Das denken die Einzelhändler in der Altstadt über Kundgebungen mitten in Wasserburg

„Jeden Samstag eine Corona-Demo brauche ich jetzt nicht unbedingt vor der Haustür“

Barbara Hinterberger vom Café „Die Schranne“ und Andreas Aß, Inhaber der Wasserburger Markthallen zu Corona-Demos
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An zwei Samstagen in Folge fanden am Wasserburger Marienplatz Corona-Demonstrationen statt. Barbara Hinterberger vom Café „Die Schranne“ (oben rechts) und Andreas Aß, Inhaber der Wasserburger Markthallen (unten rechts) haben geteilte Meinungen zu den Versammlungen.

Wasserburg - Starkes Polizeiaufgebot, Menschengrüppchen mit Plakaten, rot-weiße Absperrungen: An zwei Samstagnachmittagen in Folge wurde das Historische Rathaus zur Kulisse von Corona-Demos. Die Leidtragenden sind in erster Linie die Einzelhändler rund um das Geschehen. Sie legen kontroverse Ansichten zum Demonstrationsrecht in Corona-Zeiten an den Tag.

„Wir konzentrieren uns aufs Wesentliche - schließlich geht‘s um unsere Existenz und wir sind froh, wenn wir die Krise heil überstehen“, betont der Inhaber der Wasserburger Markthallen, während er seine Zwiebelpflanzen vor dem Geschäft zurechtrückt. Einen „dramatischen Kundenrückgang“ hatte Andreas Aß bei der ersten Demo am 14. November mit rund 300 Teilnehmern zu verbuchen. Die zweite deutlich weniger frequentierte Demo am 22. November war umsatztechnisch „leichter zu ertragen“, allerdings auch nur am Vormittag: „Ab 12 Uhr war plötzlich Leerlauf, es kam niemand mehr. So früh wie an diesen beiden Samstagen war ich mit meiner Arbeit noch nie fertig.“


Friedlich zu demonstrieren und seine Meinung gegen die Corona-Maßnahmen kundzugeben, dagegen hat Aß nichts. Aber: „Muss das immer in der Altstadt sein? Wieso kann man nicht vor den Discountern im Gewerbegebiet demonstrieren? Da ist mehr Kundschaft als bei uns - gerade während des zweiten Lockdowns ist die Stadt doch eh beinahe ausgestorben.“ Für seine Kunden in der Corona-Krise da zu sein sein, das sei schon schwierig genug. Weitere Ablenkungen könne man im Moment wirklich nicht brauchen. „Dass man mit Demos anderen noch schaden muss, verstehe ich nicht. Und dann noch an einem Samstag - das tut dem Einzelhandel richtig weh“, schließt Aß seine Ausführungen.

Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz

Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz
Corona-Demo am 14. November am Wasserburger Marienplatz © bcs

Ins selbe Horn bläst Josef Sax. Er hat in seinem gleichnamigen Schuhgeschäft unter den Arkaden wenige Meter entfernt von den Markthallen beide Demonstrationen jeweils vis-à-vis verfolgen können und bilanziert im Gespräch mit wasserburg24.de: „Es war eindeutig umsatzschädlich. Samstag ist unser stärkster Tag und Mittag die Hauptumsatzzeit, das spürt man deutlich. Ein Teil der Kunden mied die Altstadt gleich gänzlich an den beiden Tagen.“

„Kein gutes Zeichen für Wasserburg, wenn der Altstadtkern abgesperrt ist“

„Lächerlich“ sei es, im kleinen Wasserburg gleich zweimal hintereinander eine Demo zu veranstalten, macht Felix Zanker vom Sport-Geschäft „Intersport Enzinger“ seinem Ärger Luft. „Ich hoffe nicht, dass sich das hier regelmäßig etabliert, sonst meiden die Kunden eher die Innenstadt.“ Gerade die erste Demo sei umsatzschädigend gewesen: „Wir haben um 13.30 Uhr zugesperrt, nachdem bei uns direkt vor dem Geschäft abgesperrt wurde, wo sich die Gegendemonstranten aufhielten. So war den Kunden der Weg zu uns auch versperrt. Es gab keine Laufkundschaft mehr - und das an einem Samstagnachmittag. Kann man Kundgebungen nicht am Parkplatz am Gries oder am Badria abhalten?“

