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Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Rosenheim

So wählte Rosenheim bei der Bundestagswahl: CSU muss Federn lassen - SPD und Grüne legen zu

Das sind die Erst- und Zweitstimmenergebnisse im Wahlkreis Rosenheim mit Vergleichszahlen sowie Gewinnen und Verlusten in Bezug auf 2017. Nur Daniela Ludwig, Michael Linnerer, Ludwig Maier und Gerald Strickner traten bereits 2017 an, für die anderen Bewerber war es die erste Kandidatur.
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Das sind die Erst- und Zweitstimmenergebnisse im Wahlkreis Rosenheim mit Vergleichszahlen sowie Gewinnen und Verlusten in Bezug auf 2017. Nur Daniela Ludwig, Michael Linnerer, Ludwig Maier und Gerald Strickner traten bereits 2017 an, für die anderen Bewerber war es die erste Kandidatur.

Der Bundestrend spiegelt sich auch in Stadt und Landkreis Rosenheim bei den Bundestagswahlen wider: Die CSU muss mit 31,0 Prozent gegenüber 2017 (40,5) weiter Federn lassen. Zu den Gewinnern zählen die SPD mit 14,4 Prozent, die damit zweistärkste Kraft ist, sowie die Grünen mit 13,6 Prozent.

Lesen Sie aus dem Wahlkreis Rosenheim auch:

- Die Stimmen der Direktkandidaten

- Den Live-Ticker vom Wahlabend mit Ergebnissen

Rosenheim – Im Bundestag vertreten wird die Region (Stadt und Landkreis Rosenheim) weiter von Daniela Ludwig, wobei die CSU-Bewerberin, die gegen elf weitere Kandidaten angetreten war, erneut Verluste verkraften muss. Ihr Stimmenanteil sank um fast zehn Prozentpunkte von 45,9 auf 36,1 Prozent. 2013 lag sie noch bei 58,1 Prozent der Stimmen. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie bei ihrer ersten Wahl 2005 mit 60,3 Prozent.

Die Bundestagswahl 2021: Alle Ergebnisse im Überblick

Daniela Ludwig zum Wahlausgang

Daniela Ludwig zeigte sich im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erfreut über das Wiedererlangen des Direktmandats und gleichzeitig erleichtert, mit ihren 36,1 Prozent der Stimmen noch deutlich über dem Gesamtergebnis ihrer Partei zu liegen. Sie bekannte aber auch, sich nicht vom Gesamttrend abkoppeln zu können. „Die CSU büßt ein, und das spiegelt sich hier im Wahlkreis wider.“

Daniela Ludwig zu den Gründen

Als Gründe nannte Ludwig das sich aufspaltende Parteienlager, aber auch „Verwerfungen“ während der Corona-Pandemie sowie Themen wie Mittelstand, Handwerk, Dienstleistung und Landwirtschaft, die wieder stärker bearbeitet werden müssten. Als weiteren bedeutenden Punkt sieht Ludwig das Infrastrukturprojekt Brenner-Nordzulauf, „was die Menschen in der Region sehr umtreibt.“

Grünen-Kandidatin Victoria Broßart an zweiter Stelle

Zweitstärkste Kandidatin hinter Daniela Ludwig ist Victoria Broßart von den Grünen. Sie konnte 13,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen (2017: Korbinian Gall mit 9,4 Prozent). Bei den Zweitstimmen landeten die Grünen mit 13,6 Prozent auf Platz drei in der Region (2017: 10 Prozent).

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SPD zweistärkste Kraft in der Region

Vom bundesweiten Aufwind profitierte auch die SPD in der Region: Sie wurde mit 14,4 Prozent bei den Zweitstimmen zweitstärkste Kraft (2017: 11,3 Prozent). Kandidat Pankraz Schaberl kam auf 12 Prozent der Erststimmen. 2017 musste sich Abuzar Erdogan noch mit 11,8 Prozent begnügen.

