Digitalisierung von Schulen

Probleme mit dem Distanz-Unterricht: Politiker reagieren auf Kritik von Rohrdorfer IT-Experte

Zu Stoßzeiten überlastet: Aufgrund von Serverproblemen sorgt die bayerische Schulplattform „mebis“ im Distanzunterricht immer wieder für Probleme.
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Zu Stoßzeiten überlastet: Aufgrund von Serverproblemen sorgt die bayerische Schulplattform „mebis“ im Distanzunterricht immer wieder für Probleme.

Serverprobleme, keine einheitliche Strategie und leidtragende Schüler. Das ist laut Technikexperte Josef Willkommer das Ergebnis des aktuell bis 14. Februar verlängerten Distanzunterrichts. Die Forderungen des Rohrdorfers bekommen Zuspruch aus der Region und führen zu einer Reaktion der Politiker.

Rosenheim– Eine glatte Sechs war die harte Bewertung von Technikexperte Josef Willkommer für das digitale Schulkonzept des Bayerischen Kultusministeriums (wir berichteten). Sein offener Brief an Kultusminister Michael Piazolo sorgte für Aufsehen und Reaktionen im gesamten Landkreis. Aus den Sorgen des Familienvaters ist mittlerweile eine Petition entstanden, bei der sich rund 600 Menschen für mehr Unterstützung von Lehrern und Schülern einsetzen. Das vom Rohrdorfer aufgebrachte Thema hat auch die Bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner aus Feldkirchen-Westerham erreicht, die mit Verständnis auf die Anregungen Willkommers reagiert.


Experte sieht schwarz für Bayerische Schulen

„Viel zu lange hat man bei der Digitalisierung einfach dagestanden und nichts getan“, ist sich Josef Willkommer sicher. Der Geschäftsführer der Kolbermoorer IT-Firma Tech-Division sieht die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Distanzunterricht an bayerischen Schulen auf dem Level eines Entwicklungslandes. Aus diesem Grund hat er mit Gleichgesinnten eine Petition gestartet, in welcher er die Bayerische Staatsregierung auffordert, den Lehrplan an die gegebenen Bedienungen anzupassen und die digitalen Unterrichtsmedien zu optimieren.


Willkommer spricht bei seinen Forderungen aus eigener Erfahrung. Bei den Schulen seiner beiden Kinder komme es immer wieder zu technischen Problemen, die das Homeschooling erschwerten. Nachdem der Distanzunterricht jetzt bis mindestens zum 14. Februar verlängert wurde, sei es daher allerhöchste Zeit, endlich eine vernünftige Infrastruktur zu schaffen, die es den Haushalten ermöglicht, die Arbeitszeiten der Eltern und den Unterricht der Kinder besser aufeinander abzustimmen.

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Auch das Thema Datenschutz spielt laut dem Experten eine Rolle bei der neuen Unterrichtsform. Die Sicherheitslücken und Risiken der Online-Plattformen träfen gerade an den Grundschulen auf junge Schüler, bei denen die daneben sitzenden Eltern derzeit auch noch einen „nicht unproblematischen Live-Einblick in den Schulalltag“ bekämen.

Was mit einem väterlichen Weckruf aus der Region begann, hat sich für Willkommer aufgrund der zahlreichen Rückmeldung in eine öffentliche Grundsatzdiskussion entwickelt. Viele Eltern, aber auch Lehrer und Schüler haben sich bei ihm gemeldet – und die Politik reagiert auf die Vorschläge des Experten.

Roseheimer Landtagsabgeordneter will unterstützen

So hat beispielsweise Klaus Stöttner, der CSU-Landtagsabgeordnete für den östlichen Kreis Rosenheim, sich beim IT-Experten zurückgemeldet und seine Unterstützung bei der brisanten Thematik zugesagt. Er möchte demnach versuchen, ein Gespräch mit Kultusminister Piazolo anzuregen, um die Verbesserungsvorschläge anzubringen.

Auch die Bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner aus Feldkirchen-Westerham hat die zentralen Themenpunkte bereits an das Kultusministerium weitergegeben und weiß um die schwierige Situation, die der Distanzunterricht mit sich bringt. In der ersten Woche nach den Weihnachtsferien konnte sie jedoch bereits Positives vermelden und Fortschritte in Bezug auf die zuvor häufig überlastete Schulplattform „mebis“ erkennen: „Aus den bisherigen Rückmeldungen von Lehrern und Eltern kann ich schließen, dass es in der ersten Woche noch nicht ganz störungsfrei, aber doch sehr stabil gelaufen ist. Die technischen Voraussetzungen sind durch die optimierte Serverleistung jetzt besser.“

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Dass die Server allerdings nicht an allem Schuld sind, stellt der Rosenheimer Schulamtsdirektor Edgar Müller fest. Er hat sich das Konzept von Willkommer für das Kommunikationssystem „BigBlueButton“, das vor allem in Grundschulen verwendet wird, angesehen und pünktlich zum Ende der Weihnachtsferien zur Unterstützung an die Schulen im Rosenheimer Landkreis verteilt. Er betont, dass „am digitalen Konzept viel mehr dranhängt als nur die Leistung der Server“. Vielmehr läge es oftmals auch an den Verbindungen, die die Haushalte der Schüler mit sich brächten, die immer wieder für technische Probleme sorgten.

Das Bayerische Kultusministerium sieht die Entwicklung des Distanzunterrichts weiterhin laut eigener Aussage nicht als unzureichend und verweist auf die Investitionen von rund 108 Millionen Euro, die man bereits für eine bessere Ausstattung an Schulen ausgegeben habe.

Familienvater bietet Unterstützung an

Für den Rohrdorfer Experten ist das jedoch keine Ausrede für die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte. Er hofft, dass sich die Politik zeitnah auch an die Wirtschaftsunternehmen wendet, die schon seit Beginn des Lockdowns eine bessere Infrastruktur aufgebaut hätten. Er selbst stünde jedenfalls gerne bereit, um mit seinem Wissen zu helfen. Weiterhin würde er auch nicht aufgeben, sich für die Digitalisierung an den Schulen im Landkreis einzusetzen, um seinen beiden Kindern einmal sagen zu können: Dass er alles versucht habe, um etwas zu bewegen.

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