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Aktion des Weißen Rings

Kinder gegen sexuellen Missbrauch wappnen: „Pfoten weg“ in Rosenheim lehrt „Nein“ sagen

Will mit ihrem Präventionsprojekt „Pfoten weg“ dem sexuellen Missbrauch an Kindern vorbeugen: Irmi Wette mit den Katzengeschwistern Salome, Tom und Lotte und deren Eltern.
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Will mit ihrem Präventionsprojekt „Pfoten weg“ dem sexuellen Missbrauch an Kindern vorbeugen: Irmi Wette mit den Katzengeschwistern Salome, Tom und Lotte und deren Eltern.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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In Deutschland werden jeden Tag durchschnittlich 50 Kinder Opfer sexueller Gewalt. Um dem sexuellen Missbrauch vorzubeugen, hat der Weiße Ring den Aktionstag „Pfoten weg“ veranstaltet und lässt noch bis Freitag die Puppen tanzen. Das Ziel: Kinder ab vier Jahren sollen lernen „Nein“ zu sagen.

Rosenheim – Wenn die Katzengeschwister Salome, Tom und Lotte eines hassen, dann sind es Dinosaurier-Ochsenfrosch-Schlabberküsse und krakenartige Umarmungen. Genau diese müssen sie aber über sich ergehen lassen, wenn Onkel Burschi und Tante Herzi zu Besuch kommen. Mithilfe ihrer Freunde Igel, Wildschwein und Hase lernen die Katzenkinder – aber auch die Zuschauer – wie man sich gegen unerwünschte Umarmungen und Küsse wehren kann.

Schuld tragen die Erwachsenen

Sie lernen, dass sich ein gutes Geheimnis anfühlt wie ein Himbeerbonbon im Mund und schlechte Geheimnisse raus müssen. Auch der Unterschied zwischen angenehmer körperlicher Nähe und unangenehmen Berührungen wird ihnen nahegebracht. „Die Schuld tragen immer die Erwachsenen alleine“, sagt Irmi Wette, während sie die Katzen über die Bühne huschen lässt.

Vor 18 Jahren das Stück konzipiert

Seit 18 Jahren zieht die gelernte Erzieherin mit ihrem interaktiven Präventionsprojekt durch Deutschland und macht bereits zum dritten Mal Station in Rosenheim.

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Mit Spiel, Musik und Interaktion vermittelt sie das Thema sexualisierte Gewalt kindgerecht. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt die Tatsache, dass sich auch heuer wieder 800 Zweitklässler aus Stadt und Landkreis das kostenlose Theaterstück im Künstlerhof anschauen.

Staatliche Schulamt lädt ein

Wie bereits in der Vergangenheit hatte das Staatliche Schulamt zu der Veranstaltung eingeladen. „Es ist toll, auf diese Art die Kinder zu erreichen“, sagte Schulrätin Marion Zoudlik, die gemeinsam mit Landrat Otto Lederer, der Bundestagsabgeordneten für Stadt und Landkreis, Daniela Ludwig, der dritten Bürgermeister der Stadt Gabriele Leicht, dem Präsidenten des Lions Clubs Rosenheim, Florian Reichelt, und zahlreichen weiteren Zuschauern an der Auftaktveranstaltung teilnahm.

Sexuellen Missbrauch vorbeugen

Über die rege Teilnahme freute sich auch Günter Schwarz, Außenstellenleiter des Weißen Rings. Er bedankte sich bei den Sponsoren – dem Lions Club und der OVB-Medienhaus-Stiftung – und machte noch einmal deutlich, wie wichtig es sei, dem sexuellen Missbrauch von Kindern vorzubeugen. Das würden auch die aktuellen Fallzahlen belegen.

Haben an der Auftaktveranstaltung teilgenommen: Landrat Otto Lederer, Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, Bürgermeisterin Gabriele Leicht, Florian Reichelt, Präsident vom Lions Club, und Günter Schwarz vom Weißen Ring.

16.668 Fälle registriert

Während es im Jahr 2018 bereits 14.000 Fälle gegeben hat, seien es im vergangenen Jahr 16 668 gewesen. Hinzu komme die Dunkelziffer. „Das bedeutet, dass sich in jeder Schulklasse mindestens ein betroffenes Kind befindet“, sagte Schwarz. Die Folgen für die Betroffenen seien immens und hätten Einfluss auf den gesamten Lebenslauf. Umso wichtiger sei es, dass es Projekte wie „Pfoten weg“ gibt, die das Selbstbewusstsein der Kinder stärken und Erwachsene für das Thema sensibilisieren.

Auflagen haben Opferhilfe erschwert

„Im Zuge der Corona-Pandemie haben sich die Fälle häuslicher Gewalt gehäuft“, ergänzte Landrat Otto Lederer, der die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hat.

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Zudem hätten die Auflagen die Opferhilfe erschwert. „Dennoch war der Weiße Ring auch in der Krise für die Kriminalitätsopfer da“, lobte er. Gabriele Leicht fügte hinzu, dass es wichtig sei, nicht locker zu lassen und die Kinder darin zu bestärken, auch weiterhin „Nein“ zu sagen.

Erfolg lässt sich nicht in Zahlen messen

Und genau das taten die Kinder am Ende des Theaterstücks „Pfoten weg“. Lautstark schrien die kleinen Besucher am Ende des Stückes „Nein“ – für Puppenspielerin Irmi Wette die schönste Stelle ihres Stücks. „Es ist wichtig, den Kindern ihr eigenes Bauchgefühl zu lassen. Wir wollen den Eltern liebevolle Tipps geben, wie sie ihre Kinder am besten stärken können. Und das geht am besten, wenn sie das Bauchgefühl der Kinder respektieren“, sagt die gelernte Erzieherin.

Zahlreiche Infostände im Künstlerhof

Nach dem Theaterstück hatten die Besucher die Möglichkeit, die zahlreichen Infostände zu besuchen. Neben der Polizei, vertreten durch den Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Volker Klarner und die Beauftragte für Kriminalitätsopfer, Karin Wagner, informierte unter anderem auch Rita Voggenauer vom Kinderschutzbund über Präventionsmöglichkeiten.

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„Den Erfolg unseres Projektes können wir nie mit Zahlen bemessen. Aber wenn es uns gelingt, nur ein einziges Kind zu schützen, haben sich der Aufwand und die Kosten gelohnt“, resümierte Günter Schwarz am Ende der Veranstaltung.

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