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Paar verbindet Reise mit sinnvollem Engagement

Wie ein Mediziner-Paar aus dem Chiemgau einem herzkranken Kind in Bolivien half

Erika Stitzl aus Eggstätt und Peter Felixberger aus Gstadt und ihr kleiner Patient Anthony aus La Paz.
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Erika Stitzl aus Eggstätt und Peter Felixberger aus Gstadt und ihr kleiner Patient Anthony aus La Paz.

Der achtjährige Anthony aus La Paz war schwer krank. Das Mediziner-Paar Erika Stitzl und Peter Felixberger, beide im Chiemgau aufgewachsen, flog nach Bolivien, um ihm zu helfen.

Eggstätt/Gstadt/Freiburg - Anthony war ständig schlapp. Wenn der Achtjährige mit seinen Kumpels auf den Bolzplätzen von La Paz den Bällen hinterherjagte, musste er schon nach wenigen Minuten pausieren. Wanderte er mit seiner Familie in den bolivianischen Anden, war er der erste, der nicht mehr konnte. Andauernd plagten ihn Kopfschmerzen, häufig hatte er Nasenbluten. Irgendwas stimmte nicht mit ihm. Seine Mutter wollte ihn vorsichtshalber durchchecken lassen. Dass Anthony wenige Wochen später am Herzen operiert werden würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand. 

Erika Stitzl und Peter Felixberger waren die ersten, die Anthony einmal von Kopf bis Fuß durchcheckten. Das Mediziner-Paar – die 26-Jährige aus Eggstätt studiert noch in Freiburg, der 31-Jährige aus Gstadt hat gerade eine Stelle in der Kardiologie der Offenburger Ortenau-Klinik angetreten, beide sind oft noch bei ihren Familien in der oberbayerischen Heimat – befanden sich jüngst für vier Wochen in Bolivien, um in einem Herzzentrum mitzuarbeiten. Es war ihr Herzenswunsch gewesen, einmal nach Südamerika zu reisen, diese Reise mit einem sinnvollen Engagement in einer medizinischen Einrichtung zu verbinden. Durch Internetrecherche kamen sie auf das Projekt in La Paz. 

Im Herzzentrum in La Paz also treffen die beiden Mediziner aus dem Chiemgau auf Anthony. Kopfweh, kalte Füße, im Oberkörper hoher Blutdruck, unten niedrig – erste Indizien dafür, dass etwas mit dem Herzen nicht stimmt. Also genauere Ursachenforschung, also Ultraschall. Nach der Untersuchung wird klar: Der Junge hat eine Aortenisthmusstenose. Bedeutet: Die Aorta, die durchschnittlich einen Durchmesser von zehn Millimetern hat, bietet bei Anthony einen Durchlauf von einem Millimeter. Heißt: Da kommt kaum mehr Blut durch – zumindest nicht in den unteren Teil des Körpers. Und oben staut sich das Blut, mit Kopfweh und Nasenbluten als Folge, mit der Gefahr einer Hirnblutung. Diese gilt es natürlich zu vermeiden. Anthony muss unters Messer. 

Anthony ist bald auf dem Weg der Besserung

Weil das kleine Herzzentrum in La Paz nicht über OP-Räume für diesen Eingriff verfügt, fliegt das Mediziner-Paar gemeinsam mit Anthony und seiner Familie nach Cochabamba. Beim drei Stunden dauernden Eingriff, die ein Herzchirurg durchführt, wird die Verengung in der Aorta herausgeschnitten, die Aorta wieder zusammengeführt. Tags darauf hat der Junge noch große Schmerzen, ist aber bald schon wieder auf dem Weg der Besserung. Wenn in den kommenden Monaten und Jahren alles gut läuft und er seine Bluthochdruckmittel weiterhin nimmt, könnte Anthony wie die anderen Kinder in seinem Alter stundenlang auf den Bolzplätzen von La Paz kicken, ohne alle zehn Minuten am Spielfeldrand ausruhen zu müssen. 

Spende aus Deutschland mitgebracht

Dankbar jedenfalls waren Anthony und seine Familie, dass er überhaupt hatte operiert werden können. Die Mutter ist alleinerziehend, verdient als Putzfrau das Nötigste für den Alltag – eine Herzoperation für 7000 US-Dollar hätte sie sich im Leben nicht leisten können (die Krankenversicherungen, sofern man im bettelarmen Bolivien überhaupt eine hat, übernehmen dort in der Regel keine Herz-OPs). Ihr Glück, dass der deutsche Herzverein die Einrichtung in La Paz seit 2007 unterstützt, jedes Jahr Spenden auftreibt, um Kindern wie Anthony genau dies zu ermöglichen: Untersuchungen, Diagnosen, gegebenenfalls chirurgische Eingriffe. Auch Erika Stitzl und Peter Felixberger hatten vor ihrer Reise 1000 Euro an Spenden gesammelt, die sie direkt Anthony zugutekommen ließen. 

Die Freude und Erleichterung bei Anthony und seiner Familie war groß, zum Dank hatte der Junge dem Mediziner-Paar einen Brief geschrieben, ein kleines Geschenk in Form eines Notizbuches überreicht. Sehr rührend sei dies gewesen, sagt die Eggstätterin Erika Stitzl. „In dem Moment musste ich schon schlucken“, sagt ihr Freund Peter Felixberger. „Es ist einfach ein tolles Gefühl zu wissen, dass man mit seiner Arbeit einem Jungen wie Anthony ein unbeschwerteres Leben ermöglichen kann.“

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