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Hunde treiben Rehe in den Tod

„Alles, was verletzt aufgefunden wird, ist derzeit der Wolf“: Jäger verärgert über „Hysterie“ in der Region

Wildernde Hunde dürfen im Notfall erschossen werden. Wer dann wie Mischling Ivy in der Dämmerung auch noch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Wolf hat, lebt abseits der Leine doppelt gefährlich.
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Wildernde Hunde dürfen im Notfall erschossen werden. Wer dann wie Mischling Ivy in der Dämmerung auch noch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Wolf hat, lebt abseits der Leine doppelt gefährlich.

GW2425m hat die Stimmung aufgeheizt. Der Wolf, der vor Weihnachten letztmals in der Region gesichtet wurde, wird derzeit für alle verletzten Tiere verantwortlich gemacht. Wildernde Hunde sind völlig aus dem Blickfeld geraten. Zum Ärger der Jäger.

Riedering – Ja, es war ein Wolf in der Region unterwegs. Letztmals nachweislich noch vor Weihnachten. Ob er zurückgewandert ist ins Ötztal, wo er ursprünglich herkam, oder ob er in einem abgeschiedenen Bergtal erschossen wurde, kann niemand sagen.

Lesen Sie auch: Jagdverband will sich nicht an Wolfsjagd beteiligen

Hinterlassen hat GW2425m, so sein Gen-Code, eine Wolfshysterie in der Region. „Alles, was verletzt aufgefunden wird, ist derzeit der Wolf“, sagt Richard Diebald, Pächter eines Reviers am Simssee. „Ich verstehe ja, dass Almbauern ein Riesenproblem haben. Aber allgemein ist es Hysterie.“ Auch wenn sich Wölfe, eigentlich sehr scheue Tiere, zunehmend an dieses seltsame, hohe zweibeinige Tier, das hier so oft vorkomme, gewöhnten. „Wölfe haben festgestellt, dass wir Menschen bei einer Begegnung keine Gefahr für sie darstellen.“

Überfahrene Hunde angeblich „Lämmerkiller“

Als im Januar zwei Hunde auf der Lauterbacher Straße im Gemeindegebiet Riedering gegen 21 Uhr einem Autofahrer vor das Fahrzeug liefen und von diesem überfahren wurden, verbreitete sich schnell das Gerücht, die beiden Vierbeiner, als Wilderer bekannt, hätten mit den gerissenen Lämmern in Bergen zu tun. Das sei vielleicht doch nicht der Wolf gewesen. Robert Maurer, Sprecher der Polizei Rosenheim, holt tief Luft und hält dann fest, dass der Polizei nur bekannt sei, dass es zwei völlig verwahrloste Hunde, Halter unbekannt, waren. Gerhard Schauer, Pächter des Reviers Riedering West, in dem sich der Unfall ereignete, kann sich den Ausflug der beiden Streuner nach Bergen ebenso wenig vorstellen wie Diebald . Dazu sei die Entfernung zu groß.

Wildernde Hunde sind ein Problem

Was beide Jäger ärgert: Beide Hunde haben nach Beobachtungen von Augenzeugen im Wald gewildert, bevor sie unter die Räder kamen. Für die Tiere des Waldes ein großes Problem. Denn die fahren, erklären die Jäger, im Winter ihren Stoffwechsel runter um bei knappem Nahrungsangebot überleben zu können. „Wenn Rehe durch wildernde oder freilaufende Hunde zu oft aufgeschreckt werden, kann das für sie den Tod bedeuten“, so Diebald.

Wenn der Jagdinstinkt durchbricht ist alles zu spät

Schauer fügt hinzu, dass sich in den letzten beiden Jahren viele Menschen Hunde zugelegt haben und diese gerne im Wald ausführen. „Unterschätzt wird dabei oft, das bei einem freilaufenden Hund der Jagdinstinkt aufkommen kann, wenn er auf eine Wildfährte trifft “, so Schauer. „Da nützt dann meist alles Rufen nichts, denn der Hund folgt seinem Instinkt.“ Was Diebald bestätigt: „Ich lege dann nicht einmal für meinen gut ausgebildeten Jagdhund, der sonst bestens folgt, die Hand ins Feuer.“

Wildunfälle häufen sich

Das aufgescheuchte Wild wechselt unkontrolliert über die Straßen. „Wir hatten schon auf einer kleinen Fläche in einer Nacht verschiedene Wildunfälle mit drei toten Rehen“, so Schauer, „es ist anzunehmen, das auch hier ein treibender Hund die Ursache war.“ Zwei Hunde im Team seien besonders schlimm für das Wild, „weil ein Hund die Rolle des Jägers einnimmt und der andere Hund ihm den Weg abschneidet. Da hat das Reh keine Chance mehr.“

Wünschenswert wäre es, da sind sich die beiden Jäger einig, wenn Hundebesitzer ihre Hunde an der Leine durch den Wald führen, um Hetzjagden zu vermeiden. Und sie sollten auf den Wegen bleiben. Verschreckte Rege zögen sich immer tiefer in den Wald zurück und fräßen dort die jungen Pflanzen, so Diebald.

Wildernde Hunde dürfen erschossen werden

Zudem dürfen wildernde Hunde im Notfall von Jägern erschossen werden. Wenn dann ein freilaufender Hund noch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Wolf hat, kann das für Hund und Herr tragisch enden. Auch wenn sich Diebald nicht vorstellen kann, dass einer der hiesigen Jäger einen so nervösen Zeigefinger hat, wie vor einigen Jahren ein Kollege bei Fürstenfeldbruck, der mehrere freilaufende Hunde erschoss „und dafür zurecht verurteilt wurde.“

Friedliche Koexistenz von Wild und Haustier

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Riedering wurden letztes Jahr an besonders stark frequentierten Stellen bereits Schilder angebracht, die darauf hinweisen, so Schauer. Es gehe um eine verständnisvolle und friedliche Koexistenz von Wild und Haustier.

Denn dass GW2425m, der Wolf aus dem Ötztal, noch in der Region unterwegs ist, das glaubt Diebald nicht. Dann verhielte sich das Wild anders. „Wenn Wolf oder Luchs oder auch Wildschweine in der Region sind, wird das Wild immer schreckhafter und scheuer“, erklärt er. Das aber hat Diebald in seinem Revier am Simssee bisher nicht festgestellt.

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