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Mediziner aus Aschau im Chiemgau

Gibt es eine neue Therapie gegen Alzheimer? Das haben Ärzte aus der Region herausgefunden

Martin Heine (links) und Dr. Richard Schader wollen mit der Transkraniellen Pulsstimulation Nervenzellen und Hirnstrukturen von Alzheimer aktivieren und regenerieren.
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Martin Heine (links) und Dr. Richard Schader

Alzheimer, die häufigste Form der Demenz, ist bislang unheilbar. Sie kann den Erkrankten zu einem Pflegefall machen, ihn seiner Persönlichkeit berauben. Und genau dagegen wollen die Aschauer Ärzte Martin Heine und Dr. Richard Schader mit einer neuen Therapieform ankämpfen.

Aschau – Mit der 2018 zugelassenen Transkraniellen Pulsstimulation, kurz TPS-Therapie, sollen Symptome von Krankheiten wie Alzheimer behandelt werden können. Dr. Schader und Heine sind von der Therapie überzeugt. Auch wenn es laut Dr. Linda Thienpont von der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) noch keine wissenschaftlichen Belege für einen Erfolg der TPS-Therapie gibt.

Stoßwellen sollen Gehirn animieren

Auf einem Bildschirm können die Ärzte genau erkennen, welche Bereiche des Gerhirns durch die Stoßwellen simuliert werden.

Ein rhythmisches Klopfen ertönt, behutsam bewegt Schader einen Applikator, der Stoßwellen im niedrigenergetischen Bereich abgibt, über den Kopf des 79-jährigen Patienten. Immer im rechten Winkel zum Schädel. Auf einem Bildschirm können die beiden Aschauer Ärzte erkennen, welche Bereich des Gehirns sie mit den Stoßwellen erreichen.

„Die niedrigenergetischen Stoßwellen haben zwei Effekte“, erklärt Heine. Zum einen förderten sie die Durchblutung des Gehirns und damit die Selbstheilungskräfte. Zum anderen aktiviere die Stoßwellenbehandlung die Immunzellen des zentralen Nervensystems, was die amyloiden Plaques, also Eiweißablagerungen, im Nervengewebe der Erkrankten reduziere. „Nervenimpulse können wieder übertragen werden“, so Heine weiter.

Nervenimpulse können wieder weitergegeben werden

Und genau das sei wichtig: Denn nur wenn Nervenimpulse einwandfrei übertragen werden können, funktioniere unser Gehirn. Schädlich seien die Wellen nicht, so Dr. Lars Wojtecki, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurorehabilitation am Hospital zum Heiligen Geist Kempen. „Schallwellentherapie gibt es bereits lange auch an anderen Körperstellen und es gibt Studien an Tieren, die das auch für das Gehirn belegen.“

Ob die TPS-Therapie alles hält, was sie verspricht, ist noch nicht final belegt. „Es gibt eine Veröffentlichung, die Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit bei 35 Probanden zeigt“, erklärt Dr. Thienpont von der AFI. „Allerdings handelt es sich um erste Pilot-Daten ohne Placebo-Kontrolle. Das reicht nicht aus, um verlässliche Aussagen über die Wirksamkeit der Methode zu treffen.“

Die Forschungsergebnisse würden allerdings Anlass dazu geben, den Ansatz weiter zu erforschen, so Thienpont weiter. „Eine groß angelegte klinische Studie mit Placebo-Kontrolle und allen üblichen wissenschaftlichen Standards ist nötig, um eine fundierte Aussage über diese Methode treffen zu können.“

Patienten fühlen sich besser

Und obwohl es noch keine finale Studie mit einer Placebo-Gruppe gibt, therapiert Wojtecki seit 2020 Menschen mit der TPS-Therapie. „Wir unterscheiden zwischen wissenschaftlichen Belegen und der medizintechnischen CE-Zertifizierung. Die TPS-Therapie ist medizintechnisch zertifiziert. Das heißt, man kann sie anwenden, weil es erste Belege gibt, dass sie keinem Menschen Schaden zufügt und Wirkungen hat.“

Denn in vergangenen zwei Jahren habe die TPS-Therapie ihre Stärken gezeigt „Was wir haben, sind Belege, dass sich die Patienten, die mit einer TPS-Therapie behandelt werden, subjektiv besser fühlen und sich ihre Messwerte bessern.“ Die Symptome, die mit einer Demenzerkrankung einhergingen, schwächten sich ab.

