Starttermin noch unklar

Corona-Impfung: Hausärzte in der Region Rosenheim stehen in den Startlöchern

Noch immer ist unklar, ab wann auch in Praxen Patienten gegen das Corona-Virus geimpft werden dürfen. Derzeit stimmt sich die Staatsregierung mit Behörden und Verbänden über die Vorgehensweise ab. Niedergelassene Mediziner zumindest sind bereit und willens.

Rosenheim – Über den Start wabern derzeit Gerüchte und Vermutungen. Es bleibt die Frage: Wann können auch Hausärzte ihre Patienten gegen das Corona-Virus impfen – jenseits der Zentren? Die niedergelassenen Allgemeinmediziner in der Region scharren fast mit den Hufen, um endlich selbst das Vakzin verabreichen zu dürfen. Theoretisch dürften sie das bereits.


Zumindest die Zulassung für den Impfstoff der Firmen Biontec-Pfizer umfasst bereits die Injektion in den Praxen. Auch ohne Zulassung dürften Ärzte den Wirkstoff verabreichen, für ihre Zunft gilt in Deutschland Therapiefreiheit. Bei diesem sogenannten „Off label-use“ - jenseits der behördlich geprüften Nutzung - handeln Mediziner jedoch dann vollends auf eigenes Risiko.

Hilfe für mobil Eingeschränkte


Den Hausärzten geht es vor allem um bettlägrige Patienten. Um jene, die nicht oder nur mit großem Aufwand ins Impfzentrum gebracht werden könnten. „Wir sind im engen Austausch mit vielen Kollegen im Landkreis“, berichtet Allgemeinarzt Dr. Florian Bonke aus Flintsbach am Inn.

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Listen mit ihren Patienten über 80 Jahre lägen gewissermaßen griffbereit in der Schublade. Täglich erreichten seine Praxis mehrere Anrufe von Senioren, die ihre Impfdosis gerne von ihrem Hausarzt erhalten wollen. Und Bonke sieht sich gerüstet: „Wir und alle Kollegen sind bereit, gemeinsam mit den ambulanten Pflegediensten zu impfen. Wir könnten sofort loslegen“, sagt der Arzt.

Impfstoff auch im Kühlschrank haltbar

Bislang begründete die Politik, warum das Vakzin nur in Impfzentren verabreicht werden darf, mit der schwierigen Lagerung des Impfstoffes der Firmen Biontec und Pfizer. Die Ampullen müssten bei minus 70 Grad gelagert werden, unmöglich für Hausarztpraxen, lautete bislang das Argument.

Inzwischen haben die Hersteller jedoch signalisiert: Ihr Vakzin lässt sich auch bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad über mehrere Tage lagern, ohne einen Wirkverlust befürchten zu müssen. Doch dieser Umstand ist in der geltenden Zulassung bislang unberücksichtigt.

Logistische und rechtliche Fragen

Zudem sind noch logistische und rechtliche Fragen zu klären: Darunter auch die Lieferketten für jene Impfstoffe, die gekühlt zu lagern sind, berichtet Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim.

„Ich hoffe, dass es kommt, weil eine flächendeckende Impfung notwendig ist.“ Zu klären sei zudem, ob die Hausärzte an die elektronische Erfassung der Impfzentren andocken soll und vor allem: wie der Impfstoff zu den Hausärzten kommt.

Wer darf künftig impfen? Hausärzte plädieren dafür, auch ihren Kollegen die Möglichkeit zu geben, ihre Patienten zu vakzinieren.

Eigene oder auch fremde Patienten?

Zumindest das gemeinsame Impfzentrum von Rosenheim Stadt und Land sieht sich in dieser Sache gerüstet, wie dessen Koordinator Hans Meyrl bestätigt. Zwar gebe es noch keine Order aus München, man habe sich jedoch gedanklich bereits mit dem Szenario beschäftigt, künftig auch Impfdosen für Hausärzte und die hierfür die notwendige Lagerung vorhalten zu müssen.

Zudem stellt sich für Ärztevertreter noch die Frage: Sollen nur Patienten aus der eigenen Kartei geimpft werden oder auch all jene, die von den Verwaltungen geschickt werden? Wie sollen die Hausärzte das abrechnen? Und: Wer haftet bei Nebenwirkungen, die bei jedem Wirkstoff auftreten können?

Unterstützung bei der Online-Registrierung

Schon die Registrierung, um irgendwann einen Impftermin zu erhalten, ging – gelinde gesagt – an der ersten Zielgruppe vorbei. Selbst Senioren älter als 80 Jahre sind gehalten, sich online über das Impfportal des Bayerischen Gesundheitsministeriums zu registrieren. Und nicht jeder Angehörige dieser Generation, die Computer noch als Schrank-große Rechner kennen, kommt mit der neuen Informationstechnik klar.

Die ehemalige Leiterin der Rosenheimer Astrid-Lindgren-Grundschule aus Pfaffenhofen, Inge Thaler, will genau diesen Leuten helfen. „Selbst gute Bekannte, die gerade mal 70 sind, sagten mir, sie wüssten nicht, wie das funktioniere“, berichtet die 66-Jährige. Und bei der Hotline des gemeinamen Impfzentrums von Stadt und Land Rosenheim sei es schwierig durchzukommen. Diese Lücke will sie füllen und bietet montags bis freitags von täglich von 16 bis 19 Uhr unter Telefon 08031/ 7968442 ihre Hilfe bei der Registrierung an.

Fahrdienst für Ältere

Bei der Arbeiterwohlfahrt Rosenheim hat Thaler in den vergangenen Wochen mitgeholfen, alle Mitglieder über 80 Jahre anzuschreiben, um diese auf die Impfregistrierung hinzuweisen. Für die Impfkandidaten hat sie inzwischen ein Formblatt entworfen.

Auf diesem einzutragen sind neben den Personalien auch Präferenzen für einen Impftermin am Vor- oder Nachmittag wie auch der Wunsch nach einem Fahrdienst. Gerade Letzteres kommt Thaler bei den Überlegungen der Behörden in Sachen Corona-Impfung etwas zu kurz. Nicht alle Senioren sind bis ins Alter mobil. „Zur Not würde ich sie aber auch selbst fahren.“

Froh, wieder mit jemandem zu sprechen

An dieser Stelle fände es Thaler schön, wenn sich auch der ein oder andere Fahrer bei ihr melden würde, der bereit ist, die Senioren ins Impfzentrum zu fahren. Für alle, die Thalers Dienste in Anspruch nehmen möchten, legt sie eine E-Mail-Adresse für die Registrierung beim Impfportal an. Die SMS, die vor einem möglichen Impftermin verschickt wird, empfängt sie auf ihrem Handy und gibt den Impflingen Bescheid.

Sie informiert auch darüber, welche Unterlagen sie mitnehmen müssen. Und am Ende ist es nicht nur ein Telefongespräch zur Impfregistrierung. Sie merkt, dass mancher Senior einfach mal wieder froh ist, wieder mit jemandem sprechen zu können – und sei es nur am Telefon.

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