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OVB-Serie „Landwirtschaft im Wandel“

Von Äpfel und Birnen viel Ahnung: Streuobstanbau hat im Kreis Rosenheim viel Tradition

Johann Zehetmeier aus Bad Feilnbach versorgt auf seinen Streuobstwiesen Äpfel-, Birnen und Zwetschgenbäume. In seiner Brennerei stellt er daraus Brände und Liköre her.
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Johann Zehetmeier aus Bad Feilnbach versorgt auf seinen Streuobstwiesen Äpfel-, Birnen und Zwetschgenbäume. In seiner Brennerei stellt er daraus Brände und Liköre her.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Der Streuobstanbau ist im Landkreis Rosenheim Tradition. Die Bestände nehmen jedoch ab. Und auch der Klimawandel macht sich bemerkbar. Warum das so ist, erklären wir in der vierten Folge unserer Serie „Landwirtschaft im Wandel – Blick auf drei Jahrzehnte“.

Rosenheim – Brände, Liköre, Säfte oder auch als ganze Frucht: Aus Obst lässt sich viel herstellen. Mit der Rohrdorfer Kelterei Oro und den Schnapsbrennern in und um Bad Feilnbach werden auch im Landkreis Rosenheim regionale Früchte verarbeitet. Die Region ist dabei bekannt für ihre Streuobstwiesen.

Doch der Bestand ist laut Roman Pröll, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Rosenheim, seit Jahren rückläufig. Das habe verschiedene Gründe. Zum Beispiel fielen Flächen aufgrund von Baumaßnahmen weg. „Der Baudruck ist wesentlich stärker als früher“, sagt er. Alte Obstbestände, die in sogenannte Grüngürteln um Dörfer herum dazu beigetragen hatten, die Bevölkerung zu ernähren, gingen so verloren.

Verband fördert Streuobstwiesen

Eine negative Entwicklung, findet der Experte. Denn Streuobstwiesen bildeten mit ihren alten Bäumen einen Lebensraum für Insekten. Diese finden Platz in kleinen Höhlen in Baumstämmen oder unter deren aufgeplatzter Rinde. So eine Wiese sei ein „kleines, eigenes Ökosystem“, sagt er. Um diese Systeme zu erhalten, bemühten sich Landwirte, alte Bestände wieder aufzufüllen. Außerdem legten vor allem junge Bauern neue Streuobstwiesen an. Im Landkreis gibt es einen Landschaftspflegeverband, der solche Maßnahmen mit Zuschüssen aus dem bayerischen Umweltministerium fördert.

Anzahl der Streuobstwiesen schrumpft

Aber auch die Globalisierung habe ihren Teil dazu beigetragen, dass die Anzahl der Streuobstwiesen schrumpfe. In einer Welt, in der Früchte aus dem Ausland importiert werden, seien die Menschen nicht mehr so stark auf das heimische Obst angewiesen. „Früher hatten die Leute kein Interesse daran, Obst sofort zu essen. Es ging darum, es haltbar zu machen und für den Winter gerüstet zu sein“, erklärt Pröll.

+++ Hier finden Sie alle Teile der OVB-Serie „Landwirtschaft im Wandel“ +++

Werden die Streuobstwiesen mit ihren Bäumen weniger, ist das vor allem für diejenigen schlecht, die aus regionalen Früchten Produkte herstellen. So wie die Kelterei Oro aus Rohrdorf. Sie existiert schon seit 63 Jahren. Laut Geschäftsführer Joachim Wiesböck bestehen 95 Prozent der Anlieferungen aus Äpfeln. Diese verarbeitet die Kelterei zu Schorle oder Saft. Im Durchschnitt brauche man für einen Liter Apfelsaft zwei Kilogramm Äpfel, sagt er. Dabei komme es aber auch immer auf Sorte, Konsistenz und Presssystem an.

