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Klinikleiter der Region mit klarer Botschaft

Keine Entspannung in Sicht: Jeder fünfte Corona-Intensiv-Patient stirbt

Der Geschäftsführer der RoMed-Kliniken, Dr. Jens Deerberg-Wittram, fordert einen erneuten Corona-Lockdown – und zwar möglichst schnell.
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Der Geschäftsführer der RoMed-Kliniken, Dr. Jens Deerberg-Wittram, forderte bereits einen erneuten Corona-Lockdown – und zwar möglichst schnell.

Von Rosenheim bis ins Berchtesgadener Land gehen die Corona-Inzidenzen zurück, doch bedeutet das auch, dass sich die Lage in den heimischen Kliniken entspannt? Wir haben in den RoMed Kliniken, den InnKliniken und den Kliniken Südostbayern nachgefragt.

Rosenheim/Mühldorf/Traunstein - Rund 73 Prozent der Intensivbetten im Rettungsdienstbereich Traunstein - also Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein - sind derzeit mit Covid-Patienten belegt. Der Hospitalisierungswert für den Landkreis Mühldorf lag am Montag (6. Dezember) bei 24,9, für den Landkreis Altötting bei 34. Der bayernweite Vergleichswert gesamt bei 7,3 (Quelle/Stand: LGL, 8. Dezember, 8 Uhr).

Intensivstationen in der Region: „bis aufs letzte Bett belegt“

Thomas Ewald, Vorstandsvorsitzender des Inn-Klinikums

Was auf den ersten Blick für viele nur Zahlen sind, zeigt aber dennoch, dass die Kliniken in der Region nach wie vor mehr als ausgelastet sind. Thomas Ewald, Vorstandsvorsitzender des Inn-Klinikums, bringt es auf den Punkt: „Vor allem unsere Intensivstationen sind zeitweise bis aufs letzte Bett belegt. Am Montagvormittag waren wir erneut gezwungen, für einen Covid- 19-Patienten ein Intensivbett in einer anderen Klinik zu suchen.“ Hinzu kämen krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern, die das Klinikum gezwungen hätten, Betten zu reduzieren.

Bei den Kliniken Südostbayern dagegen hat man die Anzahl der Intensivbetten noch einmal erhöht. „Der Landkreis Traunstein ist nun zum vierten Mal „Hotspot“ der Pandemie“, erklärt Pressesprecher Ralf Reuter. „Seit Beginn der Pandemie haben wir allein in Traunstein über 280 Patienten intensivmedizinisch versorgt, davon über 90 in der jetzt andauernden 4. Welle. 81 % von den über 90 waren nicht geimpft.“

Vor allem die Ungeimpften treffe es derzeit hart. „Mit der Delta-Variante des Virus sterben jetzt leider auch sehr junge Patienten, sämtlich ungeimpft, die vor der Infektion mit Corona voll im Leben standen“, bedauert Reuter und wird noch konkreter: „Bei einem medizinisch sehr anspruchsvollen Patientenkollektiv lag die Sterblichkeit vor Covid in unserem Intensivbereich bei 8.5 % (2019). Von den Covid-Intensivpatienten sterben trotz allen Aufwands bisher ein Viertel, in der 1. Welle der Pandemie über 40%, jetzt in der 4. Welle 20%, weil die Patienten deutlich jünger sind und die Erkrankung mit zunehmender Erfahrung besser therapierbar ist.“

Trotz sinkender Corona-Inzidenzen keine Entspannung in den Kliniken erwartet

Trotz besserer Therapie und zunehmender Erfahrung stirbt also jeder fünfte Corona-Intensivpatient. Eine Situation, die alle Verantwortlichen gerne vermeiden würden. Doch obwohl die Corona-Inzidenzen in der Region derzeit sinken, erwarten sich die Kliniken in der Region keine Entspannung. „Niedrige Inzidenzen bedeutet nicht zwangsläufig eine Entspannung in den Kliniken. Die Verweildauer der Covid-Patienten auf der Intensivstation beträgt meist mehrere Wochen, zum Teil Monate und ist zudem mit einem wesentlich höheren Anteil an Beatmungsnotwendigkeit auf den Intensivstationen verknüpft“, so Reuter.

