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Tag des Wolfs

Rückkehr des Wolfs: Besorgnis in der Region Rosenheim ist groß

Kommt der Wolf in die Region zurück? Landwirte zeigen sich besorgt.
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Kommt der Wolf in die Region zurück? Landwirte zeigen sich besorgt.
  • VonElisabeth Kirchner
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  • Eva Lagler
    Eva Lagler
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Zum Tag des Wolfs am 30. April prallen die Meinungen wieder aufeinander: zum einen Naturschützer, die den Wolf zurück in Deutschland willkommen heißen. Zum anderen besorgte Landwirte und Almbauern, die Angst um ihre Weidetiere haben. Wolfssichtungen bei Aßling und Weyarn lassen die Besorgnis wachsen.

Rosenheim – Der 30. April ist der Tag des Wolfes. Der Bund Naturschutz (NABU) begleitet mit dem Projekt „Willkommen Wolf!“ seit 2005 die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. Aber ist der Wolf wirklich überall willkommen? Und wie passen Wolfs- und Artenschutz und Weidewirtschaft zusammen? Der Rosenheimer Bauernverband zumindest zeigt sich skeptisch.

128 Rudel in Deutschland

Dass der Wolf zurück in Deutschland ist und sich stetig ausbreitet, ist unumstritten. 128 Rudel und 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzeltiere sind nach Daten des Bundesamtes für Naturschutz für das Monitoringjahr 2019/20 bestätigt.

Waren es im Jahr 2010 noch gut 1000 Wölfe in Deutschland, so vermutet man derzeit über 1800, bei einer Verdopplung alle drei Jahre werde die exponentielle Kurve weiter ansteigen, sagt Philip Bust vom Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes (BBV).

Kreisbäuerin Kern: „Ein schwieriges Thema“

Viele Landwirte blicken dem skeptisch entgegen. Rosenheims Kreisbäuerin Katharina Kern betonte aktuell bei einem Vor-Ort-Termin auf der Schweinsteigeralm am Sudelfeld vor Mitgliedern des BBV die Bedeutung der Kulturlandschaft, die hohe Biodiversität und den Artenreichtum, die es zu erhalten gilt.

Auf ihrer Alm gebe es beispielsweise die Apfelrose, eine seltene Orchideen-Art, die viel Licht benötige: „Sträucher und Wildnis verdrängen dann solche Raritäten“, so Kern, sollte Weidetierhaltung nicht mehr möglich sein. Kern seufzt: „Der Wolf ist ein schwieriges Thema.“

Wölfe in der Region

In der Region würden bislang, erklärt Kern, drei Wölfe vermutet: in Kössen-Schleching, Kufstein-Wörgl und bei Siegsdorf. Kürzlich wurde ein Wolf bei Weyarn gesichtet, zuletzt ein Exemplar bei Niclasreuth zwischen Aßling und Antersberg (Gemeinde Tuntenhausen).

Lesen Sie auch: Almbauern in der Region Rosenheim sind in Sorge: Der Wolf soll draußenbleiben (Plus-Artikel OVB-Online)

BBV vor Ort auf der Alm

Die Vertreter des Bauernverbandes waren sich beim Ortstermin auf der Alm einig: Es braucht vernünftige Lösungen. Zur Demonstration sind dort rechts und links des Wanderwegs auf gut zehn Metern Länge zwei Zäune aufgebaut. Der eine ist mit fünf parallel laufenden Drähten, sogenannten Litzen, bewehrt.

Immer wieder werden Wölfe in der Region Rosenheim und Traunstein gesichtet und teils auch anhand genetischer Spuren nachgewiesen. Hier ein Überblick über die jüngsten Wolfs-Sichtungen.

Die Litzen fangen 20 Zentimeter oberhalb der Grasnarbe an und werden so angebracht, dass sie nicht untergraben werden können und sind zusätzlich mit 10.000 Volt unter Strom gesetzt. Der andere Zaun ist ein Herdenschutzzaun, 1,6 Meter hoch und ebenfalls mit Strom bewehrt. Ein ausgewachsener Wolfsrüde könne aber bis zu drei Meter und höher springen, sagt Josef Steingraber, Leiter der BBV-Geschäftsstelle in Rosenheim.

Wanderwege ein Problem

Josef Bodmaier, Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband (BBV), listet weitere Probleme mit den Zäunen auf. Durch die Zäune seien Wanderwege gesperrt, Wildwechsel werde schwierig und abgesehen davon, sei der Zaununterhalt sehr aufwendig.

