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Online-Petition und Brief an Kanzler

14-jähriger Unterwössener setzt sich für den Jemen ein

Maximilian Gräf hat nun bereits seine zweite Petition aus dem heimischen Zimmer gestartet.
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Maximilian Gräf hat nun bereits seine zweite Petition aus dem heimischen Zimmer gestartet.

Mit 14 denkt man meist noch nicht so an die große Weltpolitik, erst recht nicht an einen Bürgerkrieg, über den kaum berichtet wird. Nicht so der Unterwössner Schüler Maximilian Greif. Was er Kanzler Scholz mit auf den Weg geben möchte.

Unterwössen – Der Jemen liegt knapp 5000 Kilometer von Unterwössen entfernt. Trotz der Distanz und obwohl Maximilian Gräf erst 14 Jahre alt ist, setzt er sich dafür ein, dass sich die Situation in dem vom Bürgerkrieg schwer getroffenem Land bessert. Und das nicht irgendwo, sondern bei Bundeskanzler Olaf Scholz höchstpersönlich.

Unbekannter Konflikt

„Ich bin über Berichte auf die Situation im Jemen aufmerksam geworden“, sagt der Zehntklässler, der das Gymnasium in Marquartstein besucht. Besonders berührt habe ihn die Situation der jungen Menschen in einem Konflikt, der in Deutschland fast komplett vergessen ist. „Nur selten liest man davon, momentan liegt ja auch das Hauptaugenmerk auf der Corona-Politik“, sagt Maximilian im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

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So richtig erklären kann er es sich trotzdem nicht, dass so viel Leid ignoriert wird. Aus diesem Grund hat er einen offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geschrieben und eine Petition gestartet. Unterstützung hat er von verschiedenen Organisationen wie Amnesty International bekommen. Sie teilen und verbreiten Maximilians Brief und die Petition.

Schon Einsatz gegen Moria

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass der junge Unterwössener sich engagiert. „Vor einem Jahr habe ich eine Petition und einen offenen Brief zum Flüchtlingslager Moria gestartet“, sagt der junge Mann. Berichte über die schlimme Situation auf der griechischen Insel Lesbos und die Brände, die dort wüteten, seien deutlich mehr gewesen, als über die Katastrophe im Jemen.

Für die Zukunft weiß Maximilian schon, wo sein Weg ihn hinführen soll. Er will Medizin studieren und für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ an internationale Krisenherde gehen, um dort der Zivilbevölkerung zu helfen. Einen Einsatz könnte er sich in Südamerika, ebenso in einem Flüchtlingslager oder im Nahen Osten vorstellen. Es dauert noch, bis Maximilian seinen Abschluss machen wird. „Da kann die Situation politisch schon wieder ganz anders sein“, sagt er.

Außerdem will er sich politisch engagieren, denn nicht nur die Außenpolitik interessiert ihn. „Bei Fridays for Future habe ich auch schon Reden gehalten“, erzählt der Gymnasiast. Zwar halte er den Klimawandel für das größte Problem. „Aber auch, dass immer mehr Länder den Weg Richtung Autokratie gehen, macht mir Sorgen“, sagt Maximilian.

Zwei Stunden am Tag nimmt er sich für sein politisches Hobby Zeit, schreibt unter anderem Protestbriefe für Amnesty International. Aber Maximilian hat auch ganz normale Hobbies, geht Klettern und spielt Klavier. Der Kontrast zwischen seinem Leben im beschaulichen Achental und dem Jemen könnte nicht größer sein. „Ich bin privilegiert, dadurch, dass ich hier geboren bin. Die gleiche Chance wünsche ich den Kindern im Jemen auch“, sagt Maximilian. Er handelt aber nicht aus einem schlechten Gewissen, sondern die Situation macht ihn schlicht traurig.

Trauma und Hunger statt Klavierspielen

Wäre er dort geboren worden, würde sein Alltag ganz anders ausschauen. Hunger, Arbeit statt Schule und traumatische Erfahrungen – so wäre wohl sein Leben, meint Maximilian. Eigentlich wollte der 14-Jährige heuer nach Frankreich zum Schüleraustausch gehen. Eine große Enttäuschung: „Das ist leider wegen der Pandemie nun doch nicht möglich.“ Auf der anderen Seite will er sich nicht beschweren: „Im Jemen ist Corona viel gefährlicher, weil ja die ganz elementaren Schutzmaßnahmen fehlen.“

Hoffnung auf Scholz

Maximilian spricht viel über das Thema in seiner Familie und auch im Freundeskreis. Ihm ist aber bewusst, dass er nicht alle Mitschüler erreichen kann. „Nicht jeder will sich politisch einsetzen“, sagt Maximilian. Er glaubt aber nicht, dass der Vorwurf stimme, dass die heutige Jugend unpolitisch sei.

Nun hofft Maximilian, dass Olaf Scholz etwas ändert. Denn Deutschland könne sehr wohl etwas tun: „Es gibt zwar ein Moratorium für Waffenlieferungen an Saudi-Arabien, aber an Ägypten und die Vereinten Arabischen Emirate wird eben doch geliefert.“ Daher fordert Maximilian nicht nur, dies zu unterlassen, sondern auch mehr Menschen aufzunehmen und die humanitäre Hilfe zu erhöhen. „Lassen Sie die Menschen im Jemen nicht verhungern!“, fordert Maximilian vom Kanzler. Die Online-Petition ist unter www.change.org/stopptdenjemenkrieg erreichbar.

Der Konflikt im Jemen

Ursprünglich bestand der Jemen aus zwei Staaten, die jeweils sunnitisch und schiitisch geprägt waren. Aus dem schiitischen Norden formierten sich dann die Huthi-Rebellen. 2004 eskalierte der Konflikt, als sie gegen die Regierung protestierten. Infolge dessen wurden viele Huthis getötet. Durch den Arabischen Frühling stürzte die Regierung, das Land spaltete sich immer mehr. Schließlich übernahmen 2014 die Huthi-Rebellen die Macht in der Hauptstadt Sanaa. 

Doch der Konflikt ist kein reiner Inlandskonflikt. Der Krieg im Jemen ist ein sogenannter Stellvertreterkrieg, bei dem sunnitische Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten die vom schiitischen Iran unterstützten Huthi-Rebellen angreifen. Sunniten und Schiiten unterscheiden sich grundsätzlich darin, dass sie verschiedene Vorstellungen davon haben, wer der Nachfolger des Propheten Mohammed sein sollte. Die Spaltung beruht aber heute nicht nur auf religiösen Unterschieden.

Der UN-Sicherheitsrat hat sich klar gegen die Huthis positioniert und fordert deren Rückzug. Die USA unterstützen Saudi-Arabien, das viele Waffenlieferungen aus dem Westen erhält.

Großes Leid

Die jemenitische Bevölkerung leidet enorm unter dem Konflikt. 29 Millionen Menschen leben im Jemen, fast vier Millionen sind auf der Flucht. 20 Millionen Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Nahrung, 14 Millionen sind akut von Hunger bedroht. „Zehnjährige wiegen zehn Kilo“, schreibt Maximilian in seiner Petition. 370000 Menschen wurden im Jemen-Konflikt bereits getötet.

Zwar unterstützt Deutschland den Jemen finanziell, allerdings liefert Deutschland nach wie vor Waffen an Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate. Hinzu kommt außerdem der islamische Terrorismus, denn auch Al-Quaida ist im Jemen präsent. Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung, Auswärtiges Amt, Tagesschau

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