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Gefördert durch Kulturfonds

In Aschau im Chiemgau lebende Autorin schreibt Theaterstück: „Wenn die Wildsau lächelt“

Inspirationsquelle: Die in Aschau lebende Theatertherapeutin und Autorin Johanna Mara Hartmann beim Spaziergang an der Prien.
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Inspirationsquelle: Die in Aschau lebende Theatertherapeutin und Autorin Johanna Mara Hartmann beim Spaziergang an der Prien.
  • VonElisabeth Kirchner
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Damit hätte sie wirklich nicht gerechnet, meint Johanna Mara Hartmann (57). Dass aus ihrer morgendlichen Idee „Begegnung mit einer Wildsau“ – in einem Podcast aufgenommen und als humorvoller Gruß an Freunde verschickt – ein Solo-Theaterstück entsteht.

Aschau im Chiemgau – Ein Stück, das sich mit dem Wildschwein, Lateinisch Sus scrofa, beschäftigt und das nun mit 8000 Euro aus dem Bayerischen Kulturförderfonds bezuschusst wurde. Sofern es die Pandemie zulässt, soll es Im Herbst in Aschau ur-aufgeführt werden.

Ein Gedanke verselbständigt sich

Johanna Hartmann, gelernte Intensiv-Krankenschwester und seit über 25 Jahren als Theatertherapeutin, Coach und Theaterpädagogin unterwegs, gesteht mit charmantem Lächeln, dass sie es nicht fassen konnte, wie schnell sich der Gedanke der Begegnung mit einer lächelnden Wildsau verselbstständigen konnte. Die Wahl-Aschauerin, die bis vor einem Jahr im Allgäu lebte und arbeitete, erzählt auf einem Spaziergang am Priendamm von ihrer Arbeit.

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Vielleicht war es der Einsamkeit in der Corona-Pandemie geschuldet (ihre beiden Töchter sind längst ausgezogen), vielleicht war es ein Wunsch, ihre Gedanken in einem Podcast wie in einem Tagebuch aufzuzeichnen, vielleicht lag es auch an der inspirativen Kraft des Prientals, jedenfalls ließ der Gedanke an eine Begegnung mit einer Wildsau Johanna Hartmann nicht mehr los.

Motiv in der Kulturgeschichte

„Ermutigt von Freunden,“ sagt sie, begann sie gleichsam, „dem Tier zu folgen“. Möchte ich wirklich einem Wildschwein in der freien Wildbahn begegnen? Können Wildschweine schwimmen? Über diese reine Wissensfragen gelangte Johanna Hartmann zum Vorkommen von Wildschweinen in Märchen (Im Märchen der Gebrüder Grimm vom „Tapferen Schneiderlein“ fängt der arme Schneider ein Wildschwein in einer Kapelle) und in der christlichen Kirche, sei es sei es in unterschiedlichsten Abbildungen der Schweinegöttin, oder in Bibelstellen (wie beispielsweise bei Salomon) und Texten des Heiligen Franziskus von Assisi.

Verschiedene Rollen in Religionen

Aber auch in anderen Religionen taucht das Schwein auf, merkt die Theaterfrau an. Während das Schwein im Islam als unrein gilt, zählt das Schwein im Buddhismus als heiliges Tier, als Bestandteil des innersten Zentrums des Lebensrads. Es sei erstaunlich gewesen, was sie alles zum Thema Wildschwein zusammentragen konnte, meint Johanna Hartmann.

Tantrische Gottheit

Die Diamantsau, eine tantrische Gottheit des Vajrayana, trage den Kopf einer Wildsau, ihre zwölf Zitzen stehen für Nahrung, für Fruchtbarkeit, für Mütterlichkeit, für Herz und Mitgefühl. Auch vom Buch „Das Schwarzmond-Tabu“ von Jutta Voss (In dem 1988 veröffentlichten Buch geht die Autorin davon aus, dass der Menstruationszyklus ursprünglich ein religionsstiftendes und kulturprägendes Muster dargestellt habe, das durch die Entwicklung des Patriarchates in Vergessenheit geraten sei und von der Kirche im 4. Jahrhundert verboten wurde, Anm. der Redaktion) habe sie sich für ihr Theaterstück inspirieren lassen.

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Sie selbst sei weder Buddhistin noch Feministin, betont sie, aber diese archaische Bedeutung der Stärke der Frau sei doch sehr beeindruckend.

Und kehrt dann wieder zu Franz von Assisi zurück. In seinem Lob an die Schöpfung habe er gesagt, dass alle Brüder und Schwestern seien, dass man mit anderen mitfühlen und dass man sich auf das einfache, das nachhaltige Leben beschränken solle. Genau diese Ansichten seien in Corona-Zeiten wieder stark befördert worden.

Aufförungsort gesucht

Mit Unterstützung der Gemeinde sucht die Theatermacherin noch einen Aufführungsort, er, so Hartmanns Wunsch, auch anderen Künstlern aus der Gemeinde als Bühne dienen soll. Mit Walli Höfinger, Freundin und Regisseurin, will sie ihre Texte in Szene setzen. Dann steht hoffentlich und trotz Corona einer Ur-Aufführung im Herbst nichts mehr entgegen.

Ständiger Begleiter: Die goldfarbene Wildsau aus einem Aschauer Laden.

Dass die Begegnung mit einer Wildsau auch humorvoll sein kann, verrät Hartmann schon vorab. Sie habe nämlich zufällig eine goldfarbene Wildsau im „handlichen Sport-Taschenformat“ in einem Aschauer Laden gefunden, die sie seitdem begleitet, sei es in den Innsbrucker Alpenzoo oder mit dem Schiff auf dem Chiemsee. Das Lächeln der Wildsau und lächelnde Menschen – ein Lichtblick in diesen Zeiten.

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