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Anwalt der Angeklagten zeigt sich fassungslos

Rosenheimerin (22) verteidigt sich gegen betrunkenen Mann mit Pfefferspray – Warum muss sie vor Gericht?

Eine Frau hält eine Pfefferspraydose in der Hand.
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Eine Frau hält eine Pfefferspraydose in der Hand.

Weil sie einen betrunkenen Rumänen mit einem Pfefferspray attackiert hatte, musste sich jetzt eine 22-jährige Frau aus Rosenheim vor dem Amtsgericht verantworten. Was die Staatsanwältin sagte, machte den Anwalt der Frau fassungslos.

Rosenheim – Weil sie einen Betrunkenen, der ihr und ihrer Freundin immer näher gekommen war, letztlich nach mehreren Warnungen mit Pfefferspray attackiert hatte, musste sich jetzt eine 22-jährige Rosenheimerin vor dem Amtsgericht verantworten.

Vorfall am Dönerstand

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, zeigte sich bereits vor der Verhandlung darüber bestürzt, dass es überhaupt zu einer Anklage gegen seine Mandantin gekommen war. Die Frau war zusammen mit einer Freundin am 8. Mai vergangenen Jahres gegen 20.10 Uhr zu einem Dönerverkauf in der Münchener Straße gefahren. Dort war bereits zuvor ein betrunkener Rumäne aufgefallen. Dem Betreiber der Verkaufsstelle war der aufdringliche Passant bereits von früheren Ereignissen bekannt.

Auch der Standbetreiber forderte den Mann zum Gehen auf

Auch an diesem Abend forderte er ihn auf, seine Kunden nicht zu belästigen und sich am besten sofort zu entfernen. Auch die Angeklagte wurde, samt ihrer Freundin, von dem Rumänen angegangen. Was der Betrunkene von sich gab, konnte sie dabei nicht verstehen, da er rumänisch sprach, ihnen aber unübersehbar Avancen machte.

Nachdem die beiden ihre Bestellung bekommen hatten, beeilten sie sich, zu ihrem Auto zurückzukommen. Dabei verfolgte sie der Betrunkene. Als er an der Beifahrerseite auf ihre Begleiterin zusteuerte, trat die Pflegerin ihm entgegen und forderte ihn mehrmals unmissverständlich auf, sich zu entfernen. Doch der Mann kam schwankend auf die Frau zu – die wiederum ein Pfefferspray aus der Tasche holte und ihn erneut warnte, sich ihr zu nähern.

Als er gar nach ihr griff, sprühte sie ihm mit dem Pfefferspray ins Gesicht. Darauf ging der Mann in die Knie. Dann bestieg sie ihr Auto, parkte es in einer anderen Parklücke und benachrichtigte per Handy die Polizei und den Rettungsdienst.

Keine Erinnerungen an den Ablauf des Abends

Der Rumäne wiederum hatte im Zeugenstand ganz andere Erinnerungen an den Abend. Er gab zwar zu, betrunken gewesen zu sein und keinerlei Erinnerung an den Ablauf des Abends zu haben. Jedoch behauptete er dennoch, völlig grundlos von der jungen Frau mit dem Spray attackiert worden zu sein.

Ein weiterer Polizeibeamter, der das Geschehen allerdings nur vom Fahrrad und aus erheblicher Entfernung sehen konnte, erklärte, dass der Sprayvorgang nach seinem Eindruck „unangemessen lang“ gedauert habe. Vom eigentlichen Geschehen hatte er jedoch auch nach eigener Aussage keine Kenntnis.

Polizisten, die auf Verständigung durch die Angeklagte am Tatort eintrafen, gaben an, dass der Betrunkene wegen des Pfeffersprays von den Sanitätern behandelt werden musste, dabei aber „renitent, unflätig und uneinsichtig“ gewesen sei. Dessen Volltrunkenheit sei auch dokumentiert worden.

Die Begleiterin der 22-Jährigen bestätigte umfassend die Schilderung ihrer Freundin. Auch alle anderen Zeugen bestätigten das unangemessene Verhalten des Betrunkenen und die Warnungen, mit denen die junge Frau versucht hatte, das Geschehen bereits im Vorlauf zu verhindern.

Der Verteidiger regte darauf hin an, das Verfahren einzustellen, weil abzusehen sei, dass hier keinerlei strafbare Handlung vorliege. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt in ihrem Schlussvortrag eine echte Bedrohung seitens des Rumänen für nicht gegeben. Es könne sich also nicht um eine wirkliche Notwehrhandlung der 22-Jährigen gehandelt haben. So beantragte sie eine Haftstrafe von sechs Monaten, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Anwalt zeigt sich fassungslos

Rechtsanwalt Baumgärtl zeigte sich aufgrund der Ausführungen der Staatsanwältin fassungslos. „Was muss denn noch passieren, damit sich eine junge Frau zur Wehr setzen darf?“, fragte er in die Runde. Alle Aussagen, so der Anwalt, belegen, dass sich der Betrunkene absolut fehl verhalten habe, dass es sich um eine gegenwärtige und erkennbare Bedrohung gehandelt habe. Seine Mandantin habe jedes Recht gehabt, sich zur Wehr zu setzten. Ein Freispruch sei die einzig mögliche Entscheidung.

Dem stimmte auch die Vorsitzende Richterin Melanie Lanzendorfer zu. Es gebe keinerlei Hinweis auf eine vorgefasste Körperverletzung. Die Belästigung sei nachgewiesen. Auch sei das „Tatopfer“ in seiner Aussage völlig unglaubwürdig und die Bedrohung nicht widerlegbar. So sprach sie die Rosenheimerin frei.

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