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Schule bei Schechen bleibt geschlossen

Leiterin der Querdenker-Schule ist verbeamtet und offiziell krank - „Eingebung von oben“ für Gründung

Am Donnerstag blieb die „Schule“ in Deutelhausen leer. Die Polizei stellte vor Ort sicher, dass die behördliche Schließung befolgt wird.
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Am Donnerstag blieb die „Schule“ in Deutelhausen leer. Die Polizei stellte vor Ort sicher, dass die behördliche Schließung befolgt wird.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Die Leiterin der vermeintlichen Querdenker-Schule in Deutelhausen ist eigentlich eine verbeamtete Lehrerin, die seit langem krank geschrieben ist. Und sie hat wirre Begründungen für den Start der inzwischen geschlossenen Einrichtung.

Schechen – Die Leiterin der mutmaßlichen „Querdenker“-Schule in Deutelhausen unterrichtet eigentlich an einer Grund- und Mittelschule . Das bestätigte der Sprecher der zuständigen Schulaufsichtsbehörde. Allerdings sei die Frau seit längerem offiziell im Krankenstand. Dennoch war die Frau beim Aufbau der inzwischen geschlossenen Schule auf einem Bauernhof, der Rekrutierung von „Lehrkräften“ unterschiedlichster Couleur und zuletzt bei Interviews mit diversen Medien überaus aktiv. Ob ihr dienstrechtliche Konsequenzen für ihr Beamtenverhältnis drohen, ist bisher noch nicht bestätigt.

Zum Hintergrund: Querdenker-Schule: Kinder von Schamanen und Kräuterpädagogen unterrichtet?

Der Schulaufsichtsbehörde liegen Werbeflyer vor, die die Einrichtung als „russische Schule“ bezeichnen. Sie unterliege demnach nicht dem deutschen Schulrecht. Die Leiterin behauptete gegenüber dem BR, dass die Betreiber-Vereinigung „Freiheit braucht Mut“ die Schule unter einer „russischen Lizenz-Nummer“ angemeldet habe. Sie bezeichnete sich als eine „aus dem System ausgestiegene“ Lehrerin, die eine „Eingebung von oben“ für die Schulgründung erhalten habe.

Eltern drohen keine Konsequenzen

Den Eltern der Kinder, die in der mutmaßlichen Querdenker-Schule unterrichtet wurden, drohen bis auf eine Ausnahme keine Konsequenzen. Ein Verstoß gegen die Schulpflicht liegt nicht vor. Das hat damit zu tun, dass es derzeit als Entschuldigungsgrund ausreicht, wenn die Eltern die Maskenpflicht und Corona-Tests ablehnen. Ob diese umstrittene Regelung neu überdacht werden muss, wollte das Kultusministerium nicht bestätigen. Lediglich ein Kind der etwa 50 Schülerinnen und Schüler der inzwischen geschlossenen Einrichtung in Deutelhausen sei ohne genauen Grund an seiner bisherigen Schule abgemeldet worden

Auch Kinder von Masken- und Testverweigerern müssen Distanzunterricht wahrnehmen und zu Schulaufgaben und Proben erscheinen. In vielen Schulen fehlt jedoch schlichtweg das Personal, um parallel zum Präsenzunterricht noch die daheim gebliebenen Kinder per Video zu unterrichten

+++ Der Originaltext +++

„Wir haben Vollzugshilfe geleistet und geschaut, ob die Bescheide eingehalten werden“, sagt Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Rosenheim. am Donnerstag „Die Bescheide“ sind die, die die Regierung von Oberbayern am Mittwoch erließ und in denen der Schulleiterin und der Betreiberin der Schule auf dem Bauernhof der Betrieb untersagt wurde. Sollte doch Schulbetrieb stattfinden, wird ein Zwangsgeld von bis zu 20.000 Euro fällig.

Schulleiterin: Russische Stiftungsschule auf russischem Hoheitsgebiet

Das war der Schulleiterin, krankgeschriebene Lehrerin an einer öffentlichen Schule im südlichen Oberbayern, wie Wolfgang Rupp von der Regierung von Oberbayern bestätigt, und der Betreiberin einer Stiftung namens „Freiheit braucht Mut“, dann offensichtlich doch zu viel. Bisher hatte die Schulleiterin sich gegenüber Medienvertretern darauf zurückgezogen, dass der Bauernhof russisches Hoheitsgebiet sei, die Schule eine russische Stiftungsschule und als solche auch zertifiziert.