Lesen Sie auch: Streift ein Wolf durch die Inn-Auen bei Raubling? (Plus-Artikel OVB-Online)

Acht Kilometer Weidezaun notwendig

Katharina Kern müsste beispielsweise insgesamt acht Kilometer Weidezaun für ihre eigenen Tiere und das Pensionsvieh auf ihrer Alm errichten. Kosten: rund 700.000 Euro Kosten. „Alles Steuergelder“, rechnet Steingraber vor.

Denn auch wenn der Herdenschutz – Vorsorge vor Übergriffen durch Wölfe wie Zäune oder die Anschaffung und Ausbildung von Herden-Schutzhunden sowie die Futterkosten – finanziert würden, sieht man beim BBV Herdenzäune kritisch. „Wenn was passiert und ein Mensch mit Herzschrittmacher einen Stromschlag erhält, dann sind wir in der Haftung“, merkt Kern an.

Abschuss die Lösung?

Auch mit Weiderost, Drehkreuz oder Übersteig versuche man, Herdenschutz und Zutrittsverbot für Mensch und Wolf unter einen Hut zu bringen. Dazu meint Ralf Huber, BBV-Bezirkspräsident: „In unserer dicht besiedelten und mit hohem Freizeit- und Tourismus-Charakter behafteten Region ist eine Ko-Existenz von Wolf und Mensch schwierig.“ Auch da sind sich alle Vertreter des BBV einig. Philip Bust mahnt, man dürfe sich nicht nur auf Fragen des Zaunbaus und Herdenschutzes beschränken, sondern müsse auch die Regulierung des bis dato streng geschützten Wolfes mit einbeziehen. „Vor allem müssen Wölfe und Rudel, die wiederholt Weidetiere reißen, konsequent entnommen werden.“

Lesen Sie auch: Gründet sich hier gerade ein Rudel? Wolf in Siegsdorfer Fotofalle wahrscheinlich trächtig (Plus-Artikel OVB-Online)

Online-Petition läuft

Die Zielrichtung hat auch die Online-Petition „Weidewirtschaft ohne Wölfe“, hinter der eine Initiatorin aus Frankenthal (Rheinland-Pfalz) steht, die ein effektives Wolfsmanagement befürwortet.

Die Petition, die an Bundesumweltministerin Svenja Schulze gerichtet ist und in ein Volksbegehren münden soll, hat eine Bestandsregulierung und ein effektives Wolfsmanagement zum Ziel. Ein Unterstützer in der Region ist der Riederinger Gemeinderat und Landwirt Richard Mühlbauer, der zuletzt im Kommunalparlament für die Petition geworben hatte.

Besorgnis bleibt

Die Besorgnis ist und bleibt groß bei vielen Landwirten in der Region – nicht zuletzt auch mit den jüngsten Wolfssichtungen im Raum Weyarn und Aßling.

Große Besorgnis in der Gemeinde Tuntenhausen

Groß ist die Sorge in Tuntenhausen nach der jüngsten Wolf-Sichtung bei Aßling: „Die Sorge bei den Landwirten ist jetzt natürlich schon groß, weil der Wolf so nah ist“, sagt Josef Bodmaier aus Hohenthann, Kreisobmann des Bauernverbandes Rosenheim, zur aktuellen Situation vor allem in der Gemeinde Tuntenhausen, an deren unmittelbarer Grenze zu Aßling der Wolf kürzlich gesichtet wurde.

Herdenschutz gegen den Wolf: hier die Demonstration eines Schutzzaunes am Sudelfeld.

Man hoffe nur, dass das Tier das Gebiet durchwandere und nicht sesshaft werde und sich vermehre. Die Sichtung beweise, dass sich der Wolf nicht nur im Berggebiet aufhalte, sondern eben auch im Tal. Auch wenn das Entsetzen in der Gemeinde deswegen kurzfristig groß, sei, warte man erst einmal ab. Sollte das Tier jedoch noch ein zweites Mal gesichtet werden, dann – da ist sich Bodmaier sicher – werden die Halter ihre Schafe und Ziegen umgehend von den Weiden holen und in die Ställe sperren: „Keiner wird sie dem Wolf opfern.“

Sorge bereitet dem Obmann vor allem auch das Verhalten des gesichteten Tieres: „Der Wolf verliert zunehmend die Scheu, sodass er, der eigentlich nachtaktiv ist, jetzt auch schon tagsüber herumzieht.“ Die Scheu werde durch Generationen hindurch abgebaut: Wölfe hätten keine natürlichen Feinde hier. „Darüber hinaus werden sie gehätschelt und auf Händen getragen, werden immer zutraulicher. Da will ich nicht wissen, was passiert, wenn ein solches Tier einmal an einer Terrasse vorbeikommt, auf der ein Kinderwagen steht“, warnt der Obmann.

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