Auf diese Erfolge hofft auch der Aschauer. „Ich habe immer mehr Dinge vergessen“, beschreibt der 79-jährige Patient, die ersten Symptome seiner Erkrankung. Auch der Geruchssinn habe nachgelassen. Der Aschauer bekam erst vor Kurzem die Diagnose Alzheimer und wandte sich an Dr. Schader. Denn einfach nur abwarten, was die Krankheit mit ihm mache, wollte er nicht. Deswegen begann der 79-Jährige vor zweieinhalb Monaten mit der TPS-Therapie.

„Der Patient bekommt innerhalb von zwei Wochen sechs Anwendungen“, erklärt Schader. Danach seien einzelne Auffrischungsbehandlungen, die alle vier bis sechs Wochen stattfinden, nötig. „Ziel ist es aber auch hier die Abstände länger lassen zu werden.“

Es muss ein MRT gemacht werden

Die Behandlung ist nicht-invasiv und dauert ungefähr eine halbe Stunde. Zunächst muss der Patient ein MRT machen. „Darauf sehen wir, welche Areale des Gehirns von der Krankheit besonders betroffen sind“, sagt Heine. Die Daten werden dann in das Therapiesystem eingelesen. Die Ärzte sehen auf dem Monitor das MRT. Dagegen wird eine 3-D-Simulation des Patientenkopfes gesetzt. Der Patient muss eine Brille aufsetzen, mit deren Hilfe die Schallwellen-Sonde kalibriert wird. Dadurch können Heine und Schader nachvollziehen, in welchen Bereich des Gehirns die Schallwellen eindringen und sie in Echtzeit mit den MRT-Daten abgleichen. Mit 6000 Stoßwellen pro Sitzung soll das Gehirn stimuliert und wieder aktiviert werden.

Der 79-jährige Aschauer erzählt von ersten Erfolgen. „Wenn irgendwo frisch gemäht ist, oder Kuhfladen herumliegen, dann rieche ich das wieder“, freut sich der 79-Jährige. Auch könne er sich wieder aktiver an Gesprächen beteiligen und mit seiner Frau in Erinnerungen schwelgen.

„Eine Heilung einer Demenz-Erkrankung ist mit der TPS-Therapie nicht möglich. Wer das verspricht, ist unseriös. Die Behandlung von Symptomen kann man nicht mit einer Heilung gleichsetzen“, stellt Wojtecki klar. Die Therapie könne die Erkrankung aber deutlich verlangsamen, so Schader. Deswegen sei sie vor allem für Menschen im frühen bis mittlerem Stadium von Alzheimer und Demenz geeignet.

Patienten müssen Kosten selber tragen

Solange die Wirksamkeit nicht nachgewiesen wurde, gibt es keine Hoffnung, dass Krankenversicherungen die Kosten der Behandlung übernehmen, sagt Dr. Thienpont. Deswegen müssen Patienten derzeit die rund 3000 Euro teure TPS-Therapie meist selber zahlen. „Wir wissen, das ist viel Geld“, sagt Schader. „Aber Menschen, die durch Alzheimer zum Pflegefall werden, kosten den Staat bedeutend mehr.“ Zudem werde die Anzahl der an Alzheimer und Demenzerkrankten in den kommenden Jahren aufgrund der Überalterung stark steigen. Deswegen hoffen die beiden Ärzte, dass die Krankenkassen bald nachziehen und wenigsten Teile der Therapie subventionieren.

Derzeit wird die TPS-Therapie in 40 Kliniken und Praxen im deutschsprachigen Raum angeboten. Rund 1500 Patienten wurden bereits mit der TPS-Therapie behandelt.

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