Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mehrere Bürgermeister schlossen sich an

„Bis die Vernunft siegt“: So protestierten in Lauterbach 1500 Menschen gegen den Brenner-Nordzulauf

Wohin man auch blickte, der Platz vor der Kirche in Lauterbach war voller Menschen. Thomae
+
Wohin man auch blickte, der Platz vor der Kirche in Lauterbach war voller Menschen. Thomae

1500 Menschen, darunter auch Bürgermeister verschiedener Gemeinden, versammelten sich vor der Kirche in Lauterbach, um gegen den geplanten Brennernordzulauf zu protestieren. Hauptargument: Der Bau würde der Umwelt mehr schaden als nutzen.

Rohrdorf – „Wir werden keine Ruhe geben, bis am Ende die Vernunft siegt.“ Mit diesen Worten eröffnete Rohrdorfs Bürgermeister Simon Hausstetter die „Wachrüttel-Demo“ gegen den Brennernordzulauf. Die Gemeinschaftsveranstaltung der Bürgerinitiativen im Landkreis begann vor der Kirche in Lauterbach und damit auf Rohrdorfer Gemeindegebiet.

Allerdings, so räumte Simon Hausstetter ein, müsse man der Vernunft manchmal auf die Sprünge helfen, und genau deshalb seien heute so viele zusammengekommen. Nach Zählung der Veranstalter waren es rund 1500 Menschen, die sich vor der Lauterbacher Dorfkirche versammelt hatten, darunter etliche Bürgermeister und Gemeindevertreter aus dem gesamten Landkreis.

Viele Bürgermeister schließen sich an

Argumente, die die Unsinnigkeit eines Brennernordzulauf-Neubaus belegten, so fuhr Rohrdorfs Bürgermeister fort, gebe es zuhauf. Es gehe jetzt und in der unmittelbaren Zukunft darum, sie mit Nachdruck zu vertreten und weiter zu verbreiten.

Dr. Roland Feindor, emeritierter Informatikprofessor der Rosenheimer Hochschule, fasste die wichtigsten Gegenargumente noch einmal zusammen: Der in Zukunft realistisch zu erwartende Güter- und Personenverkehr könne problemlos auf einer ertüchtigten Bestandsstrecke abgewickelt werden. Ein Streckenneubau hingegen verursache zusätzlich zur Zerstörung eines wertvollen Landschaftsraumes auch noch Kosten, die deutlich über dem erwartbaren Nutzen lägen. Das alles sei durch harte Zahlen nachvollziehbar abgesichert.

Mit Zahlen wartete auch Rainer Auer auf. Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutzes brachte diese aber zusätzlich noch in eine plakative Form. Er hob eine voluminöse Mülltüte hoch, als Beispiel für den sogenannten grauen CO2-Rucksack: Dieser Sack stehe für die Menge an CO2 die beim Bau des Brennernordzulaufs anfalle. Es handele sich, so Rainer Auer, um zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Zwei Millionen Tonnen CO2 verursache der Trassenneubau, sagte Rainer Auer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz.

Das sei ein Volumen, das später durch die mögliche CO2-Vermeidung infolge der Neubaustrecke und der erhofften Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene nie hereingeholt werden könne. Dies auch dann nicht, wenn Lkw auch in Zukunft von vergleichsweise „dreckigen“ Dieselmotoren angetrieben würden. Damit sei aber nicht zu rechnen.

Schon jetzt werde auf den Internetseiten der Lkw-Hersteller damit geworben, dass man intensiv an emissionsfreien Lastkraftwagen arbeite. Das Fazit des Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutzes „Schon jetzt schafft es die Politik nicht, den LKW-Verkehr auf die Schiene zu bringen, warum soll das dann gelingen, wenn die Flotten tatsächlich überwiegend emissionsfrei unterwegs sind?“

Die Frage der Neurosenheimer, die den Demoauftakt musikalisch begleiteten, „Brauchts denn des“ wurde deshalb von einem lautstarken, vielhundertfachen Ruf „Na, des brauchts net!“ beantwortet.

Angeführt wurde der Demonstrationszug von 50 Traktoren. 23 Bauernhöfe sind bedroht, wenn die derzeitigen Pläne umgesetzt werden.

Beeindruckend auch der anschließende Demonstrationszug entlang der geplanten Trasse bis zu einem Feldkreuz auf einer Anhöhe. Er wurde angeführt von gut 50 Traktoren. Eine Demonstrationsteilnahme, die nicht von ungefähr kam. Maria Haimmerer, Rohrdorfs Zweite Bürgermeisterin, sprach am Zielpunkt des Demonstrationszuges für die veranstaltenden Bürgerinitiativen. Sie betonte, dass allein die Neubautrasse ohne Ausgleichsflächen und Zusatzbauten zwischen Kiefersfelden und der nördlichen Landkreisgrenze 23 Bauernhöfe vernichte. Damit seien nicht nur Familientraditionen zerstört, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur regionalen Nahrungsversorgung.

Protest über Gemeindegrenzen

Der Trassenneubau sei in jeder Hinsicht ökologischer und ökonomischer Irrsinn. Sie warb deshalb eindringlich dafür, auch in Zukunft am gemeindeübergreifenden Protest festzuhalten: „Sagt allen, die darin keinen Sinn mehr sehen und anfangen zu verzagen: In Wackersdorf waren sie damals mit Planung und Bau schon weiter, und die Wiederaufbereitungsanlage dort wurde doch verhindert.“

Kommentare