Absturz für die AfD

Grüne und SPD lösen damit die AfD ab, die 2017 noch zu den großen Gewinnern der Bundestagswahl in der Region Rosenheim zählte. Vier Jahre später ein anderes Bild: Die AfD landete mit 8,7 Prozent (2017: 13,9 Prozent) bei den Zweitstimmen abgeschlagen hinter CSU, Grünen, SPD, FDP und den Freien Wählern; ebenso deren Kandidat Andreas Kohlberger (8,3 Prozent), der gegenüber Andreas Winhart, der vor vier Jahren in den Ring gestiegen war (13 Prozent), kräftig verloren hat.

Freie Wähler im Aufwind

Deutlich zulegen konnten die Freien Wähler im Stimmkreis Rosenheim. Mit ihrem Kandidaten Gerhard Schloots erlangten sie 8,9 Prozent (2017: 3,3 Prozent, Mary Fischer). Bei den Zweitstimmen verpassten sie mit 9,6 Prozent ein zweistelliges Ergebnis nur knapp (2017: 2,4 Prozent).

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FDP mit einem Plus

Ein kleines Plus konnte in der Region auch die FDP verbuchen. Deren Kandidat Michael Linnerer kam auf 9,3 Prozent der Stimmen für sich (2017: 7,4 Prozent). Bei den Zweitstimmen kletterte die FDP auf 12,1 Prozent (2017: 11 Prozent).

Linke bei den Verlierern

Zu den Verlierern in der Region zählt Die Linke. Linken-Kandidat Ates Gürpinar kam auf magere 2,2 Prozent (2017: 3,8 Prozent, Sebastian Misselhorn), ein ähnliches Bild bei den Zweitstimmen mit 2,4 Prozent (2017: 5,1). Abgeschlagen ebenso die ÖDP und Bayernpartei (jeweils 0,9 Prozent).

Die Basis verbuchte Erfolg

Mit Kritik an der Corona-Politik war die neue Partei Die Basis auf Stimmenfang – im Stimmkreis Rosenheim ging das mit Kandidat Nino Kornhaß offenbar auf. Er erreichte 4,8 Prozent der Erststimmen, die Basis kam auf 3,2 Prozent an Zweitstimmen.

CSU-Hochburg Chiemsee

Das stärkste Ergebnis in der Region holt die CSU traditionell in der kleinen Gemeinde Chiemsee ein, wo Kandidatin Daniela Ludwig auf 51,1 Prozent und die Christsozialen auf 41,6 Prozent der Zweitstimmen kamen.

Breitbrunn wählt grün

Die Grünen erreichten in Breitbrunn mit 18,4 Prozent bei den Erst- und 17 Prozent bei den Zweitstimmen ihre größten Erfolge.

Schaberl in Feldkirchen-Westerham stark

Die SPD holte in Wasserburg ihren Spitzenwert mit 19,3 bei den Zweitstimmen. SPD-Kandidat Pankraz Schaberl konnte indes in seiner Heimatgemeinde Feldkirchen-Westerham punkten mit 17,5 Prozent.

Wahlbeteiligung bei 80,7 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag mit 80,7 Prozent um 0,9 Prozentpunkte höher als bei der Bundestagswahl 2017 mit 79,8 Prozent. Die fleißigsten Wähler stammen aus der Gemeinde Chiemsee mit einer Wahlbeteiligung von 90,1 Prozent.

Die wenigsten Bürger zog es in der Stadt Wasserburg an die Urne. Dort lag die Wahlbeteiligung bei 73,3 Prozent.

Die Statements der Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Rosenheim:

Victoria Broßart (Grüne): Mehrere Gründe zum Feiern sah die Grünen-Direktkandidatin Victoria Broßart. Das „historisch beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl“, ihren kurz zurückliegenden 29. Geburtstag und ihren zweiten Platz im Wahlkreis, mit einem Erststimmenresultat, das auf Augenhöhe mit dem Grünen-Anteil an der Zweitstimme ist: „Das war ja meine erste Wahl, und ein so gutes Ergebnis aus dem Stand ist schon überraschend.“ Auch wenn es für den Einzug in den Bundestag wohl nicht reichen wird, ihr politisches Angebot sieht Broßart durch den Wähler gewürdigt. Bei dem Rekordergebnis dürfe man nicht verhehlen, „dass wir uns mehr erhofft hatten“. Insgesamt aber gehe es nach oben. „Wir sind auf einem wunderbaren Weg.“