Auf dem Hof tut sich gar nichts

Die Vernetzung der Schulleitung, des Lehrpersonals und der Eltern der 50 dort unterrichteten Kinder funktioniert offensichtlich, denn bis Viertel nach acht tut sich rund um den Hof gar nichts. Außer, dass sich die Sonne ganz langsam einen Weg durch den Nebel bahnt. Dann biegt ein Auto in die schmale Straße ein. Erregt Aufmerksamkeit in den diversen Polizeifahrzeugen – zivilen und blau-gelb-silbernen. Eine Anliegerin, wie sich zeigt. Ein Kaninchen hoppelt über die Wiese, sonst ist alles ruhig.

Davon konnte die Polizeiinspektion aber nicht ausgehen. 50 Kinder, da zu die Eltern und lehrende Erwachsene – es hätte eine größere Menschenmenge auf den Hof kommen können. Auf diese warteten in und um Deutelhausen „angemessene Kräfte“, wie es Polizeisprecher Emig formuliert. In Sichtweite der Autorin waren es mindestens vier offenkundige Einsatzwagen, drei Zivilfahrzeuge und drei Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei.

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Abgesehen davon, dass immer mal wieder der Hahn kräht, bleibt an diesem Vormittag alles ruhig. So ruhig, dass ein junger Polizist sich die Zeit nehmen kann, einen beunruhigten Autofahrer, der gerade geblitzt wurde und sich Sorgen um seinen Führerschein macht, entspannt aufzuklären, wie teuer es werden könnte und dass der Führerschein sicher ist.

Dokumente weisen auf Querdenker-Nähe hin

Schon als die von der Gründerin als „Lernoase“ bezeichnete Schule publik wird, gibt es Gerüchte, es handele sich um eine Querdenker-Schule. Diese haben sich in der Zwischenzeit verdichtet. Der Regierung von Oberbayern liegen laut ihrem Sprecher Wolfgang Rupp Dokumente, darunter Werbematerialien und Vertragsentwürfe, vor, die in diese Richtung, beziehungsweise in Richtung Reichsbürger, weisen. Das betreffe die Schulleitung und die Betreiberin, Stiftung „Freiheit braucht Mut“, den Kindern und ihren Eltern könne man dieses Gedankengut nicht pauschal unterstellen.

Militaristisch geprägt?

Dr. Matthias Pöhlmann, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche Bayern, wird bei der Kombination von „Lernoase“, „freies Lernen“ und „russisches Hoheitsgebiet“ hellhörig. Er hat sich für sein Buch „Rechte Esoterik“ (erscheint am 12. Oktober im Herder-Verlag) intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es könne sich um eine „Schetinin“-Schule handeln, die stark militaristisch geprägt sei.

Außerdem sei das „freie Lernen“ verstärktes Betätigungsfeld der sogenannten Anastasia-Bewegung und der „Schools of Bliss“ (Schulen der Glückseligkeit), die rechtsesoterische, verschwörungsideologische, rassistische und antisemitische Züge haben. Auch ohne nähere Informationen deute für ihn vieles darauf hin. Zumal die einen wie die anderen zunehmend Aktivitäten in Bayern entfalten.

Darum fehlten die 50 Kinder nirgends

Eltern, die ihre Kinder nicht regelmäßigen Selbsttests und der zumindest bis 1. Oktober geltenden Maskenpflicht aussetzen wollen, dürfen ihr Kinder aus der Schule in den Distanzunterricht nehmen, erklärt Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern. „Die Kinder waren wohl ordnungsgemäß in den Distanzunterricht entschuldigt“, so Rupp. Und da sie aus vielen verschiedenen Schulen kamen, wurde auch auf diesem Weg kein Verdacht erregt. Rupp weiß sicher nur von einem Fall, in dem ein Kind tatsächlich aus seiner Schule abgemeldet wurde – das gehe jetzt in Schechen in die Schule.

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