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Die Pandemie ohne Ende

Rosenheimer Laborleiter über Omikron-Variante des Corona-Virus: „Da kommt was auf uns zu“

Virologe Dr.Thomas Schulzki, Geschäftsführer und Leiter des Medizinischen Labors.
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Dr. Thomas Schulzki, Geschäftsführer und Leiter des Medizinischen Labors.

Als „Ruhe vor dem Sturm“ könnte man bezeichnen, was der Laborarzt Dr. Thomas Schulzki gerade erlebt. Noch sei es verhältnismäßig ruhig um die Omikron-Variante des Corona-Virus. Doch über Weihnachten könnte sich etwas zusammenbrauen. Was man über Omikron weiß: Thomas Schulzki fasst es zusammen.

 +++ Update vom 22.12.: In einer früheren Version haben wir Dr. Thomas Schulzki als Virologen bezeichnet. Er ist Labormediziner. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen +++

Rosenheim – Omikron ist in Bayern angekommen. So viel weiß man. Was aber Ansteckungskraft und Wirkung betrifft, stehen die Forscher noch am Anfang. Wir sprachen mit dem Laborarzt Dr. Thomas Schulzki, Geschäftsführer und Leiter des Medizinischen Labors Rosenheim, über die Fahndung nach der neuen Variante, über vermutete Wirkung. Und darüber, warum man Berichte aus Südafrika nicht auf Deutschland übertragen kann.

Wie nah ist uns die Omikron-Variante auf den Pelz gerückt?

Dr. Thomas Schulzki: Sie kommt näher, so viel ist klar. Und zwar vermutlich von Norden her. In Hamburg sind bereits acht Prozent der positiven Tests Omikron, in Bayern sind es insgesamt etwa drei. Auch im Kollegenkreis herrscht diese Stimmung vor: Da kommt was auf uns zu. Vor allem zu Weihnachten und Neujahr dürfte sich etwas tun. Die Menschen verreisen öfter, haben mehr Kontakt untereinander, und auf der anderen Seite haben die Arztpraxen geschlossen, es wird weniger getestet. Die Leute fangen sich was ein und bemerken es nicht einmal.

Viren-Fahnder: Mit PCR-Tests können Labors wie das von Dr. Thomas Schulzki in Rosenheimer die neue Omikron-Variante mit großer Sicherheit nachweisen.

Omikron, das ist der Name, unter dem der Laie diese Variante kennt. Der Fachmann kennt sie als B.1.1.529. Was heißt das eigentlich?

Schulzki: Die Bezeichnung B.1.1.529 ist eine systematische Bezeichnung, basierend auf der genauen Analyse der Gensequenz. Die Ziffern bezeichnen den Stammbaum des Virus. Diese Ziffernfolge wird derzeit bei den besorgniserregenden Varianten, den VOCs, mit griechischen Buchstaben umbenannt, um griffigere Namen zu haben. So wird aus B.1.1.529, der 529. Aufspaltung des Typs B.1.1., eben Omikron. Auch bei der derzeit noch zu fast 100 Prozent verbreiteten Variante Delta gibt es inzwischen zahlreiche Untervarianten, die jedoch bezüglich Krankheit und Verbreitung bislang keine Unterschiede zeigen.

Kann man von einer zufälligen Abweichung im genetischen Bauplan sprechen?

Schulzki: Ja. Das Corona-Virus ist hochvariabel. Und nicht jede Variante, die entsteht, ist bedeutsam. Varianten, die keinen evolutionären Vorteil haben, können auch wieder verschwinden. So wie zum Beispiel die die ursprüngliche Wuhan-Variante, die ganz und gar verschwunden ist, während die „britische Variante“ B.1.1.7 hin wieder noch auftaucht.

Wie stellt man die Abweichung denn im Test-Verfahren fest?

Schulzki: Wenn man das Genom des Virus nach einer Sequenzierung kennt, schaut man sich bestimmte Stellen dieses Genoms, des Bauplans des Virus, genauer an. Man sucht dabei nach Stellen, die einzigartig sind, die also nur bei diesem Virus und keinem anderen Virus vorkommen. Sind diese Angriffspunkte, diese „Targets“, identifiziert, wird ein „Primer“, ein Molekül, hergestellt, das einen Ausschnitt der RNA des Virus darstellt. Diese Moleküle heften sich an die „Targets“ und können vervielfältigt werden.

Hört sich kompliziert an.

Schulzki: Es wird nicht einfacher. Die RNA des Virus wird beim PCR-Test zunächst in DNA umgeschrieben. Und dann interagieren die Primer mit dieser vorübergehend hergestellten DNA. Das Umschreiben in DNA ist notwendig, da die PCRPolymerase-Kettenreaktion (auf Englisch Polymerase Chain Reaction, kurz PCR, Anm. der Red.) mit RNA nicht funktioniert, sondern nur mit DNA.