Auswirkungen des Klimawandels

Auch der Erntezyklus schwanke. In den vergangenen fünf Jahren seien die Früchte bis zu Wochen früher als normalerweise reif gewesen. Möglich, dass das mit dem Klimawandel zusammenhänge, sagt Wiesböck. Solche Schwankungen habe es aber auch schon vor vielen Jahren gegeben. Steigen die Temperaturen, verändere sich auch der Geschmack der Äpfel. „Aber Auswirkungen im negativen Sinn kann ich im Obstanbau nicht feststellen. Nichts, was wir nicht schon hatten.“

Oro verarbeitet hauptsächlich Äpfel. Doch im Landkreis wächst mehr als das. Laut Fachberater Pröll sind neben Äpfeln auch Birnen „Zugpferde“. Auch Steinobst wie Kirschen und Zwetschgen gebe es. Schädlinge, wie zum Beispiel die Kirschessigfliege, setzten diesen Früchten jedoch sehr zu.

Historische Obstsorten

Seit einigen Jahren bauten Landwirte aber auch Obstsorten an, die es vor 30 Jahren in der Region noch nicht gegeben habe. Kiwis zum Beispiel, oder auch Pfirsiche und Wassermelonen. „Das ist klimabedingt“, sagt er. Es sind Früchte aus dem Süden, die warmes Wetter benötigen.

Und auch die Baumsorten, die Bauern pflanzen, seien andere. Klassischerweise wachsen auf Streuobstwiesen Hochstammbäume. Deren Stämme sind mindestens 180 Zentimeter groß. Laut Roman Pröll brauchen diese Bäume bis zu 15 Jahre, bis sie vollen Ertrag geben. Eine lange Zeit. „Wenn jemand wirklich Geld mit Äpfel und Birnen verdienen will, geht der Trend zu anderen Baumarten“, sagt er. Wie zum Beispiel zum Spindelobstbaum. Diese benötigen weniger Platz. Auf kleinerem Raum bringt der Landwirte mehr Bäume unter, die schneller Früchte tragen.

Brennerei in Betrieb

Johann Zehetmeier bewirtschaftet auf seinen Streuobstwiesen in Bad Feilnbach trotzdem noch Hochstammbäume. Rund 130 Stück seien es, die eine Hälfte tragen Zwetschgen, die andere Äpfel und Birnen. Ein paar Walnussbäume hat er auch. Zehetmeier betreibt eine Brennerei in einer Gemeinde, die bekannt dafür ist, und ist im Vorstand des südostbayerischen Verbands der Obst- und Kleinbrenner. Er ist schon lange im Obst-Geschäft. Seine Früchte erntet er mittlerweile mit einer Hebebühne, nicht mehr wie früher mit einer Leiter. Trotzdem bleibt Obstanbau aufwendig, er ist mit viel Handarbeit verbunden. Geräte wie Baumschüttel- und Obstauflesemaschinen können helfen.

Schaden durch Unwetter

Gegen Wetterereignisse wie Hagel gibt es jedoch keine Hilfe. Ende Juni fielen tischtennisgroße Hagelkörner vom Himmel. Auch über dem Teil von Bad Feilnbach, in dem sich die Obstbäume von Zehetmeier befinden. Hagel sei ein Problem, weil die Körner Druckstellen beispielsweise an Äpfeln verursachen können. Diese fangen an zu faulen und fallen unreif auf den Boden. „Es ist schon einiges kaputt gegangen.“ Vom Obst brennen will er sich trotzdem nicht abhalten lassen.

Bekannter Apfelmarkt in Bad Feilnbach:

Die Gemeinde Bad Feilnbach ist nicht nur für ihre Schnapsbrennereien bekannt, sondern auch für den Apfelmarkt. Dieser findet schon seit 30 Jahren statt und ist als größter Apfelmarkt in Bayern überregional bekannt. Rund 250 Aussteller präsentieren dort ihre Ware. Diese besteht aber nicht nur aus verschiedenen Apfelsorten. Es gibt Säfte, Brände und Schnäpse, außerdem Marmeladen, Gelees und Apfelessige. Auch Gemüse und regionale Spezialitäten wie Käse und Speck verkaufen die Aussteller. Heuer findet der Markt vom 8. bis zum 10. Oktober statt. „Er ist eines der größten Aushängeschilder von Bad Feilnbach“, sagt Cornelia Weber, Leiterin des Kur- und Gästeinformationsbüros.

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