundbetriebsfähigkeit finanzieren.

Fachklinik Berchtesgaden

Berchtesgaden ist eine „klassische Spezial- und Fachklinik“. Auch hier werde Geld investiert - rund 2,52 Millionen Euro. Der Standort werde sich weiter in Richtung Fachklinik entwickeln. Man werde auch weiter rausgehen aus der akut-stationären Notfallversorgung, „weil sie heute schon nicht relevant ist“, so Gretscher. Insbesondere Orthopädie und die Geriatrie spielen in Berchtesgaden eine große Rolle.

Gesundheitscampus Freilassing

In Freilassing sind rund 63 Prozent der Patienten über 65 Jahre alt und somit altersmedizinisches Klientel. Versorgt werden vorwiegend Patienten aus der unmittelbaren Nachbarschaft und selbst da ist es nur jeder fünfte Patient aus Freilassing, der auch ins Krankenhaus Freilassing kommt. „Der Versorgungsauftrag in der Region geht nahezu gegen Null“, so Gretscher. Auch in der Psychiatrie.

Freilassing soll sich deswegen zu einem Gesundheitscampus weiterentwickeln. Geplant sind eine geriatrische Tagesklinik sowie eine ambulante und mobile geriatrische Reha. Die Psychiatrie bleibt ebenfalls erhalten. 1,4 Millionen Euro sollen bis 2030 in den Standort fließen.

Allgemeiner Versorger Bad Reichenhall

Die Kreisklinik Bad Reichenhall ist „fast eine Abbildung von Traunstein“, so Gretscher. Ein allgemeines Versorgungskrankenhaus mit einem breiten Leistungsspektrum. Auch hier sollen die bereits bestehenden Zentren wie die Lungen- und Schlafmedizin oder die Gynäkologie weiterentwickelt werden - auch am neuen Standort. Mit dem Neubau sollen die baulichen Schwächen ausgeglichen werden. Damit kann die zentrale Akut- und Notfallversorgung im Berchtesgadener Land sichergestellt werden. Inklusive dem Neubau sollen rund 185,5 Millionen Euro in den Standort investiert werden.

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Eins stellt Gretscher auch klar: „Wir reden nicht darüber, Standorte aufzugeben. Sondern über die Nutzung und Stärkung der Standorte.“

ce