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Auch zwei prominente Grüne fordern jetzt den Abschuss

„Wenn ich da an die Enkelkinder denke“ – Chiemgau nach Wolfsattacke in Aufregung

Erst vor wenigen Wochen machte ein Wolf von sich reden, der in der Gemeinde Bergen Schafe gerissen hatte. Nun hat ein Tier eine Ziege in einem Offenstall attackiert. Der Chiemgau diskutiert über die Rückkehr des Raubtiers.

Bergen – Von der Kehle tropft Blut – und auch Bissspuren sind noch erkennbar:  Die trächtige Ziege der Familie Gutsjahr aus Bergen wurde am Mittwoch, 15. Dezember 2021, am Abend von einem anderen Tier im Offenstall attackiert. Nur durch das mutige Eingreifen von Jungbauer Christian, Sohn der Gutsjahrs, konnte vermutlich Schlimmeres verhindert werden. Er hat den Angreifer gesehen und ist sich sicher: „Es war ein Wolf.“

In dem Offenstall gleich neben dem Wohnhaus entdeckte Christian Gutsjahr den Wolf.

Spurensuche in Anger

Dabei war es reiner Zufall, das Christian Gutsjahr den Vorfall mitbekam. Kurz vor 21 Uhr hatte er von seiner Schwester die Nachricht erhalten, dass ein Wolf im Gewerbegebiet Anger in Bergen  von Anwohnern gesehen worden sein soll. Genau dort hatte am Wochenende vor Allerheiligen ein Wolf fünf Schafe getötet. „Ich bin dann hingefahren, um nach Spuren zu schauen“, erzählt der Jungbauer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Nachdem er dort nichts fand, fuhr er zurück nach Hause in den Weiler Ramberg, der knapp zwei Kilometer Luftlinie entfernt von Anger liegt.

Er saß gegen 21.15 Uhr auf dem Balkon und rauchte eine Zigarette, als er auf Unruhe im Offenstall auf der Weide gleich neben dem Wohnhaus der Gutsjahrs aufmerksam wurde. „Ich bin dann mit der Taschenlampe in den Stall und da hab ich den Wolf gesehen“, sagt Gutsjahr. Das Tier sei sofort weggelaufen.

Schlaflose Nacht für die Familie

Der Schock über die Attacke sitzt bei den Gutsjahrs tief. „Nur 20 Meter weit weg von unserem Haus. Wenn ich da an meine Enkelkinder denke, die oft hier sind“, sagt Christians Mutter Elfriede Gutsjahr. An Schlaf sei in der Nacht nicht mehr zu denken gewesen. „Wir haben alle Lichter rund ums Haus angemacht, damit wir sehen, was los ist“, sagt die Landwirtin.

Die Familie sei froh, dass der Sohn so schnell eingreifen konnte. So habe es nur ein Tier erwischt: „Ob die Ziege überlebt, wissen wir noch nicht. Der Tierarzt fürchtet, dass es zu einer Infektion kommen könnte.“ Insgesamt haben die Landwirte auf ihrem Hof rund 300 Tiere, darunter Schafe, Ziegen und Hochlandrinder. Alle werden im Offenstall gehalten.

Ob die Ziege die Bisswunden an der Kehle überlebt, ist noch nicht klar.

Die Solidarität in der Landwirtschaft ist groß. Ralf Huber, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes in Oberbayern ist am Tag nach dem Angriff bei den Gutsjahrs und macht sich ein Bild von der Lage. Auch Josef Harbeck, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein, und Michael Gstatter, Bauernobmann von Bergen ist dort, ebenso Stefan Rappl, der Landwirt, dessen Schafe im Oktober von einem Wolf gerissen worden waren. Einig sind sich vor Ort alle, dass mit dem Angriff in Bergen eine neue Dimension erreicht sei.

Ein Wolfsrudel am Hochfelln?