Die derzeitige Entwicklung kommt frühestens in zwei bis drei Wochen in den Krankenhäusern an“, stimmt auch InnKliniken-Chef Ewald zu. „Wenn der Wegfall der Hotspot-Regelung dazu führt, dass sich wieder mehr Menschen treffen und dadurch mehr Ansteckungen erfolgen, dann trifft uns das im Inn-Klinikum mit aller Härte zu Weihnachten und zum Jahreswechsel“, prognostiziert er.

RoMed Kliniken Chef Deerberg-Wittram: „Wir haben keinerlei Reserve“

Dr. Jens Deerberg-Wittram ist seit 2018 Geschäftsführer der RoMed Kliniken.

Der Geschäftsführer der RoMed Kliniken, Dr. Jens Deerberg-Wittram, wird noch konkreter: „Von einem Abflauen der vierten Welle kann überhaupt keine Rede sein. Wir haben seit einigen Wochen eine Art Peak erreicht. Das bedeutet, wir haben mit Mühe und Not so viele Intensivbetten in Betrieb, wie wir auch vor Corona tatsächlich belegt hatten. Wir haben aber keinerlei Reserve, und wir haben das ohnehin nur geschafft, weil wir Kolleginnen und Kollegen aus anderen, angestammten Arbeitsbereichen und zum Teil aus anderen Kliniken zusammengezogen haben.“

Von diesen Betten stünden nur die Hälfte für Nicht-Covid-Patienten zur Verfügung. Das sei eine dramatische und sehr belastende Situation, „jeden Tag, weil wir jeden Tag falsche Kompromisse machen müssen, die Patienten gefährden“. Deswegen gehe es den Menschen, die dort arbeiten, und den RoMed Kliniken als Verbund insgesamt schlecht.

Das Problem seien nicht die Betten, wird auch Deerberg-Wittram nicht müde zu betonen. „Betten haben wir genug, wir haben sogar das Privileg, dass wir eine komplette leere Intensivstation haben, weil wir während Corona-Zeiten umgezogen sind, in ein neues Gebäude. Wir haben mehr als genug Betten, und auch Beatmungsgeräte sind auf dem Markt. Das Problem ist das Personal, und das Personal war in diesen Bereichen immer schon knapp, und es ist wegen der Krise und der Belastung noch knapper geworden.“

Kliniken suchen Personal - Kontaktreduzierung und Impfung die Lösung?

Mittlerweile suchen alle Kliniken händeringend Personal. Die Bundeswehr unterstützt mit Soldaten, wo sie kann. Ehrenamtliche bringen sich ein. Und doch scheint es nur eine Lösung zu geben: „Der freiwillige Verzicht auf Kontakte wird über die Entwicklung entscheiden. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Zugangsbeschränkungen mit 2G ausreichen, um die Inzidenz weiter nach unten zu drücken“, ist sich der Leiter des Mühldorfer Gesundheitsamtes Dr. Benedikt Steingruber sicher.

Thomas Ewald von den InnKliniken begrüßt darüber hinaus jede Maßnahme, die dazu beitrage, Kontakte zu reduzieren und dadurch Infektionen zu vermeiden. Die konkreten Maßnahmen will er aber nicht kommentieren. Ralf Reuter von den Kliniken Südostbayern sieht die Lösung dauerhaft nicht in den aktuellen Regeln: „Die getroffenen verschärften Regelungen werden sicherlich kurzfristig greifen, langfristig hilft für eine stabile Lage nur das Impfen. Deshalb an dieser Stelle erneut der Apell, die Impfmöglichkeiten in unserer Region zu nutzen.“

cz

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