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Am Aschauer Weiher

Aufatmen in Bischofswiesen: 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe erfolgreich entschärft

Aufatmen in Bischofswiesen: 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe erfolgreich entschärft

Lebensmittel für Bedürftige

Corona-Folgen: Immer mehr arme Menschen aus Prien und Umgebung brauchen Unterstützung durch die Tafel

Tafel (Symbolbild).
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Tafel (Symbolbild).
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Kurzarbeit oder sogar die Kündigung trifft in der Corona-Pandemie auch viele Menschen in der Region rund um Prien. Wenn die wirtschaftliche Existenzgrundlage ins Wanken gerät oder sogar wegbricht, werden Einrichtungen wie die Chiemseer Tafel wichtiger denn je.

Prien – Die Zahl der Haushalte, die sich dort jeden Freitag ein Lebensmittelpaket abholen können, steigt seit Beginn der Pandemie kontinuierlich an in Richtung 200. Etwa 100 Kinder leben in den Familien, die in der Alten Post in Prien ihre Grundversorgung sicherstellen.

„Bereitschaft der Spender nach wie vor groß“

Etwa 30 Supermärkte, Metzgereien, Bäckereien und andere Betriebe aus der Region stellen der Caritas jede Woche kostenlos Lebensmittel zur Verfügung, die von den Ehrenamtlichen sortiert und verteilt werden. In den ersten Monaten der Pandemie, als manche Lieferkette abbrach, gab es Engpässe.

Tafel-Leiterin Susanne Blöchinger und ihre Helfer gingen zeitweise dazu über, Lebensmittelgutscheine eines Priener Supermarkts auszugeben, weil die Kühlschränke in der Alten Post fast leer blieben. Dank einer Spende aus dem Corona-Hilfsfonds der Aktion Mensch sei das finanziell möglich gewesen, erklärt Blöchinger im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Inzwischen scheinen sich die Abläufe eingespielt zu haben. „Wir hatten nie wieder einen solchen Engpass, die Bereitschaft der Spender ist nach wie vor groß“, freut sich Blöchinger.

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Sie fürchtet, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie erst jetzt langsam sichtbar werden. Natürlich habe es seit Pandemie-Beginn laufend Menschen gegeben, die wegen Kurzarbeit oder Kündigung Hilfe bei der Tafel gesucht hätten. Aber: „Die meisten kommen viel zu spät“, weiß die Leiterin aus Erfahrung, dass die Hemmschwelle, seine Not zu offenbaren und Hilfe anzunehmen, bei vielen Bürgern sehr hoch ist.

Auch im wohlhabenden Chiemgau gibt es Armut

Bei ihren Beratungsterminen erlebt Blöchinger dann, dass es auch im wohlhabenden Chiemgau Armut gibt. Stellvertretend erzählt sie von der Mutter, der man den Strom abgestellt hatte, weil sie ihre Rechnung nicht mehr bezahlen konnte. Die Caritas fand dank ihres Netzwerks eine Lösung, die Kinder können nun wieder am Homeschooling teilnehmen.

„Die Leute, die von Corona betroffen sind, bewegen sich nicht in diesem System“, fürchtet Blöchinger, dass in nächster Zeit immer mehr Menschen Unterstützung bei der Tafel suchen werden, die bisher nicht auf Hilfe irgendwelcher Art angewiesen waren.

Die Tafel ist personell darauf gut vorbereitet. Nach einem Aufruf im Herbst in der Chiemgau-Zeitung meldeten sich zu Blöchingers Freude zahlreiche neue, ehrenamtliche Helfer, zum Beispiel auch Studentinnen, die Corona-bedingt zur Untätigkeit verdammt waren.

Schnelltests für alle 30 Ehrenamtlichen

Über 30 Freiwillige, die inzwischen jede Woche vor Dienstantritt einen Schnelltest machen, packen mit an, um den Tafelbetrieb der Caritas von der Abholung in den Geschäften über die Sortierung bis zur Warenausgabe am Laufen zu halten.

Die Leiterin ist froh, dass alle Ehrenamtlichen trotz erschwerter hygienischer Arbeitsbedingungen bei der Stange bleiben. Freitag zwischen 8 und 11 Uhr, wenn an den beiden Ausgabefenstern Hochbetrieb herrscht, dürfen höchstens acht Helfer gleichzeitig im Lagerraum im Anbau der Alten Post sein.

Sobald es 9 Uhr schlägt und die Fenster geöffnet werden, haben die Ehrenamtlichen bei aller Hektik sogar noch das ein oder andere freundliche Wort für die Kunden übrig. „Wie gehts heute?“ fragt Doris Cannstetter zum Beispiel in aufmunterndem Ton. „Naja, es muss“, kommt als Antwort zurück, aber die Dankbarkeit über den freundlichen Empfang schwingt in der Stimme mit.

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Marie-Luise Wernberger und Heinz Lehmeier wiederum kennen viele der Kunden inzwischen gut genug, um auf Besonderheiten eingehen zu können. Da ist der Moslem, der natürlich kein Schweinefleisch in der Tüte hat. Als nächster kommt ein Rentner mit schlechten Zähnen, der nur weiche Lebensmittel eingepackt bekommt. Die Tafel bietet ihren Kunden auch Momente der Menschlichkeit in harten Zeiten.

Deutlicher Beratungszuwachs durch Corona-Pandemie

Aus Hygienegründen darf die Caritas derzeit nur telefonische Beratung anbieten, zum Bedauern von Tafel-Leiterin Susanne Blöchinger: „Da geht viel verloren, was man im persönlichen Gespräch an Gefühl mitgeben kann.“ Unverbindliche und vertrauliche Beratungstermine können vereinbart werden unter Telefon 0 80 51/13 23.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für immer mehr Menschen in der Region lassen sich auch aus der Jahresstatistik der Caritas herauslesen. Demnach verzeichnete die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien einen Beratungszuwachs von 20,8 Prozent, die Fachstelle der „Pflegenden Angehörigen“ um 16,9 Prozent, die Hilfen für Menschen am Existenzminimum steigen um 8,15 Prozent und bei der Chiemseer Tafel belief sich der Zuwachs innerhalb des Jahres 2020 auf 9,5 Prozent.

Die Caritas habe in kürzester Zeit die Angebote und Dienste kreativ umgestellt, angepasst oder ausgeweitet. „Es war uns wichtig, trotz Pandemie, alle Dienste aufrecht zu erhalten und auf neue Notlagen zu reagieren“, fasst Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann zusammen.

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