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Die Luft zum Klingen bringen: Wie Alois Linder aus Nußdorf am Inn zum Orgelbauer wurde

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Von: Volkhard Steffenhagen

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Für die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt errichtete die Orgelbauwerkstatt Linder 2019 einen Neubau. Als Grundlage für den Neubau diente auch das historische Gehäuse von 1749. Linder
Für die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt errichtete die Orgelbauwerkstatt Linder 2019 einen Neubau. Als Grundlage für den Neubau diente auch das historische Gehäuse von 1749. © Linder

Auf den ersten Blick ist es eine normale Schreinerei. Bis die erste Orgelpfeife ins Gesichtsfeld kommt. Dann wird es spannend in Alois Linders Werkstatt in Nußdorf. Seine Orgeln sind seit 30 Jahren gefragt – im deutschsprachigen Raum und auch in der Region.

Nußdorf – Die Besucher von Alois Linder in Nußdorf glauben beim Betreten seiner Werkstatt zunächst, dass sie sich in einer ganz normalen Schreinerei für Möbel- und Innenausbau befinden. Doch bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass die Mitarbeiter an den hochwertigen Maschinen aus dem vielseitig einsetzbaren Werkstoff Holz etwas ganz Besonderes herstellen – Orgeln. Und die werden seit nunmehr 30 Jahren in Nußdorf am Inn gebaut.

In kleiner Werkstatt angefangen

Als Alois Linder 1992 seine Orgelbaufirma gegründete, war der Schwerpunkt seiner Tätigkeit zunächst die Restaurierung historischer Orgeln. Aber schon bald baute er auch Instrumente neu.

Sein Debüt gab er 1992 mit dem Neubau einer Chororgel in Tacherting. Die Anfänge waren sehr bescheiden, denn Linders Orgeln entstanden zunächst in einer kleinen Werkstatt auf rund 50 Quadratmetern im elterlichen Haus.

Dort setzte er den Grundstein für den Aufstieg seiner Firma vom regionalen Orgelrestaurator zum Orgelbauer, der mittlerweile einen Ruf erlangte, der weit über die Landesgrenzen hinausgeht. „Um neue Aufträge zu erhalten, ist für mich ausschlaggebend, dass ich von zufriedenen Kunden weiterempfohlen werde“, sagt Linder. So erhielt seine Werkstatt in den drei Jahrzehnten 88 Aufträge für Neubauten oder Renovierungen.

Auch aktuell ist sein Auftragsbuch gut gefüllt. Diese Orgeln sind für den gesamten süddeutschen Raum und ganz Österreich, bis hin nach Wien. Auch in der Region ist Linder gefragt: Er soll die neue Orgel für die Kirche in Halfing bauen, die neue Vogtareuther Orgel ist schon im Entstehen.

Die gute Auftragslage dürfte auch ein Indiz dafür sein, dass seine Firmenphilosophie stimmt. „Ziel unserer Arbeit ist es, neue Orgeln von hoher klanglicher, technischer und handwerklicher Qualität mit heimischen Hölzern zu bauen“, erklärt Linder. „Durch unsere Erfahrungen bei der Restaurierung historischer Instrumente wissen wir, dass Klangqualität und Lebensdauer von der Qualität der Materialien, der handwerklichen Verarbeitung und der Wartungsfreundlichkeit abhängen.“ Denn bei der Auftragsvergabe sei nicht immer der Preis ausschlaggebend, viel öfter legten seine Kunden Wert auf Qualität.

Ein kleines Team engagierter Profis

Das alles schafft er natürlich nicht alleine, so steht ihm ein kleines Team von gut ausgebildeten und engagierten Fachleuten zur Verfügung. Dabei ist die Begeisterung für das Traditionshandwerk bei den Mitarbeitern, darunter voll ausgebildete Orgelbauer, Schreiner und Kirchenmusiker, beim Besuch der Werkstatt zu spüren.

Das Grundgerüst einer Orgel steht und so präsentiert sich stolz die Mitarbeiter der Orgelbaufirma Linder vor ihrem Werk. Obere Reihe von links: Uli Skriwan, Erwin Trainer, Alois Linder, Ferdinand Gaab, Josef Künzner, Untere Reihe von links: Rosi Enghofer, Michael Gartner, Ursula Linder, Monika Schmid, Christina Tscharnig.
Das Grundgerüst einer Orgel steht und so präsentiert sich stolz die Mitarbeiter der Orgelbaufirma Linder vor ihrem Werk. Obere Reihe von links: Uli Skriwan, Erwin Trainer, Alois Linder, Ferdinand Gaab, Josef Künzner, Untere Reihe von links: Rosi Enghofer, Michael Gartner, Ursula Linder, Monika Schmid, Christina Tscharnig. © Linder

Neben seinen Mitarbeitern ist das Holz die wichtigste Ressource. Es wird sorgsam in einem speziellen Lager hinter seiner Werkstatt aufbewahrt. „Unser Holz wächst auf Lagen über 1000 Höhenmetern und wird immer erst im Winter geschlagen. Die Zeit um Weihnachten und bestimmte Mondphasen werden bevorzugt. Nach dem Einschnitt im Sägewerk wird das Holz über mehrere Jahre im eigenen Holzlager luftgetrocknet“, erklärt der Orgelbaumeister. Erst dann habe es die Reife, um in einer Orgel verbaut zu werden.

Alois Linders Werdegang

1978 Studium der Holztechnik

1982 Abschluss: Dipl.-Ing. für Holztechnik (FH)

1983 Orgelbaulehre in München.

1992 Orgelbaumeister

1992 Gründung der Werkstatt in Nußdorf am Inn

1998 Gleichstellung zum Restaurator im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk

2000 Vereidigter Sachverständiger im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk

Lieblingskomponist: Johann Sebastian Bach

Tag der offenen Tür

In den kommenden Tagen begeht die Orgelbaufirma Linder nun ihr 30-jähriges Betriebsjubiläum, das am Freitag, 23. September um 18 Uhr mit einem Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Martin in Flintsbach beginnt. Die Orgel hat Linder 2009 gebaut. Am Samstag, 24. September, öffnet Linder von 11 bis 16 Uhr die Türen seiner Werkstatt an der Hohenaustraße 5 in Nußdorf für eine Besichtigung. Unter anderem werden einige der jüngsten Instrumente vorgestellt.

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