Scharbeck geht von einem Wolfsrudel aus: „Es gehen ständig Gerüchte zwischen Maria Eck, Bergen und Ruhpolding rum, dass es drei junge Wölfe gibt.“ Er werde oft von Menschen kontaktiert, die die Tiere gesehen haben. Insofern könne nicht von einem Tier die Rede sein, das den Chiemgau nur durchwandere. „Warum werden die Bauern nicht besser informiert, wenn es Hinweise auf einen Wolf gibt?“, fragt er sich. Schließlich müsse es ja auch Aufnahmen auf den Überwachungskameras vom Forst geben. Groß ist das Misstrauen gegenüber den Behörden inzwischen und die anderen Besucher am Hof stimmen ihm zu.

„Politik ist das Problem“

„Nicht der Wolf ist das Problem, sondern die Politik“, findet Ralf Huber. Der Bauernverband habe schon mehrfach das Gespräch gesucht mit allen Parteien: „Wir fühlen uns vollkommen allein gelassen und brauchen eine Lösung.“ Für ihn bedeutet das, dass der Wolf „entnommen“, sprich erschossen, werden darf. „Warum ist hier noch eine weitere DNA-Analyse nötig, die wieder sehr lange dauert?“, meint Huber.

Die Gutsjahrs wissen nicht, wie sie ihre Tiere nun schützen sollen. Christians Vater Josef ratlos: „Wir können nicht alles so einzäunen, dass es wolfssicher ist. Der sucht sich einen Weg.“ Alle in seiner Familie sind sich sicher, dass sie auch in der kommenden Nacht schlecht schlafen werden.

Reaktionen aus der Region

Für den Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner (CSU) ist der erneute Wolfsangriff ein weiteres Argument, dass es eine Änderung auf europäischer Ebene brauche. „Der Wolf hat einen besonderen Schutzstatus, was eine Regulierung sehr schwer macht.“ Steiner will sich nicht als Gegner des Wolfs verstanden fühlen. Ihm gehe es darum, dass auch der Wolf im Chiemgau nicht artgerecht leben könne.

Er vermutet, dass es schon ein Rudel in der Region gibt und will die DNA-Analyse abwarten , ob es sich um das gleiche Tier handelt, das auch im Oktober die Schafe in Bergen gerissen hatte. Für diesen „Problem-Wolf“ sei bereits ein Antrag auf Entnahme bei der Regierung von Oberbayern gestellt. 

Sengl spricht von Entnahme

Sollte es so sein, wäre auch für die landwirtschaftliche Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, Gisela Sengl, die ebenfalls aus dem Landkreis stammt, eine Entnahme gerechtfertigt. „So nah kommt ein Wolf eigentlich nicht an die Menschen heran und dann muss man davon ausgehen, dass ein Wolf Menschen und Nutztiere gefährdet“, sagt Sengl. Es sei wichtig, sich an der geltenden Gesetzeslage zu orientieren. Auch Sengl räumt ein: „Nein, der Wolf gehört nicht in unsere Kulturlandschaft im Chiemgau.“ Sie verweist auf den Koalitionsvertrag der Ampel im Bund. Dort stehe, dass ein regional differenziertes Bestandsmanagement für Wölfe kommen soll.

Auch der Bergener Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne) spricht sich im Gespräch mit unserer Zeitung für eine Entnahme des Wolfes aus. Erst im Dezember 2021 hatte sich der Bergener Gemeinderat einstimmig für eine Entnahme dieses Tieres ausgesprochen, nachdem der Verband der Forstberechtigten im Chiemgau einen Antrag bei der Regierung von Oberbayern gestellt hatte.

Auf Nachfrage unserer Zeitung zum Status dieses Antrags heißt es: „Wir bitten um Verständnis, dass zum Ausgang des Verfahrens derzeit noch keine Aussagen getroffen werden können.“

Rubriklistenbild: © Geyer/dpa/Themenbild/Symbolbild/Bildcollage Red.

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