Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schweigen im Walde

„Es zählt jede Stunde“: Goldschakal im Landkreis Rosenheim - Mauert das Landesamt für Umwelt?

Im Hochriesgebiet soll sich ein Goldschakal rumtreiben. Das Landesamt für Umwelt macht bislang keine konkreten Angaben zum Ort (Symbolfoto).
+
Im Hochriesgebiet soll sich ein Goldschakal rumtreiben. Das Landesamt für Umwelt macht bislang keine konkreten Angaben zum Ort (Symbolfoto).

Erst der Wolf, nun der Goldschakal: Wie erst jetzt bekannt wurde, war ein Goldschakal im Landkreis Rosenheim nachgewiesen. Viele Landwirte misstrauen inzwischen dem Landesamt für Umwelt. Was ist dran an dem Vorwurf, die Behörde würde mauern?

Rosenheim – Es ist eine weitere Episode aus Sicht vieler Landwirte, bei der das Landesamt für Umwelt (LfU) wieder einmal als Geheimniskrämer dasteht. Der Vorwurf, dass die Behörde mit Informationen zu Wölfen in der Region mauere, ist unter Bauern weit verbreitet. Viele Landwirte lassen auf eigene Kosten DNA-Proben bei Rissen nehmen, weil sie kein Vertrauen mehr in das LfU haben. Nun wurde auf OVB-Anfrage klar, dass bereits im Oktober vergangenen Jahres ein Goldschakal im Landkreis Rosenheim in einer Fotofalle nachgewiesen wurde.

Dabei wirbt das LfU mit Transparenz. „Was wir wissen, geben wir weiter“, schreibt die Behörde mit Sitz in Augsburg auf ihrer Internetseite. Nur eben nicht immer, wie sich nun zeigt. Gerüchte über Goldschakale im Landkreis Rosenheim sowie im Landkreis Traunstein gibt es schon länger. Jüngst heißt es, dass ein Tier an der Hochries gesichtet worden sei, was sich allerdings nach unseren Recherchen bislang nicht bestätigt hat.

Auch die Rosenheimer Kreisbäuerin Katharina Kern hat im vergangenen Jahr Gerüchte gehört und sogar Fotos gesehen, die ein Tier bei Eiselfing zeigen sollen.

Wenig Scheu vor Kleintieren

Von dem, was ihr bislang in Sachen Goldschakal zugetragen wurde, berichtet sie: Das Tier kenne wenig Scheu, wenn es darum gehe, Kleintiere zu erbeuten – Hühner genauso wie Hasen. „Solche Sachen macht der Fuchs auch. Aber wenn ein solches Tier auffällig ist, schießt ihn der Jäger, wenn er keine Jungen hat“, sagt Katharina Kern. Beim ebenso nach europäischem Recht geschützten Goldschakal sei dies hingegen nicht möglich. Und das, obgleich dieser schnell lerne, wie er an Beute komme. „Dann wird es manchmal auch sehr schwierig und unangenehm“, kommentiert die Landwirtin die Situation.

Mehr als 48 Stunden für einen Zweizeiler

Die Anfrage bei LfU zum Goldschakal in der Region stellt sich als kompliziert dar. „Im Landkreis Rosenheim wurde am 5. Oktober 2021 ein Goldschakal mit einer Wildtierkamera erfasst. Für diese Aufnahme liegen uns keine Bildrechte vor.“ Für diese zwei Sätze braucht das LfU mehr als 48 Stunden, um zu antworten – und das ohne präzise Ortsangabe.

Auf der Homepage des LfU finden sich keine dokumentierten Nachweise in Bayern. „Der Goldschakal wird nicht als großer Beutegreifer geführt und besitzt einen anderen Schutzstatus als Wolf, Bär oder Luchs. Es werden daher keine Meldungen zum Goldschakal im Zusammenhang mit großen Beutegreifern veröffentlicht“, erklärt ein Sprecher der Behörde. Wie kann das sein, wenn nur wenige Kilometer weiter in Tirol eine App des Landes jedermann über mögliche Nachweise informiert? Und zwar sowohl über große Beutegreifer wie Bär und Wolf, aber eben auch Goldschakale: In Söll in Tirol war am 15. Mai 2021 ein Goldschakal nachgewiesen worden, im Juni ein weiterer in Matrei in Osttirol.

„Aufgrund der Aufnahme des Goldschakals in die Richtlinie für die Abwicklung von Schäden an Nutztieren und der steigenden Anzahl an Nachweisen, wurde beschlossen, auch Nachweise von Goldschakalen zu veröffentlichen“, sagt ein Sprecher des Landes Tirol auf Anfrage.

Warn-App für Bayern?

Schon jetzt nutzen auch viele bayerische Landwirte die Tiroler App, um gewarnt zu sein. Der Traunsteiner Landtagsabgeordnete Klaus Steiner (CSU) will nun erreichen, dass Bayern eine Warn-App nach Tiroler Vorbild einrichtet. Am Mittwoch wurde im Landtag sein Antrag dazu angenommen, nun muss die Regierung die Einführung prüfen.

Dass es eine solche App braucht, findet auch Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes. „Ich habe mich bereits bezüglich der deutlich verbesserungswürdigen Transparenz von Sichtungs- und Rissmeldungen bei dem zuständigen Umweltminister eingesetzt“, sagt Köhler auf OVB-Anfrage. Vermutliche Bestätigungen müssen aus seiner Sicht sehr zeitnah sichergestellt und untersucht werden: „Hier zählt jede Stunde!“ Das gelte nicht nur für Wolf und Bär, sondern auch Goldschakale. Außerdem müsse es künftig einen Schadensausgleich für Risse von Goldschakalen geben – noch sei ihm keine bekannt, so Köhler.

Zwar sieht Kreisbäuerin Kern das Tier nicht als Bedrohung für die Almwirtschaft insgesamt. Dennoch sei er gerade für junge Schafe, aber auch für seltene Bodenbrüter wie Auer- oder Birkhahn gefährlich. „Und das, wo sich die Populationen dieser Tiere gerade erst erholen“, mahnt Kern.

Kommentare