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Sammler aus Leidenschaft

Der Multimillionär aus Feldkirchen-Westerham - was dahinter steckt

Stapelweise Notgeld – aber noch lange nicht genug. Albert Katzmayr aus Feldkirchen-Westerham sucht deutschlandweit. Foto: Rossmann
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Stapelweise Notgeld – aber noch lange nicht genug. Albert Katzmayr aus Feldkirchen-Westerham sucht deutschlandweit.
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Die Millionen aus der alten Schachtel: Vor 32 Jahren hat Albert Katzmayr (39) einen Schatz bei seiner Oma entdeckt. Was daraus geworden ist.

Feldkirchen-Westerham – Millionär zu werden, kann so furchtbar einfach sein. In Albert Katzmayrs Fall dauert es nur ein paar Minuten. Er ist sieben, hilft seiner Oma beim Ausmisten. Plötzlich hat er eine Schachtel in der Hand. Darin findet er sehr, sehr alte Geldscheine. Auf einigen stehen riesengroße Zahlen.

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Sein Opa hatte die Notgeld-Scheine gesammelt, seine Oma will sie wegschmeißen – bis sie sieht, mit welcher Faszination ihr Enkel die Kiste auspackt. Sie schenkt ihm das alte Geld. Zu Hause schaut sich Albert Katzmayr ganz genau an, welchen Schatz er gerade geborgen hat. Sogar einen Zehn-Millionen-Mark-Schein findet er in der kleinen Schachtel. „Ich dachte, jetzt bin ich superreich.“

Manchmal fährt er für Scheine quer durchs Land

Seit damals sind 32 Jahre vergangen. Als Millionär würde sich Katzmayr heute wohl nicht mehr bezeichnen. Doch noch immer spricht er davon, dass er damals einen Schatz entdeckt hat. Seine Notgeld-Sammlung passt schon lange nicht mehr in eine einzelne Schachtel. Zu Hause in Feldkirchen-Westerham hat er inzwischen knapp 200 Ordner und Alben damit gefüllt – und weiß mehr über die Geschichte des Notgeldes als die meisten Menschen, die die Zeit miterlebt haben, in der es im Umlauf war.

Inflation setzte ein

Die Scheine entstanden um 1920 aus einer Mangelsituation heraus. Der Krieg hatte das Geld geschluckt, die Inflation setzte ein. Deshalb druckten der Staat, die Städte und einige Unternehmen neue Scheine. „Fast jede Gemeinde hat ihr eigenes Notgeld herausgebracht“, erklärt Katzmayr.

Zehn-Billionen-Mark-Scheine hat er bereits. Nach dem 100-Billionen-Mark-Schein sucht er noch.

Ihm blutet das Herz

Einige dienten als Notgeld, andere als Marken für Butter oder Brot. Und schon damals gab es Scheine, die vor allem für Sammler angefertigt wurden. Viele Notgeldscheine haben die vergangenen 100 Jahre nicht überlebt. „Einiges ist sicher längst weggeschmissen oder zerstört worden“, glaubt der 39-Jährige. Als Sammler blutet ihm bei diesem Gedanken natürlich regelmäßig das Herz.

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Als Siebenjähriger hatte er die Notgeldscheine erst mal nach Farben sortiert, erzählt er und schmunzelt. „Meine Mutter half mir mit den Zahlen“ – es waren Größenordnungen, mit denen man in der Grundschule für gewöhnlich noch nicht konfrontiert wird. Mittlerweile hat Katzmayr längst ein System ausgetüftelt. Er weiß genau, was er besitzt und wo er es findet.

Scheine nach Region sortiert

Die Scheine sind nach Regionen sortiert – von A wie Ahrweiler bis Z wie Zwickau. Es gibt auch Ordner für seltene Spezialscheine – die Glückstreffer eines jeden Sammlers. In drei Jahrzehnten sind ihm so einige Glückstreffer gelungen. Zum Beispiel ein Schein aus Ostafrika, der aus der deutschen Kolonialzeit stammt. Bei solchen Entdeckungen kann Katzmayr in hemmungsloses Schwärmen geraten.

Kleinanzeigen sind seine Strategie

Als Teenager hat er seine Sammelleidenschaft auf Flohmärkten ausgelebt. Mit 18 erweiterte sein Führerschein den Suchradius. Bis heute sind Kleinanzeigen seine Strategie. Erst inserierte er nur in Bayern, später in ganz Deutschland. Die weiteste Strecke, die er für neue Notgeld-Scheine gefahren ist, führte ihn bis nach Kiel. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, erzählt er. Das sagt Albert Katzmayr eigentlich immer, wenn er ein paar neue Schätze für seine Sammlung dazu bekommt.

Nicht nur die guten Scheine rauspicken

Wer viele, viele tausend Notgeld-Scheine besitzt, bekommt natürlich auch oft Stücke angeboten, die er schon besitzt. Das macht gar nichts, sagt Katzmayr. „Man kann sich aus Sammlungen nicht nur die guten Scheine rauspicken.“ Und außerdem kann man doppelte Exemplare ja immer noch tauschen, sagt er.

Scheine aus Aschau: Wer sie kaufte, finanzierte damit inden 1920ern den Neuaufbau des „Kinderkrüppelheims“.

Einen Schatz sucht er seit Jahren: den 100-Billionen-Schein

Und insgeheim hofft er, dass irgendwann auch der Schatz aller Schätze dabei sein wird: der 100-Billionen-Mark-Schein. Unheimlich schwer zu kriegen. Einmal hatte Katzmayr ein Angebot. Er hat lange mit sich gerungen. Für einen Nicht-Millionär war der Preis zu hoch. Er sucht weiter. Er könnte ja auch gar nicht anders.

Geschichten der Menschen interessieren ihn

Es ist nicht nur die Suche nach neuen Notgeldscheinen, aus der für ihn die Leidenschaft seines Lebens geworden ist. Es sind auch die Geschichten der Menschen, die er kennenlernt, wenn sie auf seine Anzeigen antworten. „Ich frage immer nach, wie die Menschen an die Scheine gekommen sind“, erzählt er. Das sind oft berührende Geschichten, über die er noch nachdenkt, wenn die Scheine längst ihren Platz in seiner Sammlung gefunden haben.

Auch er will es vererben

Albert Katzmayr hofft, dass er seine Notgeldscheine irgendwann einmal weitervererben kann. Sein Großvater jedenfalls würde sich sicher freuen, wenn er wüsste, welches schöne Andenken an sich er seinem Enkel mit der Sammlung hinterlassen hat.

Die Suche – soviel jedenfalls ist sicher – wird nie aufhören, über jedes neue Angebot unter Telefon 01 74 / 7 21 54 49 freut er sich.

Falls Sie auch eine besondere Sammelleidenschaft haben, melden Sie sich per E-Mail unter redaktion@mangfall-bote.de

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