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Aufnahme von Kriegsflüchtlingen

Leere Gästezimmer: Warum gibt es kaum Ukraine-Flüchtlinge in Privatunterkünften der Region?

Gabriele Fleck und ihr Ehemann Rene haben ihr Gästezimmer für die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen vorbereitet.
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Gabriele Fleck und ihr Ehemann Rene haben ihr Gästezimmer für die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen vorbereitet.

Viele Menschen in der Region bieten Zimmer in ihren Häusern für die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen an. Doch die meisten bleiben bisher leer - eine Ursachensuche.

von Julian Baumeister

Nußdorf/Bad Aibling – Der Krieg in der Ukraine hat mittlerweile knapp 1,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. In der Region sind davon bisher 58 angekommen. Diese sind in vom Landratsamt extra errichteten Aufnahmestellen in Brannenburg, Bad Aibling und Prien untergebracht worden. Die große Aufnahmebereitschaft von Privatpersonen im ganzen Landkreis ist dabei noch nicht genutzt worden – zur großen Verwunderung der Hilfsbereiten.

Unter ihnen ist auch die Nußdorferin Doris Lemberger, die ihr Gästezimmer bereitgestellt hatte (wir berichteten). Bei ihr laufen die Vorbereitungen für die Aufnahme von Flüchtlingen derzeit auf Hochtouren.

Extra Fernseher für Flüchtlinge

Das Zimmer hat sie bereits hergerichtet, außerdem hat sie an der technologischen Ausstattung gearbeitet. „Ich habe mir einen Fernseher für das Gästezimmer zugelegt, mit dem man mittels Satellit auch ukrainische Sender empfangen kann“, erzählt die 53-Jährige. So will sie den Flüchtigen die Möglichkeit geben sich über die aktuelle Lage zu informieren.

Lembergers Vorbild folgte nun auch eine Bekannte aus Bad Aibling. Gabriele Fleck hatte per WhatsApp erfahren, dass Lemberger Räumlichkeiten für Geflüchtete anbietet. Deswegen hatte sie sich zusammen mit ihrem Ehemann René kurzerhand entschlossen, ebenfalls ihr Gästezimmer zu Verfügung zu stellen. „Wir wohnen zu zweit in einem Reihenmittelhaus. Da können wir mindestens ein Zimmer zur Verfügung stellen“, berichtet die 58-Jährige.

In ihrem Gästezimmer mit Doppelbett und Couch, habe sie Platz für drei Personen. Auch bei ihr ist alles vorbereitet und könnte jederzeit Personen bei sich aufnehmen.

Rückmeldung lässt auf sich warten

So steht nun nahezu alles bereit. Was fehlt, sind die Flüchtlinge. Hier zeigen sich beide Frauen verwundert, dass sie vom Landratsamt nach wie vor keine Rückmeldung erhalten haben. „Die Dringlichkeit ist offensichtlich da“, meint Lemberger im Bezug auf die zahlreichen Aufrufe der Politiker, unbenutzte Räumlichkeiten bereitzustellen. Umso erstaunlicher ist für die beiden, dass die Antwort auf sich warten lässt. Sollte weiterhin keine Antwort seitens des Landratsamtes kommen, wollen die beiden Frauen sich mit dem ukrainischen Konsulat in München in Verbindung setzen und versuchen, auf diesem Weg Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten.

Erste Flüchtlinge in Nussdorf

Nußdorfs Bürgermeisterin Susanne Grandauer zeigt sich derweilen erfreut über die große Hilfsbereitschaft in der Gemeinde. Sie gibt aber auch zu Bedenken, dass die derzeit angebotenen Kapazitäten noch nicht ausreichen für die Menge an Flüchtlingen, die im Landkreis erwartet wird. Bisher seien bereits neun Personen aus der Ukraine bei Bekannten in Nußdorf untergekommen, allerdings lief die Verteilung hier nicht über das Landratsamt ab, sondern wurde privat organisiert

Die Suche nach privaten Unterbringungsmöglichkeiten läuft weiter auf Hochtouren. Auch verschiedene Hotels in der Gemeinde haben sich bereit erklärt auf bestimmte Zeit Personen aufzunehmen. Derzeit laufe die Verteilung aber über das Landratsamt und nicht über die Kommunen.

Auf Nachfrage teilte das Landratsamt Rosenheim zum Verteilungsprozess mit, dass bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Flüchtlinge an Privatunterkünfte vermittelt worden sein. Nach der Ankunft in der Region sollen alle Flüchtlinge zunächst in den eingerichteten Sporthallen untergebracht werden.

Keine kurzweilige Aufnahme

Dort sollen sie aber nur vorübergehend bleiben. Ziel sei auf jeden Fall, die Geflohenen zügig auf private Angebote zu verteilen. Dabei werden aber zur Verfügung stehende Hotels und ganze Privatwohnungen bevorzugt. Man wolle den Kriegsvertriebenen geschlossene Wohneinheiten ermöglichen, damit sie sich von den Eindrücken der vergangenen Tage erholen könne. Privatsphäre sei hier ganz entscheidend.

Überprüfung der Unterkünfte

Die Aufnahmebereitschaft sei zwar großartig, sagt Landrat Otto Lederer, aber man müsse sich im Klaren sein, dass es hier nicht nur um zwei bis drei Tage gehe, sondern die Geflüchteten vermutlich längerfristig untergebracht werden müssen. Deswegen wird geraten, es sich im Vorfeld gut zu überlegen, Flüchtlinge privat aufzunehmen. Außerdem müssten solche Räumlichkeiten im Vorfeld auch durch Besichtigungen des Landratsamtes geprüft werden.