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SPD-Politiker fordern finanzielle Unterstützung

Geht Rosenheims Tafel das Essen aus? Krieg und Inflation treiben Kundenzahlen rapide nach oben

Eine Ausgabestelle der Tafel befindet sich in der Tannenbergstraße - auf die es schon in den Morgenstunden einen Ansturm gibt.
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Eine Ausgabestelle der Tafel befindet sich in der Tannenbergstraße - auf die es schon in den Morgenstunden einen Ansturm gibt.

Ukraine-Krieg, Lieferengpässe und Supermärkte, die immer weniger Lebensmittel abgeben: Der Rosenheimer Tafel steht das Wasser bis zum Hals. Noch nie musste die Einrichtung so viele Menschen versorgen, wie heute. Doch eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt Rosenheim gibt es bisher nicht - anders als in Wasserburg und Kolbermoor.

Rosenheim - In drei Wochen kann viel passieren. Das weiß mittlerweile auch Elisabeth Bartl. Die Leiterin der Rosenheimer Tafel ist erst vor einigen Tagen aus ihrem Urlaub zurückgekehrt - und musste feststellen, dass in dieser Zeit 50 neue Kunden dazugekommen sind. „Meinen Kollegen sind die Formulare ausgegangen“, erinnert sie sich.

Supermärkte geben weniger Lebensmittel ab

Doch es sind nicht nur die Formulare, die Elisabeth Bartl Sorgen bereiten. Es ist auch die Tatsache, dass es immer weniger Lebensmittel für immer mehr bedürftige Menschen gibt. „In der vergangenen Woche mussten wir zum ersten Mal Leute wieder nach Hause schicken, weil wirklich nichts mehr da war“, sagt die Leiterin der Tafel. Das liege zum einen daran, dass Supermärkte weniger Lebensmittel abgeben und zum anderen daran, dass immer mehr Menschen aufgrund von Inflation und Energiekrise auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Hinzu kommt die Versorgung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge.

Großteil der Neukunden aus der Ukraine

„Ein Großteil der Neukunden sind Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine“, bestätigt die Tafel-Leiterin. Erst in den vergangenen Tagen seien um die 40 dazugekommen. Was wiederum bedeutet, dass die Rosenheimer Einrichtung derzeit an den zwei Standorten über 1000 Haushalte betreut. Tendenz steigend.

Ohne Absprache zu der Tafel geschickt

„Es ist mir schon lange ein Dorn im Auge, dass sich die Politik auf die Tafel verlässt“, sagt Elisabeth Bartl und kritisiert, dass die ukrainischen Kriegsflüchtlinge teilweise zu wenig Unterstützung bekämen. So würden einige Ämter die Geflüchteten direkt und ohne vorherige Absprache zu den Tafeln schicken. Das führe zu längeren Wartezeiten, unzufriedenen Stammkunden und weniger Lebensmitteln, die an jeden Einzelnen ausgegeben werden können. „Es braucht eine andere Lösung“, fordert Elisabeth Bartl.

Elisabeth Bartl leitet seit mehr als 20 Jahren die Rosenheimer Tafel.

Geldleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts

Die Stadt wiederum gibt an, dass die ukrainischen Geflüchteten im Rahmen der sozialhilferechtlichen Beratung - genauso wie die übrigen Leistungsberechtigten - auf die Tafel und ähnliche Institutionen hingewiesen, aber nicht verwiesen werden. „Soweit die ukrainischen Geflüchteten Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB), SGB XII oder dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, bekommen sie Geldleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts“, teilt Stadt-Sprecher Christian Schwalm auf OVB-Anfrage mit. Hiermit sei auch der Bedarf für Ernährung abgedeckt. Die städtischen und staatlichen Unterkünfte seien zudem mit Küchen ausgestattet, sodass die dort lebenden Menschen sich selbst versorgen könnten.

Geldleistungen gekürzt

Lediglich die Bewohner in der Luitpoldhalle erhalten laut Christian Schwalm Vollverpflegung durch einen Caterer, da es in der Sporthalle keine Kochmöglichkeiten gibt. „Um eine Gleichbehandlung sicherzustellen, wird der Ernährungsanteil bei den Geldleistungen gekürzt“, heißt es aus dem Rathaus.

Leistungsanträge müssen gestellt werden

Um festzustellen, ob die ukrainischen Kriegsflüchtlinge die Leistungen der Tafel überhaupt in Anspruch nehmen dürfen, müssten sie Leistungsanträge stellen und ihre Hilfebedürftigkeit nachweisen. „Die Prüfung läuft wie bei jedem anderen Antragsteller nach den gesetzlichen Vorgaben ab“, teilt Schwalm mit.

Unterstützung durch Zuwendungen

Zudem unterstützte die Stadt seit Jahren sowohl die Rosenheimer Tafel als auch die Leibspeise auf Antrag durch Zuwendungen. Weil diese mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen nicht auszureichen scheinen, hat sich jetzt die Rosenheimer SPD der Sache angenommen.

Tafel finanziell unterstützen

In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) beantragen sie, dass die Stadtverwaltung überprüft, welche Mittel zur Verfügung stehen, um die Rosenheimer Tafel in Zukunft finanziell zu unterstützen - beispielsweise durch Mietzuschüsse.

Warenzugang um 50 Prozent gesunken

„Während der Warenzugang um 50 Prozent gesunken ist, steigt die Anzahl der bedürftigen Haushalte rasch und steil“, sagt Ricarda Krüger, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Die Tafel verzeichnet laut Antrag eine Zunahme von Hilfesuchenden von mehr als 100 Prozent.

Standorte sollen zusammengefasst werden

Nachdem die Rosenheimer Tafel - deren Träger die Diakonie ist - schon seit Längerem überlegt, ihre beiden bisherigen Standorte in der Tannenbergstraße und in der Westermayerstraße zu einem zusammenzufassen, schlagen die SPD-Stadträte vor, die Einrichtung mit einem jährlichen Zuschuss von circa 15.000 Euro pro Jahr zu unterstützen, um ihr „Fortbestehen in Rosenheim zu sichern“.

Durch Mietzuschüsse unterstützt

„In anderen Kommunen wie Wasserburg oder Kolbermoor werden die Tafeln durch Mietzuschüsse unterstützt“, heißt es in dem Antrag. In Rosenheim sei die Tafel bisweilen auf sich gestellt, aber aufgrund der steigenden Nachfrage und den hohen Anforderungen ebenfalls auf eine Unterstützung angewiesen.

Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt

Wie diese Unterstützung aussehen könnte, zeigt ein Blick nach Wasserburg. Die Wasserburger Tafel bekommt die Räume in der Brunnhuberstraße 24 kostenlos von der Stadt zur Verfügung gestellt. Ähnlich ist die Situation in Kolbermoor. Ob auch in Rosenheim ein Teil der Mietkosten künftig von der Stadt getragen werden kann, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. Dann soll über den SPD-Antrag im Gremium beraten werden.

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