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Axel Springer entbindet Bild-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben

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Am Beispiel des Wasserburger Sportparks „Fit&Fun“

Keine Öffnungsperspektive: So gravierend ist die Lage der Fitnessstudios im zweiten Lockdown

Inhaber Hans Enzinger und Fittnesstrainer Dave Bentivegna im Geräteraum des Sportparks "Fit and Fun". Trainieren darf hier wegen Corona aktuell niemand. 
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Inhaber Hans Enzinger (links) und Fittnesstrainer Dave Bentivegna im Geräteraum des Sportparks "Fit and Fun". Trainieren darf hier wegen Corona aktuell niemand. 
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Seit einem halben Jahr stehen die Geräte im Sportpark „Fit and Fun“ still. Der zweite Lockdown zehrt mehr denn je an den Nerven. Inhaber Hans Enzinger weiß sich langsam nicht mehr zu helfen - und wendet sich nun sogar mit konkreten Bitten an seine Mitglieder.

Wasserburg am Inn - „Ich habe mich entschlossen, schriftlich an die Mitglieder des Sportparks heranzutreten um sie auf unsere prekäre Lage aufmerksam zu machen. Die Situation ist gravierend“, betont der Inhaber im Gespräch mit wasserburg24.de. In einem Brief an die Mitglieder bittet Enzinger um Spende der letzten Mitgliedsbeiträge, die weiter einzezogen wurden, obwohl seit November das Fitnesstudio wegen des zweiten Lockdowns geschlossen bleiben muss.

Gespendete Mitgliedsbeiträge können nicht von der Steuer abgesetzt werden

Die Rückmeldungen auf das Schreiben Enzingers fallen unterschiedlich aus: „Viele zeigen Verständnis und spenden, damit es unser Studio auch nach der Krise weiterhin gibt. Andere bestehen auf ihre Kompensationen, die wir freilich zu 100 Prozent anbieten, sobald wir wieder öffnen dürfen. Die abgebuchten Beiträge der letzten Monate sind nicht verloren. Die meisten Studios handhaben es so, dass sie Freimonate im Umfang der Zwangsschließung an das Ende der Vertragslaufzeit anhängen.“

Mitglieder, die ihre Beiträge an das Studio spenden, können diese nicht von der Steuer absetzen, da es sich bei einem Fitnessstudio nicht um eine gemeinnützige Organisation, sondern um ein wirtschaftliches Unternehmen handele, bestätigt Martin Reiss von der gleichnamigen Steuerkanzlei in Wasserburg gegenüber wasserburg24.de. Ändern könnte dies nur die Regierung.

Enzinger tut es in der Seele weh, seit Monaten die leeren Räume im „Fit and Fun“ zu sehen. Erst kürzlich stand ein über siebzigjähriges Mitglied vor der Tür - mit einem negativen Corona-Test in der Hand“, erzählt der Inhaber. „Er fragte mich, warum er für seine Gesundheit nicht trainieren dürfe. Doch mir sind die Hände gebunden Ein Déjà-Vu zum ersten Lockdown.“ Öffnungsperspektive: Gibt es bis dato keine.

Ein Mitglied des „Fit and Fun“ in Wasserburg zeigt einen negativen Corona-Test und fragt, wieso er dennoch nicht trainieren darf.

Bereits über 66 Millionen Euro staatliche Hilfen für Fitnessstudios ausgezahlt

Betroffen sind insgesamt vier Fitnessstudios in den Landkreisen Rosenheim und Erding, die Wasserburger Diskothek Universum und die Eventgastronomie der „Fit and Fun“-Party. Das Problem bei den staatlichen Hilfen ist, dass das „Fit and Fun“ als verbundenes Unternehmen eingetragen ist. In den Corona-Hilfsprogramme des Bundes kann ein Unternehmensverbund nur jeweils einen Antrag für alle verbundenen Unternehmen stellen. Diesen Sonderfall bestätigt ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums auf Nachfrage der Redaktion.

Allgemein seien an Fitnessstudios bereits über 66 Millionen Euro ausgezahlt worden, um sie vor dem Ruin zu bewahren. Die Überbrückungshilfe III erstatte bis zu 90 Prozent der betrieblichen Fixkosten. Zudem gebe es noch die Härtefallhilfe, ergänzend zu den bestehenden Corona-Hilfsprogrammen des Bundes und der Länder.

Deutlicher Mitgliederrückgang im „Fit and Fun“

„Ziel der Härtefallhilfe ist es, diejenigen Unternehmen und Selbständigen zu unterstützen, die aufgrund von speziellen Fallkonstellationen in den bestehenden Hilfsprogrammen von Bund und Ländern nicht berücksichtigt sind, die grundsätzlich aber förderwürdige Fixkosten aufweisen und deren wirtschaftliche Not eindeutig durch die Corona-Pandemie bedingt wurde. Die Härtefallhilfe ist subsidiär zu den bestehenden Hilfsangeboten von Bund, Ländern und Kommunen. Sie kann nur dann gewährt werden, wenn andere Hilfsangebote nicht greifen. Soweit die Überbrückungshilfe III oder die November-und Dezemberhilfe greift, was bei Fitnessstudios regelmäßig der Fall ist, besteht kein Raum für die Härtefallhilfe“, erklärt der Ministeriumssprecher.

Soforthilfe, Überbrückungshilfen II und III sowie die November- und Dezemberhilfen seien jedoch Enzinger zufolge “unzureichend“. Bis auf die Novemberhilfe sei bei ihm bislang nichts angekommen. Der Inhaber weiß nicht, wie er die weiteren Ausfälle meistern soll. „Im Februar 2020 hatten wir noch 150 Mitarbeiter. Nun sind wir auf ein Minimum zusammengeschrumpft“, unterstreicht Enzinger. Zwischenzeitlich sei auch die Mitgliederbasis „stark erodiert“.

Dieses ewige Hin und Her um Öffnung und Schließung zermürbt uns alle. Wir brauchen jetzt Klarheit“, mahnt Enzinger. „Ich gehe davon aus, dass uns das Virus trotz Impfung erhalten bleibt. Eine Lösung für die Wiedereröffnung der Fitnessbranche wäre eventuell eine flächenbezogene Begrenzung der anwesenden Mitglieder - ähnlich wie im Einzelhandel. Alle Mitglieder sind im System hinterlegt, eine Kontaktverfolgung ist gegeben. Zudem haben wir in moderne Lüftungsanlagen investiert. Wie soll da eine Infektion erfolgen?“, fragt sich der Inhaber und gibt zu bedenken, wie viele Menschen täglich an den Supermarktkassen anstehen.

Inhaber bleibt optimistisch: „Irgendwann geht‘s weiter“

Um die Zeit der Schließung zu überbrücken, wird im „Fit and Fun“ renoviert. Die Mitglieder bekommen derweil Angebote „To Go“, wie die Leihgabe von Fitnessgeräten. „Wir möchten auch einen Outdoor-Parcours ins Leben rufen, auf dem zum Beispiel auch Zumba-Kurse stattfinden können“, erläutert Enzinger die Pläne im Lockdown.

„Wir hoffen trotzdem, bald allen Mitgliedern wieder unbeschränkt Fitness- und Gesundheitssport anbieten zu können, um eine natürliche Immunisierung dank der Myokine zu erreichen. Vielleicht ist das schon ab Mitte April möglich“, blickt Enzinger optimistisch in die Zukunft. „Der Sportpark ist ja nicht nur für die Fitness da, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Irgendwann geht‘s weiter. Der Betonklotz ‚Fit and Fun‘ steht und fällt auch nicht zusammen.“

mb

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