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Felix Haffner verdächtigt die Friedhofsverwaltung

Grab der verstorbenen Großmütter in Oberaudorf verschwunden und niemand will es gewesen sein

An Silvester 2020 hat Enkel Felix Haffner das Grab seiner verstorbenen Großmütter in Oberaudorf besucht. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass die Ruhestätte (links, grüne Wiesenfläche) weggeräumt wurde.
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An Silvester 2020 hat Enkel Felix Haffner das Grab seiner verstorbenen Großmütter in Oberaudorf besucht. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass die Ruhestätte (links, grüne Wiesenfläche) weggeräumt wurde.
  • Barbara Forster
    VonBarbara Forster
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Wie kann ein Grab einfach so verschwinden? Das würde Felix Haffner aus München gerne wissen. Am Silvestertag machte er am Florianibergfriedhof in Oberaudorf eine seltsame Entdeckung: Das Grab seiner beiden Großmütter war weg. Die Friedhofsverwaltung will es nicht gewesen sein. Aber Haffner hegt Zweifel.

Oberaudorf – Das Ableben ist schon eine sensible Sache. Wer möchte nicht für immer in seinem eigenen Grabe ruhen? Das hat sich Felix Haffner auch für seine beiden Großmütter gewünscht. Der Münchner ist nur selten in Oberaudorf. Meistens dann, wenn er seine Mutter besucht – oder aber das Grab seiner Großmütter. Ende des Jahres, an Silvester, suchte er mit seinen drei Kindern wieder einmal den Florianibergfriedhof in Oberaudorf auf. Und was er da am Grabe vorfand, war seltsam: nämlich gar nichts.

Die Grabstätte war laut Haffner vollständig verschwunden. Samt Grabstein. Der 49-Jährige ist überzeugt: Da hatte die Friedhofsverwaltung ihre Finger im Spiel. Aber diese weist jeglichen Vorwurf von sich.

Gemeinde im Verdacht

Noch am selben Tag habe Haffner die Friedhofsverwaltung angerufen. Denn die Pacht sei noch bis Mai 2021 bezahlt gewesen. Aber erreicht habe er niemanden. Also versuchte es Haffner weiter. Immer und immer wieder. Erfolglos, wie er sagt. Erst mithilfe eines Schreibens Mitte Januar habe sich der Ordnungsamtsleiter, Florian Stuhlreiter, bei ihm gemeldet. Und dieser habe laut Haffner jegliche Schuld von sich gewiesen. Mit der Begründung, der Mutter sogar extra noch ein Erinnerungsschreiben wegen der Pachtverlängerung gesendet zu haben.

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Aber das reichte Haffner nicht. Er forderte die Friedhofsverwaltung auf, sich die leere Grabstelle anzuschauen. Auch da sei die von ihm gesetzte Frist bis Ende Januar nicht eingehalten worden. Haffners Eindruck: Die Friedhofsverwaltung habe sich nicht „kooperativ“ verhalten. „Die haben einfach nix gemacht.“

Ordnungsamtsleiter Florian Stuhlreiter hält jedoch dagegen: „Die Friedhofsverwaltung hat das Grab nicht aufgelöst“, erklärte er gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Aber auch ihm ist der Vorfall offenbar ein Rätsel: „Dass Gräber ohne Auftrag der Nutzungsberechtigten aufgelöst werden, kam auf den gemeindlichen Friedhöfen noch nie vor.“ Mehr wollte der Ordnungsamtsleiter wegen eines laufenden Verfahrens dazu nicht sagen.

Denn Felix Haffner wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen und erstattete Anzeige: „Das war keine Nacht und Nebel-Aktion. Das sieht professionell aus.“ Er bleibt überzeugt, dass die Friedhofsverwaltung darin verwickelt war.

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Auf Nachfrage erklärte Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, dass die Polizei Kiefersfelden den Fall am 18. März an die Staatsanwaltschaft Rosenheim übergeben hat. Aber Haffner winkt ab: „Ich hab längst einen Bescheid erhalten, dass das Verfahren eingestellt wurde.“

Langsam ist Haffner mit seinem Latein am Ende. Ihm fehlen Beweise: „Ich hoffe, dass sich noch jemand meldet, der die Räumung gesehen hat. Andere Möglichkeiten gibt es sonst nicht mehr.“

Weshalb das Grab weggeräumt wurde, kann er nur vermuten: „Ich glaube mal, es war verwildert.“ Denn wie der 49-Jährige zugibt, sei schon seit zwei Jahren keiner mehr ans Grab rausgefahren. Das sei allen voran auch Corona geschuldet gewesen. „Und ich wusste ja nicht, dass meine Mutter offenbar auch schon längere Zeit nicht mehr am Grab war.“ Dazu komme, dass er und die anderen lebenden Verwandten nicht aus Oberaudorf stammen. „Wir sind halt von extern.“

Gedenktafel als Alternative

Dass das Grab nun weggeräumt wurde, hat Haffner mittlerweile akzeptiert. Aber schmerzen würde es ihn schon: „Ich kenne das Grab schon seit meiner Kindheit.“ Die Oma väterlicherseits sei dort seit den siebziger Jahren begraben gewesen, die andere Oma seit 2000. „Mein Bruder hätte die Pacht gerne verlängert.“ Aber ohne vorhandenes Grab mache eine Verlängerung nun keinen Sinn.

Um den Großmüttern weiterhin die letzte Ehre zu erweisen, überlegt Haffner nun, eine Gedenktafel auf dem Familiengrab in München aufzustellen.

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