Bis 16 Uhr geöffnet hatte Annika Wierer ihre Parfümerie an den letzten beiden Samstagen. Sie hat viele Kunden, die aus dem Umland kommen und nicht wussten, dass es an diesen Tagen eine Kundgebung gab, teilweise durchaus irritiert waren. Wichtig sei es den Leuten zu verdeutlichen, dass das Einkaufen in Wasserburg trotz Demo möglich sei. Auch sie stellt die Standortfrage, ob denn nicht eine Ausweichung für künftige Demos denkbar wäre, um die Geschäfte am Marienplatz zu entlasten: „Die Leute kommen nach Wasserburg, weil sie die Ruhe schätzen und gemütlich einkaufen wollen - gerade in der Vorweihnachtszeit. Sie wollen keinen Trubel. Den bringt eine Demo aber leider mit sich.“ Freilich sei Meinungsfreiheit wichtig, „aber im Moment ist es für Wasserburg kein gutes Zeichen, wenn der Altstadtkern abgesperrt ist - wir haben auch so schon ein anspruchsvolles Jahr hinter uns“.

Kaum Umsatzeinbußen bei den Café-Betrieben

Manuela Rechenauer, Inhaberin des Wasserburger Bohnenröster, räumte ein, sich vorab viel zu viele Gedanken gemacht zu haben: „Ich war sehr nervös und fühlt mich von der neuen Situation bedroht, habe sogar zur Sicherheit um Polizeibeamte unter die Arkaden vor meinem Laden gebeten - wir wussten schließlich nicht, was auf uns zukommt. Doch die Sorge war unbegründet, die Demos liefen durchweg friedlich ab. Viele der Schaulustigen und auch Demonstranten kamen zu mir und nahmen sich Kaffee oder Snacks mit.“

Einen massiven Umsatzrückgang an den beiden Samstagen spürte sie daher genauso wenig wie ihre Kollegin Barbara Hinterberger. Die 30-Jährige betreibt seit acht Wochen das Café „Die Schranne“ und befand sich mit ihrem Standort im Rathaus mitten im Geschehen. „Angenehm war es nicht“, gibt sie zu, „doch Befürchtungen um Ausschreitungen blieben aus. Ich habe mich auf die Polizei verlassen. Dennoch: Jeden Samstag eine Corona-Demo brauche ich jetzt nicht unbedingt vor der Haustür.“ Geschäftstechnisch sei es an beiden Tagen „okay“ gewesen, unter den Kunden seien aber wie bei Rechenauer mehr die Versammlungsteilnehmer gewesen.

Andreas und Thomas (rechts) Götz vom gleichnamigen Augenoptikergeschäft spürten bei den vergangenen beiden Corona-Demos am Marienplatz in der Wasserburger Altstadt keinen Kundenrückgang.

Weniger tangiert haben die Corona-Demos das Augenoptikergeschäft „Götz“, das jedoch auch beinah nicht mehr im Blickfeld des Rathauses unter den Arkaden liegt. Andreas und Thomas Götz ist aber aufgefallen, dass mit Beginn der Demos eine „heilige Stille“ was die Laufkundschaft anbelange, eingetreten sei. Vor Beginn der Versammlungen habe man noch eine samstagstypisch hohe Frequenz an Kunden verspürt. Für die Inhaber spielt - wie bei ihren Nachbarn auch - eher die Standortfrage eine Rolle: „Hat die Stadt hier keine Handhabe, solche Versammlungen im Altstadt-Kern auszuhebeln? Genug alternative Plätze, wie am Bus-Bahnhof, gebe es ja.“

mb

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