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Wie Jugendliche den Ukraine-Krieg verarbeiten

„Peace“ wünschen sich auch die Wasserburger Realschüler

Ein Peace-Zeichen im Kieselstrand am Inndamm: Die Siebtklässler der Realschule hoffen jetzt darauf, dass viele Bürgerinnen und Bürger das Kunstwerk ergänzen.
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Ein Peace-Zeichen im Kieselstrand am Inndamm: Die Siebtklässler der Realschule hoffen jetzt darauf, dass viele Bürgerinnen und Bürger das Kunstwerk ergänzen.

„Peace“: Aus Schwemmholz haben Realschüler ein riesiges Friedenssymbol am Ufer des Inns erstellt – eine Aktion, die zur Solidarität mit den Menschen in der Ukraine aufruft. Solche kreativen Projekte helfen, den Krieg in Europa zu verarbeiten. Das sind die Ängste der Jugend, so helfen die Schulen.

Wasserburg – „Wir möchten zeigen, dass wir für die Menschen in der Ukraine da sind“. „Mich hat das sehr getroffen, dass die Leut‘ in der Ukraine alles zurücklassen und flüchten müssen, dass sie um ihr Leben fürchten, obwohl sie gar nichts mit dem Kriegsausbruch zu tun haben…“ So reagieren Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c an der Realschule Wasserburg auf den Krieg. Sie wollten etwas tun, um ihr Mitgefühl und ihren Wunsch nach Frieden zu übermitteln, und haben deshalb das kreative Projekt am Inndamm organisiert.

Noch in guter Erinnerung ist die „Sternenaktion“ in der Adventszeit, die viele Wasserburger und ihre Gäste sehr gefreut hat. Realschülerinnen und Realschüler nutzten auch hier Schwemmholz für eine Botschaft. Durch die erschreckenden Meldungen aus der Ukraine entstand jetzt die spontane Idee, erneut ein Zeichen zu setzen – bei dem neben den Realschülern alle Wasserburger Bürger und Besucher mitmachen können. Die Jugendlichen legten im Rahmen des Kunstunterrichts unter Leitung von Michaela Haigermoser mit Schwemmholz ein großes „Peace-Zeichen“ an den Innstrand.

Alle Spaziergängerinnen und Spaziergänger können es anreichern, indem sie selbstbemalte blaue und gelbe Kieselsteinchen mitbringen und dazulegen, um ein Symbol der Unterstützung und Solidarität, vor allem aber gegen Krieg, zu bilden. Werner Gartner, Zweiter Bürgermeister von Wasserburg, unterstützt das Vorhaben. Er freue sich besonders über die Gelegenheit für alle Bürgerinnen und Bürger, sich an der Aktion beteiligen zu können, sagt er.

Schüler planen Spendenaktion

Diese Aktion wird schulisch begleitet von weiteren Projekten, die verschiedene Lehrkräfte sowie die Schülermitverwaltung (SMV) organisieren. Mit dem Erwerb von blauen und gelben Bändchen wird ab Donnerstag, 10. März, eine Spendenaktion für die Ukraine unterstützt. Geplant ist auch die Teilnahme an einer demnächst bayernweit organisierten Spendenaktion von Realschülerinnen und Realschülern zur Unterstützung bedürftiger ukrainischer Familien, teilt die Schulleitung weiter mit.

„Unsere Schülerinnen und Schüler wollen was tun“, erklärt Markus Hösl-Liebig, Leiter der Anton-Heilingbrunner-Realschule, warum die Schwemmholzaktion so gut angekommen ist. Viele Kinder und Jugendlichen würden angesichts des Kriegs ein Gefühl der Ohnmacht empfinden. Es tue ihnen gut, aktiv zu werden.

Wichtig: die Balance halten

Die Realschülerinnen und -schüler hätten viele Fragen. Sie würden sensibel auf die Ereignisse reagieren, aber seien durchaus in der Lage, das Geschehene so einzuordnen, dass keine gewaltigen Ängste entstehen würden, stellt Hösl-Liebig fest. Das Lehrerkollegium helfe bei der Einordnung. Dabei sei es wichtig, trotz aller Emotionalität, die dem Thema anhafte, neutral zu bleiben, zu informieren und die Hintergründe darzustellen.

Krieg ganz nah in Europa: Das ist für fast alle Menschen eine neue Erfahrung. Die Schulen in Wasserburg sind gefordert. Einfach ignorieren und zur Tagesordnung übergehen: Das geht nicht, sagen auch die Schulleitungen an Gymnasium und Mittelschule übereinstimmend.

Kerzen, Gebete, Aktionen

Im Luitpold-Gymnasium Wasserburg (LGW) brennt tagsüber eine LED-Kerze. Davor stehen Blumen. Hier versammeln sich immer wieder Schülerinnen und Schüler, um innezuhalten. Auch Friedensgebete finden statt. An der Mittelschule basteln sie Friedenstauben für die Fenster.

Verena Grillhösl, Leiterin des Gymnasiums Wasserburg, sieht die Lehrerinnen und Lehrer gefordert. „Wir können nicht einfach Neues unterrichten, wenn große Sorgen belasten.“ Schule habe auch einen Erziehungsauftrag. Deshalb sei es wichtig, die Sorgen ernst zu nehmen und flexibel zu reagieren. Dazu gebe es viele Unterrichtsmaterialien, die von den Ministerialbeauftragten und vom Kultusministerium zur Verfügung gestellt worden seien.

Kinder wollen wissen: Haben Gleichaltrige in der Ukraine genug zu essen?

Auch Grillhösl betont, dass es wichtig sei, die Balance zu halten – zwischen der Notwendigkeit, über die Ängste zu sprechen und der Pflicht, den Unterricht weiterlaufen zu lassen. Ziel sei es zu vermitteln, dass sich Kinder und Jugendliche nicht lähmen lassen sollten. Die Wasserburger Gymnasiasten der unteren Jahrgangsstufen möchten nach ihren Erfahrungen vor allem wissen, wie Gleichaltrige im Krieg leben – es kämen Fragen, ob es genug zu essen gebe. Ältere würden sich auch mit der Frage beschäftigen, „ob der Krieg auch zu uns kommen kann“. Viele wollten vor allem eins: „helfen, was tun“, bestätigt Grillhösl.

„Wir geben dem Thema Ukraine-Krieg Raum im Unterricht und im Schulalltag“, betont auch Maria Albert, Leiterin der Mittelschule Wasserburg. Sie folgt den Empfehlungen des Kriseninterventionsteams für Bildungseinrichtungen, das rate: „Thematisieren ja – aber nicht zu dominant“. Denn es sei wichtig für Kinder und Jugendliche, zurück in ihren Alltag zu finden, sonst werde die seelische Belastung zu groß. „Auf die richtige Balance kommt es jetzt an“, ist Albert überzeugt.

Ab heute bietet die Mittelschule immer donnerstags von 7.35 bis 7.45 Uhr ein Friedensgebet an – in einem geschützten Raum. Außerdem würden die Schülerinnen und Schüler Friedenssymbole wie die Friedenstaube herstellen.

Hilfestellung für Eltern

Die Mittelschule habe zudem auch den Eltern Informationen zur Verfügung gestellt, damit diese daheim die Nachrichten kindgerecht verarbeiten könnten. Die Mittelschule ist besonders gefordert: Denn hier gehen auch Jugendliche zur Schule, die 2015 als Flüchtlinge nach Wasserburg kamen – und Kriegserfahrungen haben. Auch Schülerinnen und Schüler, die aus der Ukraine und aus Russland stammen, besuchen hier gemeinsam den Unterricht.

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