Pankraz Schaberl (SPD): Pankraz Schaberl war nicht überrascht, dass er das Direktmandat nicht holen konnte. „Ich hätte mir selbst ein besseres Ergebnis gewünscht“, gab er allerdings zu, wenngleich er sich freute, dass er das Ergebnis verbessern konnte. Mit seinem Listenplatz 42 wird es über die Zweitstimme wohl nicht für einen Einzug in den Bundestag reichen. Entsprechend habe der Hotelfachmann aus Feldkirchen-Westerham auch nicht mit einem Mandat gerechnet und sei vielmehr angetreten, um die SPD in Bayern zu stützen. Kommt es zu einer neuen Großen Koalition im Bund? Ausschließen wollte Schaberl diese Option nicht. „Am Ende muss auch regiert werden“, sagte er. Die SPD habe gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen könne. Dennoch sehe er inhaltlich mehr Überschneidungen bei den Grünen und der Linken, bei denen sich Schaberl erhofft, dass sie den Weg ins Parlament noch schafft. Denn: Bei den Liberalen habe er schon eher „Bauchschmerzen“, wenn es um eine Koalition gehe.

Michael Linnerer (FDP): Michael Linnerer freute sich über einen Zuwachs für die FDP – auch bei den Erststimmen. „Da bin ich voll begeistert und zufrieden.“ Inzwischen hätten viele Wähler, vermutete er, ihre Erststimme nicht mehr rein taktisch vergeben und ihr Kreuz auch bei Kandidaten gemacht, die keine oder nur geringe Chancen hatten, eine Mehrheit auf ihre Personen zu vereinen. An eine Neuauflage der Großen Koalition glaubt der IT-Leiter aus Raubling nicht. Stattdessen findet er die Aussicht sympathisch, dass Liberale und Grüne als Gemeinschaft zu Koalitionsverhandlungen einladen. „Wenn man die Wahlprogramme anschaut, sieht man, dass das Thema Umweltschutz bei uns genauso hoch angesiedelt ist“, sagte er. Mitunter seien die Ziele in Sachen Klimaschutz noch höher als bei den Grünen. Diese wiederum müssten sich von ihrem Mantra trennen, auf Verbote statt auf Innovationen zu setzen, um mehr Umweltschutz zu erreichen.

Ates Nils Gürpinar (Linke): Besonders spannend war der Wahlabend für den Kandidaten der Linken. Bis Redaktionsschluss blieb fraglich, ob die Linke in den Bundestag einziehen würde. Was für Gürpinar da schon klar war: „Das Ergebnis ist eine Enttäuschung und wir müssen es in Ruhe aufarbeiten.“ Er nahm einen „krassen Unterschied“ zwischen Ergebnis und der Stimmung vor der Wahl wahr. Man habe in Rosenheim erfreulich viele neue Mitglieder gewonnen. Natürlich bleibe Rosenheim dennoch ein schwieriges Pflaster. Man wolle aber weiter Angebote machen: „Es gibt ja Themen, mit denen Menschen unzufrieden sind.“

Andreas Kohlberger (AfD): Eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale äußerte sich der AfD-Direktkandidat noch halbwegs zuversichtlich: „Es ist noch sehr früh, und in Rosenheim haben über 40 Prozent der Menschen Briefwahl beantragt. Ich rechne also damit, dass es noch nach oben geht.“ Bis hin zu den 12,6 Prozent der Bundestagswahl 2017 sollte es schon noch gehen, sagte Kohlberger, „dann wäre ich zufrieden. Landen wir darunter, wäre ich traurig“. Er sprach von einem „unfairen Wahlkampf“ der anderen Parteien. Im Laufe des Wahlabends dürfte sich seine Stimmung eingetrübt haben. Zu erreichen war für Kohlberger nicht mehr.

