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Corona-Fallzahlen explodieren

Dramatische Klinik-Lage in der Region Rosenheim - wird Triage bald ein Thema?

Die Corona-Entwicklung in der Region Rosenheim.
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Die Corona-Entwicklung in der Region Rosenheim.

Die Lage in den Romed-Kliniken im Raum Rosenheim spitzt sich dramatisch zu, die Kapazitäten sind ausgeschöpft. Gleichzeitig ebbt die Welle der Ungeimpften nicht ab, die Corona-Fallzahlen steigen weiter. Wird bald über Triage gesprochen werden müssen?

Rosenheim – „Wir sind abgemeldet.“ In drei Worten fasst Dr. Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer der Romed-Kliniken, die dramatische Lage in der Region zusammen. Heißt: Es ist aktuell kein Intensivplatz mehr verfügbar, die Kapazitäten sind ausgeschöpft. Die Betten: belegt durch die Vielzahl schwerer Covid-Verläufe – zumeist Ungeimpfte.

Videoschalte mit dem Ministerpräsidenten

Es ist Donnerstagabend, Dunkelheit legt sich über die Stadt. Deerberg-Wittram meldet sich via Telefon, spürbar erschöpft, nach einem erneut langen Tag, an dem sich Krisensitzungen, Gespräche, eine Videoschalte mit Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsminister Klaus Holetschek reihten. Er klingt ernüchtert. Was muss noch passieren, bis die Politik reagiert? Etwa Bilder aus deutschen Kliniken wie zu Beginn der Pandemie aus Bergamo?

106 Covid-Patienten in den Kliniken

Denn die Lage in den Romed-Kliniken ist – wie in gesamt Südostoberbayern – in der Zwischenzeit äußerst kritisch. Und am Freitag wird ein weiterer Negativrekord erreicht: 106 Covid-Patienten, davon acht Verdachtsfälle, in den Romed-Häusern. Die Zahl der Covid-Intensivpatienten ist auf 19 angestiegen – mehr als zum Höhepunkt der zweiten Welle im vergangenen Winter. Die übrigen Intensivbetten (gesamt 36) belegen Unfallopfer, Patienten mit Schlaganfall, Herzinfarkt, Verunglückte.

Kommt ein Notfall rein, muss abverlegt werden - Triage?

Und mit jedem weiteren Intensivfall, der über die Zufahrt des Klinikums anrollt und der natürlich nicht abgewiesen werden kann, erhöht sich der ungeheure Druck auf die diensthabenden Ärzte: Welcher Patient kann von der Intensivstation auf Normalstation verlegt werden, um den Platz freizumachen? „Das bedeutet, weg von einem Personalschlüssel 1:2, weg von der Monitorüberwachung, von der Beatmung, eingetauscht mit einer Station, wo vier bis fünf Pflegekräfte 24 Patienten umsorgen, wo womöglich nicht umgehend und optimal auf eine plötzliche Verschlechterung reagiert werden kann“, gibt der Klinik-Chef Einblick in die bittere Situation. Im Gespräch fällt das Wort Triage – findet unter diesen Umständen also bereits ein Aussondern von Patienten statt? Bilder, die man tatsächlich von der ersten Welle, aus Bergamo, im Kopf hat. „Auf gewisse Weise schon“, bekennt Deerberg-Wittram. „Wenn ein Patient, der eigentlich auf Intensiv liegen sollte, auf Normalstation kommt, birgt das ein gewisses Risiko.“

Die Zahl der Neuinfektionen in Stadt und Landkreis Rosenheim binnen einer Woche (Stand 11. November, 24 Uhr).

Exorbitanter Anstieg der Zahlen

Die Lage ist kritisch im Südosten Bayerns – und könnte sich angesichts exorbitant steigender Fallzahlen weiter verschärfen. 457 Neumeldungen an einem einzigen Tag in Stadt und Landkreis Rosenheim, die Landkreis-Inzidenz überspringt die Marke 600 (620; Vorwoche: 493). Die Stadt schnellt binnen eines Tages von 388 auf 470 (Vorwoche: 360). Auch das ist dieser Donnerstag.

