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Harte Arbeit im Gebirge

Achentaler Almbauern, der „Mythos der Freiheit“ – und einmal mehr der Wolf

Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern ehrte langjähriger Almleute (von links mit hinterer Reihe). Josef Glatz, Erster Vereinsvorsitzender, Vitus Heimgreiter, 15 Sommer auf der Alm, Maria Braml, 10, Sepp Melf, 10, Petra Schwarz, 20, Christine Astner, 25, Martina Fischer, 10, Franz Kinne, 15, Peter Antesberger, 25, MdL Klaus Steiner, Hans Stöckl, Vereins-Geschäftsführer. Vorne sitzen (von links): Rosina Heimgreiter, 15, Brigitte Meier, 16, Hubert Reitschuh, 16, Regina Niederhauser, 37, und Angelika Klein 25.
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Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern ehrte langjähriger Almleute (von links mit hinterer Reihe). Josef Glatz, Erster Vereinsvorsitzender, Vitus Heimgreiter, 15 Sommer auf der Alm, Maria Braml, 10, Sepp Melf, 10, Petra Schwarz, 20, Christine Astner, 25, Martina Fischer, 10, Franz Kinne, 15, Peter Antesberger, 25, MdL Klaus Steiner, Hans Stöckl, Vereins-Geschäftsführer. Vorne sitzen (von links): Rosina Heimgreiter, 15, Brigitte Meier, 16, Hubert Reitschuh, 16, Regina Niederhauser, 37, und Angelika Klein 25.
  • VonLudwig Flug
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Auf dem Almbauerntag in Unterwössen wurde ein Dutzend Almbauern für ihren Einsatz ausgezeichnet. Ganze 25 Sommer haben sie teilweise auf ihrer Alm verbracht. Die Tagung zeigte aber auch den Zwiespalt auf, in welchem dieser Landwirtschaftszweig steckt. Thema war außerdem einmal mehr der Wolf.

Unterwössen – Der 74. Almbauerntag des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) findet traditionell nach Erntedank statt, heuer in Unterwössen. Die Redner waren sich bei diesem Anlass einig: Ein schwieriges Jahr liegt hinter den Almleuten und dem Verein. Die Zukunft bringt erhebliche Herausforderungen. Ebenso einig sind sie sich darin, dass das mit einem beherzten Zupacken im Miteinander zu meistern ist.

Josef Glatz, erster Vorsitzender des AVO, freute sich über eine geglückte Hauptalmbegehung, bei deren Durchsetzung die Gemeinde maßgeblich geholfen habe.

Praktischer Umgang mit dem Wolf

Erfreulich sei auch das Mitwirken der Almbauern bei der Naturwaldausweisung nach dem Bayerischen Waldgesetz, nachdem man zunächst kaum Mitspracherecht gehabt habe und der Umgang der Politik mit den Almbauern habe ihm „zeitweise wenig gefallen habe“. Manche Flächen zur Ausweisung seien allerdings sehr nahe am Almgebiet: „Da müssen wir noch Lösungen finden.“

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Glatz ist der Meinung, dass notwendige Entscheidungen „zum Thema Wolf im Landesamt für Umwelt festhängen“. Es sei falsch, Wolf und Biber europaweit gleichrangig schützen zu wollen. Während andernorts das Miteinander mit dem Wolf seit Jahrzehnten reibungslos funktioniere, sei es in Oberbayern nicht vorstellbar, wie eine Alm aussehe könnte, die das Vieh vor dem Wolf schützt. Er rät, das Thema realistisch zu bewerten, „dann kann es nur eine Lösung geben. Der Wolf in Bayern muss im System der Schutzvorschriften anders eingeordnet werden, Entnahmen müssen zulässig sein.“

Gute Preise fürgute Lebensmittel

Gastredner Klaus Steiner, Landtagsabgeordneter der CSU aus Traunstein, brachte nicht nur – wie vom Vorsitzenden erhofft – gute Nachrichten aus München mit. Der heimische Abgeordnete ist unter anderem Mitglied des Ausschusses Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Steiner sieht die Almbauern „wie in einem Schraubstock“ aus einerseits hoher Anerkennung in Politik und Behörden, andererseits als „Umweltzerstörer und Klimakiller in politischen Entscheidungen“.

Steiner ruft dazu auf, Bürgern und Politik vor Augen zu halten, dass in der Praxis keine Bereitschaft da sei, für gute Lebensmittel auch einen guten Preis zu zahlen. „Öffentlichkeitsarbeit auf allen Ebenen“ müsse ein Bewusstsein für die Leistung der Landwirtschaft schaffen.

Herausforderungen angehen

Der Unterwössener Bürgermeister Ludwig Entfellner erinnerte in seinem Redebeitrag daran, wie sich das Ansehen der Alm in den vergangenen 100 Jahren verändert habe. Habe sie in den 1920er Jahren für den „Mythos Freiheit“ gestanden, stehe sie heute für den „Mythos Freizeit“.

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Ein großer Teil der Bevölkerung übersehe, dass dieser nicht ohne Landwirtschaft und Vieh funktioniere. Aber auch angesichts möglicher Spannungsfelder zwischen Landwirtschaft und Touristen bleibe er Optimist. „Schon heute packen viele gemeinsam an und bringen den Idealismus mit, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.“ Aber eines müsse klar sein: „Alle Seiten müssen bereit sein, Kompromisse einzugehen“, findet der Bürgermeister.

Es braucht auch moderne Vorschriften

Alfons Zeller, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen sieht auch viele, die mitreden, „obwohl sie vom Thema weit entfernt sind“. „Die wunderbare Landschaft haben wir nicht dem Tourismus, sondern den Almbauern zu verdanken.“ Das Ziel müsse sein, Natur, Landschaft und Eigentum in Einklang zu bringen. Moderne, gesetzliche Vorschriften sieht Zeller als erträglich an. Jetzt komme es darauf an, was die Unteren Naturschutzbehörden daraus machen. „Ich hege da Hoffnung. Das sind Leute, die sich in ihrer Region auskennen.“

709 Almen in Oberbayern

Zum Abschluss des diesjährigen Almbauerntags wurde ein Dutzend Almbauern und -bäuerinnen für ihren langjährigen Einsatz auf der Alm ausgezeichnet. Ganze 25 Sommer auf der Alm haben unter ihnen Christine Astner, Angelika Klein und Peter Ametsberger verbracht.

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In Oberbayern gibt es 709 Almen, bewirtschaftet von rund 1200 Bauern, so das Amt für Ernährung und Forsten (AELF). Sie sind verantwortlich für 20.500 Rinder, 550 Pferde und 2800 Schafe und Ziegen auf 19 000 Hektar Licht- und 50.000 Hektar Waldweide. Die außerdem rund 9500 oberbayerischen Bergbauernbetriebe bewirtschaften im Alpenraum insgesamt zirka 240.000 Hektar Wald und Wiese.

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