Gerhard Schloots (Freie Wähler): Dass die Freien Wähler nicht in den Bundestag eingezogen sind und auch ihm damit ein Mandat verwehrt blieb, war für Gerhard Schloots „schon ein kleines Bisschen enttäuschend“. Er glaubt, dass die Partei in Deutschland noch mit zu wenigen Ortsverbänden vertreten sei und dass man die kommunalen Vertreter stärken müsse. Mit seinem eigenen Wahlergebnis war Schloots zufrieden. Dass er vor allem in Bad Endorf und Halfing so gut abschneiden würde, hätte er nicht gedacht. „Das ist der Wahnsinn.“ Wie es für ihn politisch weitergeht, konnte er noch nicht sagen. „Wenn mich jemand braucht, dann bin ich offen dafür.“

Ludwig Maier (ÖDP): Die ÖDP sei eine Kleinpartei, demnach sei man zufrieden, wenn man mindestens 0,5 Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalte, sagte Ludwig Maier mit Blick auf die Wahlkampfkostenerstattung. Nur dann haben Parteien Anspruch auf staatliche Finanzmittel. „Ich bin relativ zufrieden mit dem, was ich selbst erreicht habe“, sagte er. Ob er bei einer Bundestagswahl erneut antreten wolle, wisse er noch nicht. „Vermutlich schon. Aber ich will erst die Landtagswahl abwarten.“ Jetzt will er seine Energie in den Kreistag stecken, wo er sich mit seiner Fraktion mit Anträgen zum Brenner-Nordzulauf einbringen will.

Stephan Fröhlich (Bayernpartei): Zwei Prozent Erststimmen: Das war Stephan Fröhlichs Ziel bei der Bundestagswahl. Geschafft hat er das nicht. Doch vielmehr störte ihn, dass Daniela Ludwig (CSU) das Direktmandat in Rosenheim gewonnen hat. „Ich hätte mir gewünscht, dass das in eine andere Richtung geht“, sagte er. In eine grüne, um genau zu sein. Er habe die Kandidatin der Grünen, Victoria Broßart, unterstützt. Auf die vergangenen Wochen blickte er trotz des Ergebnisses zufrieden. „Die waren gut, ich hatte ein super Wahlkampfteam.“ In Zukunft will er sich weiter in der Politik engagieren und spricht davon, bei der Europawahl 2024 zu kandidieren.

Nikolaus Starkmeth (Die Partei): Der Direktkandidat der Partei „Die Partei“ für den Landkreis Rosenheim, Nikolaus Starkmeth, zeigte sich traurig, dass sich mit dem Wahlergebnis keine politische Richtungswende einstelle. „Wir verharren bei dem, was schon immer war“, sagte er. Er schloss eine erneute Große Koalition nicht aus. „Dann hätten wir aber nichts gelernt“, monierte er. Zu seinem Ergebnis sagte er: „Das ist doch was“. Im Hinblick darauf, dass er im Vergleich mit der weiteren Kleinstpartei „Die Basis“ schlechter abschnitt, sagte der Braumeister aus Bruckmühl, dass er keinen Wahlkampf gegen irgendjemanden geführt habe. Ihm sei es darum gegangen, Alternativen zu diesen „doch recht merkwürdigen Parteien“ aufzuzeigen.

Nino Kornhass (Die Basis): Der Kandidat der neuen Partei „Die Basis“ war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Gerald Strickner (Bürgerrechtsbewegung Solidarität, BüSo): Ein besseres Ergebnis als vor vier Jahren erwartete der Direktkandidat der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo), Gerald Strickner, schon. Er vermutete, dass die BüSo mit ihren Themen zu wenig öffentlich durchdringen konnte – auch, weil die Medien diese zu wenig aufgegriffen hätten. Diese Themen erstrecken sich sowohl über eine Entkoppelung des Währungssystems vor möglichen Spekulationen – bis hin zur Beibehaltung der Kernenergie, um die Stromversorgung zu sichern. Strickner sprach von einer „physikalischen Ökonomie“, die China derzeit betreibe, und mit der das Land rund neun Millionen Menschen aus der Armut gebracht habe. Ein Wirtschaften, das man auch für ganz Europa benötige. Er rechnete mit dem Blick auf das Wahlergebnis damit, dass es wohl auf erneute Wahlen hinauslaufen werde.jek/we/asc

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