Wie stellen Sie dann fest, ob ihr Molekül, der „Primer“, ans „Target“ andockt?

Schulzki: Wir verwenden derzeit zwei „Targets“ zum Nachweis. Die Interaktion der „Primer“ mit der umgeschriebenen DNA wird durch fluoreszierende Farbstoffe nachgewiesen. Die ausgewählten „Targets“ sind bei der Omikron-Variante vorhanden, aber allerdings genauso auch bei Alpha, Beta, Gamma und Delta.

Man muss also nochmal nachjustieren?

Schulzki: Genau. Führt man dann eine weitere Analyse durch, das so genannte Schmelzpunktverfahren, kann man durch Einsatz bestimmter Marker erkennen, ob es sich um Omikron handelt. Einmal verwenden wir das Verfahren, mit der man die Delta-Variante nachweist, und ein weiteres, das nur das Fehlen einer bestimmten Sequenz im Bauplan nachweist. Ist der erste Durchgang negativ und der zweite positiv, kann aktuell davon ausgegangen werden, daß es sich wahrscheinlich um Omikron handelt. Dies funktioniert, da aktuell andere Varianten mit dieser Kombination nicht vorkommen. Das RKI fordert, einen gewissen Anteil positiv Getesteter mittels Sequenzierung nochmals nachzutesten. Dabei wird der gesamte Bauplan des Virus untersucht. Dies wird nur in wenigen Speziallaboratorien gemacht, für uns macht dies unser Partner in Heidelberg.

Was könnte diese Abweichung bewirken?

Schulzki: Schwierig zu beurteilen. Soweit bislang erkennbar eine leichtere Verbreitung, aber eventuell auch mildere Symptome. Dies kann derzeit noch nicht mit genügender Sicherheit beurteilt werden.

Könnte Omikron den Impfschutz beeinträchtigen?

Schulzki: Natürlich kann auch der Impferfolg beeinträchtigt werden. Erste Hinweise darauf gibt es. Es wird darüber spekuliert, dass es wahrscheinlich unempfindlicher gegenüber Impfstoffen ist. Aber schwere Verläufe werden wohl verhindert.

Was erfährt man über die Krankheitsverläufe in Südafrika, wo Omikron zuerst beobachtet wurde?

Schulzki: Bislang wird meist eher von milden Verläufen berichtet. Hierbei muss bedacht werden, dass in Südafrika ein anderes Kollektiv vorliegt, zum Beispiel eine andere Altersstruktur, Unterschiede in der Versorgung der Bevölkerung und so weiter. Südafrika ist nur bedingt mit den Ländern Europas zu vergleichen. In Großbritannien und Dänemark deutet die exponentielle Ausbreitung auf eine hohe Infektiosität hin.

Die OVB-Weihnachtsaktion 2021.

Können wir dieses Wettrennen mit dem Virus gewinnen? Biontech arbeitet doch schon an einem Omikron-Wirkstoff.

Schulzki: Ich denke ja, aber nur, wenn mindestens 90 Prozent der Menschen geimpft sind, vielleicht muss der Anteil der Geimpften oder Genesenen sogar noch höher sein. Und es steht zu hoffen, dass es bald adaptierte, das heißt, auf die neue Variante angepasste Impfstoffe gibt. Und natürlich müssen wir auf die konventionellen Maßnahmen wie Maske, Hygiene, Abstand und Lüften trotz Boosterung setzen. Im Kampf gegen die Pandemie ist nicht alles so kompliziert wie Biochemie.

Update: Omikron in der Region Rosenheim auf dem Vormarsch

Ein bestätigter Fall mehr, zehn Verdachtsfälle und damit sieben mehr als vor fünf Tagen: Omikron ist in der Region auf dem Vormarsch. Das ergab eine Anfrage ans Landratsamt am Dienstag (21. Dezember).

Insgesamt drei Menschen haben sich demnach nachweislich mit der Omikron-Variante infiziert, nicht inbegriffen den Südafrika-Rückkehrer, der die häusliche Isolation im Landkreis verbrachte, seinen Erstwohnsitz aber woanders hat.

Im Wochenbericht war von sechs sequenzierten, also bestätigen Fällen die Rede gewesen – da seien irrtümlich Verdachts- und bestätigte Fälle addiert worden, auch war der Reiserückkehrer mit Hauptwohnsitz außerhalb des Landkreises mitgezählt worden. Ein Fehler, der dem Umstand geschuldet sei, dass im Gesundheitsamt „am Anschlag“ gearbeitet werde, wie Landratsamtssprecherin Ina Krug sagte.

Der Addier-Fehler dürfte ohnehin nur von akademischem Interesse sein. Die Test- und Labormethoden sind beim PCR-Test mittlerweile so genau, dass aus Verdachtsfällen in in der Regel bestätigte Fälle werden.

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