Acht von zehn Fälle „vermeidbar“

Und einmal mehr die bittere Erkenntnis: Acht von zehn Fälle wären durch eine „zeitgemäße Impfung“ vermeidbar gewesen. Das ist die Erkenntnis von Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl. Hinzu kommen Tag für Tag weiter steigende Infektionszahlen in Schulen und Kitas – und eine beunruhigend hohe Zahl an Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen. Hier macht sich der nachlassende Impfschutz mit Blick auf die Booster-Impfung bemerkbar. Acht Heimbewohner mussten hospitalisiert werden, sie alle waren vollständig geimpft.

„Impfung schützt vor schwerem Verlauf“

Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein vollständig Geimpfter aufgrund seines Covid-Krankheitsverlaufs auf der Intensivstation landet, sehr gering. Das betont Klinik-Chef Deerberg-Wittram: „Wenn, dann sind das ganz seltene Konstellationen von Impfdurchbrüchen und das ist in der Regel nur bei richtig schweren Vorerkrankungen der Fall.“ Er kann nur einmal mehr unterstreichen: „Eine Impfung schützt vor schweren Verläufen.“

Lesen Sie auch: Schärfere Corona-Regeln für die gesamte Region Südostoberbayern ab 15. November

Weiter viele Ungeimpfte

Ein Punkt, der in der Region Rosenheim immer noch von einer Vielzahl ignoriert wird. Die Impfquote (57,7 Prozent) ist deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt (67,4 Prozent). Die Bereitschaft zur Impfung kommt trotz weiter verschärfter Regelungen hin zu 2G und damit Ausschluss von Ungeimpften aus dem sozialen Leben nur mäßig in Schwung.

Die Entwicklung der Impfungen in Stadt und Landkreis Rosenheim seit Anfang Oktober (Stand 7. November).

Klinik-Chef fordert Impfpflicht und harte Maßnahmen

Gleichzeitig überschwemmt die Welle der Ungeimpften die Kliniken. Etwa 90 Prozent der Covid-Intensivfälle sind zumindest bei Romed Ungeimpfte. Ein Umstand, der angesichts der immer kritischer werdenden Lage, Klinik-Chef Deerberg-Wittram deutliche Worte finden lässt: Es brauche endlich klare Maßgaben aus Berlin, sei es eine Impfpflicht, seien es Kontaktbeschränkungen bis hin zu einem Lockdown und Freihalteprämien für Privatkliniken, die damit Kapazitäten zur Verfügung stellen müssten. Doch es kommt: nichts. „Die Bundespolitik lässt den Südosten Bayerns im Stich.“ Und das nicht nur zu Lasten der Kliniken, der Pflegekräfte – sondern zuallererst zu Lasten der Menschen und deren Gesundheit. „Das eigentliche Problem ist, was das in der Bevölkerung hinterlässt, diese vermeidbaren Todesfälle.“

Die Corona-Entwicklung in dieser Woche in Zahlen:

Die Corona-Fallzahlen in der Region Rosenheim explodieren. Binnen einer Woche kamen 1921 Neuinfektionen hinzu (Vorwoche 1520). Betroffen waren diese Woche allein 42 Schulen mit 100 Fällen und 28 Kitas mit 43 Infektionen, davon 13 Ausbrüche mit 22 Folgefällen. Überdies waren 19 Alten- und Pflegeheime betroffen mit 116 infizierten Bewohnern, davon 98 vollständig geimpft und 17 ungeimpft. Acht Bewohner mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, allesamt mit vollem Impfschutz.

Die Zahl der Corona-Toten steigt weiter und erhöht sich um 15 (Vorwoche: 5), darunter zwei Personen unter 60 Jahren, neun über 80. Sechs dieser Verstorbenen waren in einem Heim betreut worden.

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