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Schon vor Allerheiligen Tiere getötet

Wolf attackiert in Bergen Tier im Stall – Jungbauer greift ein: „Hätte viel Schlimmeres passieren können“

Ob ein Wolf die zuletzt tot aufgefundenen Tiere gerissen hat, könnte möglicherweise ein DNA-Test klären.
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Ob ein Wolf die zuletzt tot aufgefundenen Tiere gerissen hat, könnte möglicherweise ein DNA-Test klären.

Ein Wolf hat in Bergen offenbar im Stall eine Ziege attackiert. Ein mutiger Jungbauer vertrieb das Tier. Hier gibt‘s die Hintergründe und ein Video von der verletzten Ziege.

+++ Update vom 16. Dezember, 11.00 Uhr +++

Gegen 21 Uhr am Mittwochabend tauchte der Wolf im Gewerbegebiet Anger in Bergen auf und wurde von Anwohnern gesehen. Genau dort hatte am Wochenende vor Allerheiligen ein Wolf Schafe getötet. Der Jungbauer des vom späteren Wolfsangriff betroffenen Hofes schaute sich vor Ort um und suchte nach Spuren. Wieder daheim in einem Ortsteil von Bergen angekommen, rauchte er gegen 21.15 Uhr eine Zigarette auf dem Balkon. Dort, so seine Aussage, hörte er, dass die Tiere unruhig wurden. Er ging sofort in den Stall und entdeckte den Wolf, der gerade eine ein Ziege attackierte. Offenbar vom Lichtstrahl der Taschenlampe erschreckt, ließ der Wolf von der Ziege ab und rannte davon.

300 Ziegen, Schafe und Rinder hält der Bergener Landwirt in einem Offenstall. Die Wolfsattacke habe nur 20 Meter von seiner Haustür entfernt stattgefunden – ein beunruhigender Gedanke für die betroffene Bauernfamilie. Die trächtige Ziege habe den Angriff zwar überlebt. „Wir konnten aber die ganze Nacht nicht schlafen“, hieß es aus der betroffenen Familie. Nun seien verschiedene Experten am Hof, eine DNA-Probe sei bereits an der Ziege genommen worden.

Zwölf Zentimeter lange Pfotenspuren

Die vorgefundenen Abdrücke der Pfoten des angreifenden Tieres sind zwölf Zentimeter lang. Die Familie auf dem Hof ist sich sicher: Das muss ein Wolf gewesen sein. Der Schock sitzt tief, auch weil sie drei Enkelkinder haben, die öfters vor Ort seien: „Wenn der Wolf nicht gestört worden wäre, hatte noch viel Schlimmeres passieren können.“

Steiner: Änderung der Rechtslage für Abschuss nötig

Für den Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten im Landtag, Klaus Steiner (CSU), ist der erneute Wolfsangriff ein weiteres Argument, dass es eine Änderung der Rechtslage auf europäischer Ebene brauche. „Der Wolf hat einen besonderen Schutzstatus, was eine Regulierung sehr schwer macht.“ Hier müsse die Entnahme leichter geregelt werden. Sprich: Steiner will, dass Wölfe leichter zum Abschuss freigegeben werden können.

Lesen Sie auch: Der Gemeinderat Bergen will den Chiemgau-Wolf abschießen lassen

Steiner will sich nicht als Gegner des Wolfs verstanden wissen. Ihm gehe es darum, dass auch der Wolf im Chiemgau nicht artgerecht leben könne. Der Abgeordnete vermutet, dass es schon ein Rudel in der Region gibt: „Dann müssen wir uns solche grausigen Bilder von Rissen gewöhnen.“ Er will die DNA-Analyse abwarten und schauen, ob es sich um das gleiche Tier handelt, das auch im Oktober die Schafe in Bergen gerissen hatte. Für diesen „Problem-Wolf“ sei bereits ein Antrag auf Entnahme bei der Regierung von Oberbayern gestellt.

+++ Update vom 16. Dezember, 9.22 Uhr +++

In der Gemeinde Bergen hat offenbar erneut ein Wolf Tiere attackiert. Der Wolf ist laut eines Augenzeugenberichtes direkt am Hof in den Offenstall eingedrungen. Der Jungbauer des Hofes war auf das Tier aufmerksam geworden und vertrieb ihn aus dem Stall, so konnte Schlimmeres verhindert werden. Eine hochtragende Ziege wurde dennoch schwer verletzt. Bei der Ziege wurde eine DNA-Probe an der Bisswunde entnommen, um zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um einen Wolf handelte.

Es wäre nicht die erste Wolfsattacke auf dem Hof. Erst am Wochenende vor Allerheiligen hatte ein Wolf dort Schafe getötet.

Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

+++ Der Ursprungstext +++

Aschau im Chiemgau/Erl – In Erl in Tirol ist ein verendetes Reh gefunden worden, das mutmaßlich verendete, nachdem es von einem Wolf verletzt worden war. Danach ist in Plöching im Gemeindegebiet von Aschau ein weiteres Reh gerissen worden, und auch in Erl soll noch ein Schaf verendet sein.

DNA-Spuren könnten Aufschluss geben

„Das kann nur ein Wolf gewesen sein“, sagt Markus Schwaighofer, der das tote Reh fand. Er und seine Frau, beides Jäger, sind überzeugt: Die Spuren im Schnee sowie das Rissbild weisen eindeutig auf das Raubtier hin. Der Fund wurde der Jägerschaft in Tirol gemeldet, sagt Johann Schindlholzer, Amtsleiter der Gemeinde Erl: „Der Jäger hat den Kadaver gesichert und eingeschickt.“ Die zuständigen Behörden werden versuchen an dem toten Tier DNA-Spuren zu sichern, die klären können, ob es sich bei dem Raubtier um einen Wolf handelt. Außerdem kann festgestellt werden, ob er Tollwut hatte.

Ein weiteres Schaf gerissen

Jäger Schwaighofer glaubt kaum, dass die DNA-Untersuchung etwas ergeben werde. Das tote Reh lag vor der Sicherstellung noch eine Nacht im Freien, und über die Reste „haben sich die Füchse hergemacht“, so Schwaighofer. Aber in Erl sei bereits, keine zwei Kilometer von dem Fundort des Rehs entfernt, ein Schaf gerissen worden. Vielleicht klappe dort ein DNA-Test.

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Schindlholzer von der Gemeinde Erl zeigt sich nicht besorgt, dass möglicherweise ein Wolf durch das Gemeindegebiet zieht. „Solange der Wolf keine Tollwut hat, oder eine extreme Verhaltensauffälligkeit zeigt, stellt er keine Gefahr für die Menschen dar.“

Schwaighofer sieht das anders. Ganz in der Nähe des Fundortes seien ein Kindergarten und ein viel begangener Wanderweg. Das bereite ihm durchaus Sorge.

Alles deutet auf einen Wolf hin

Etwa 26 Kilometer von Erl entfernt, im Norden Aschaus wurde am Montag (13. Dezember) ebenfalls ein Reh gerissen, wie Josef Rinner, der Cramer-Klettscher Berufsjäger den OVB-Heimatzeitungen erklärt. „Es deutet alles auf einen Wolf hin“, sagt Rinner. Bestätigen muss dies das Landesamt für Umwelt (LfU). „Es wurden Proben für die genetische Auswertung genommen und an das deutsche Referenzlabor am Senckenberg-Institut gesendet. Erst mit dem Ergebnis der DNA-Analyse kann die Beteiligung eines Wolfes belegt werden“, so ein LfU-Sprecher. Aufgrund des Fundortes sei aber keine Bedrohung für den Menschen ersichtlich.

Die Debatte, ob Mensch und Wolf nebeneinander existieren können, ist damit wieder mal entfacht. Die Landtagsabgeordneten Christian Hierneis und Gisela Sengl von den Grünen wollen in dieser Woche über das Thema Wolf mit dem Rosenheimer Kreisverband diskutieren. Für Hierneis ist klar: „Wir werden auch in Oberbayern lernen müssen, mit dem Wolf zu leben und plädiert für bessere Schutzmaßnahmen.“

„Es braucht einen Managementplan“

Kreisbäuerin Katharina Kern befürchtet, dass sich auf Dauer ein Rudel in der Region ansiedeln könnte und an die Ställe geht. „Wir züchten hier kein Wolfsfutter.“ Kreisobmann Josef Bodmaier ist der gleichen Meinung. Die dicht besiedelte Kulturlandschaft, die wir hier vor Ort haben, passe nicht zu dem Lebensraum, den der Wolf brauche. Natürlich bekäme der Landwirt für gerissene Tiere eine Entschädigung, aber als Halter hänge man „mit Leib und Seele“ an den eigenen Tieren.

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Damit Zäune gegen einen möglichen Wolfsriss helfen, müssten sie so hoch sein, wie in einem Tierpark, erklärt der Landwirt.

Bodmaier hat deswegen einen klaren Appell an die Politik: „Es braucht einen Managementplan“, wie man mit dem Wolf umgehen kann. Ansonsten steige die Population des Wolfes so schnell an, dass man dann von dem Problem überrollt werde.

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