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Verzweifelter Hilferuf kurz vor 100. Vereinsjubiläum

Schluss nach 99 Jahren? Bruckmühler Rauchclub findet keinen neuen Vorsitzenden

Jubel und Trubel herrschte bei dem Bezirksvorsitzenden Anton Brenner (hinten ganz links) und Karl-Heinz Thaler (hinten ganz rechts) mit den Geehrten für 60- und 65-jährige Vereinstreue. Neuwirth
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Jubel und Trubel herrschte bei dem Bezirksvorsitzenden Anton Brenner (hinten ganz links) und Karl-Heinz Thaler (hinten ganz rechts) mit den Geehrten für 60- und 65-jährige Vereinstreue.

Trotz intensiver Bemühungen und regen Austauschs von Argumenten konnte bei der Jahreshauptversammlung kein neuer Vereinsvorsitzender für den Rauchclub Bruckmühl gefunden werden. Droht jetzt das Aus für einen der ältesten Ortsvereine Bruckmühls?

Bruckmühl – Im 99. Vereinsjahr ziehen dunkle Wolken am Horizont über dem Rauchclub Bruckmühl auf. Trotz intensiver Bemühungen und regem Austausch von Argumenten konnte bei der Jahreshauptversammlung kein neuer Vereinsvorsitzender gefunden werden. Karl-Heinz Thaller stand nach 48 Jahren Vorstandstätigkeit aus nachvollziehbaren familiären Gründen für keine weitere Amtsperiode mehr zur Verfügung.

Es droht die Auflösung

Damit droht nun einem der ältesten Bruckmühler Ortsvereins wenige Monate vor dem 100-jährigen Vereinsjubiläum die Auflösung, wenn nicht in Kürze eine personelle Lösung gefunden werden kann. Dies war das für viele schockierende Ergebnis der jüngsten Mitgliederversammlung im Gasthaus „Brückenwirt“.

Das Durchschnittsalter der Rauchclub-Mitglieder bezifferte Thaller auf 84,2 Jahre. In den vergangenen zweieinhalb Jahren sind 57 Mitglieder verstorben, derer bei der Zusammenkunft gedacht wurde. Auch wenn der von Franz Heinritzi in Vertretung vorgetragene Kassenbericht eine gesunde und solide Finanzstruktur auswies, so gehen die Einnahmen nicht nur wegen der verstorbenen Mitglieder zurück, sondern auch aufgrund fehlender Neuzugängen.

„Dies ist ein Trend, mit dem alle anderen Rauchclubs auch kämpfen müssen, ihn umzukehren ist eine schier unlösbare Aufgabe. Auf dem Thema Sterbegeldversicherung liegt kein Fokus mehr, die Jugend sehnt sich nach Unterhaltung, Fun und Abwechslung, da können wir nicht mithalten“, brachte der scheidende Vorstand das Problem auf den Punkt.

Es droht das existenzielle Ende

In dem Zusammenhang führte er detailliert die Gründe an, die eine weitere Amtsperiode ausschließen. Dabei machte er unmissverständlich klar, „wenn wir heute keine neue Vorstandschaft finden, steht unser Rauchclub mit seinen 578 Mitgliedern nach einer 99-jährigen Vereinsgeschichte vor seinem existenziellen Ende“.

Bei seinem weiteren Rückblick war Corona ein beherrschendes Thema, „die Pandemie hat unser komplettes Vereinsleben im Würgegriff gehalten“. Sorge bereitete ihm auch die Tatsache, dass es schwer ist, Mitglieder für bereits vakante Vorstands- und Ehrenämter im Verein zu gewinnen. „Ich mache mir große Sorgen um unseren Verein, der mir nach 48 Jahren Vorstandstätigkeit mit seinen Mitgliedern und seinem Engagement besonders ans Herz gewachsen ist“, sagte Thaller.

Kein Kandidat trotz „Nachdenk“-Zeit

In seinem Grußwort dankte Bezirksvorsitzende Brenner dem Verein für seine kooperative Zusammenarbeit mit der Bezirksvereinigung. Mit persönlichen, an Thaller gerichteten Worten, dankte er ihm für sein großes, ehrenamtliches und vorbildhaftes Engagement. Bei den folgenden Neuwahlen gelang es Wahlleiter Franz Roßmeißl trotz aller intensiven Bemühungen über 35 Minuten nicht – samt „Unterbrechungen zum Nachdenken“ – einen Kandidaten für den Vorsitz zu finden. Dies machte auch die Neubesetzung weiterer Vorstandsposten obsolet.

Zum Abschluss folgte eine gut 30-minütige Ehrung verdienter und langjähriger Mitglieder von 25 bis 70 Mitgliedjahren. Kleiner Wermutstropfen dabei: Viele Mitglieder blieben dieser Auszeichnung unentschuldigt fern.

Welche Szenarien sind jetzt möglich?

Nach diesem gänzlich ernüchternden Ergebnis, fasste Bezirksvorstand Anton Brenner die aktuelle Situation wie folgt zusammen: Der Rauchclub Bruckmühl kann nur dann weiter fortbestehen, wenn zeitnah die komplette Vorstandschaft um einen neuen ersten Vorsitzenden gebildet werden kann. Sollte dies nicht realisierbar sein, könnte versucht werden, den Rauchclub Bruckmühl unter dem Schirm eines der anderen Rauchclub-Vereine Kolbermoor, Bad Aibling, Pullach oder Heufeld ein „neues Zuhause“ zu geben.

Nach 48 Jahren Vorstandstätigkeit verlässt Karl-Heinz Thaler die Kommandobrücke des Rauchclub Bruckmühl.

Nach Aussage des Bezirksvorsitzenden ist dies aber sehr fraglich, da auch diese Vereine schon „auf knapper Kante nähen“. Hierüber kann die Bezirks-Generalversammlung am 8. Juli entscheiden. Sollte auch diese zweite Variante scheitern, bleibt nur noch die Auflösung des Vereins als letzte Möglichkeit. Als letzten Rettungsanker senden die Verantwortlichen des Rauchclub Bruckmühl hiermit einen Hilferuf an Jedermann, der sich vorstellen könnte, eine Vorstandstätigkeit beim Rauchclub übernehmen zu können.

Geraucht wird eigentlich gar nicht mehr

Die Geschichte der Rauchclubs reicht ins 19. Jahrhundert zurück. In geselliger Runde traf man sich einst in Wirtshäusern zu Bier, Kartenspiel, Zigarren und Pfeifen. Die Vereinsbeiträge für Tabak und Rauchutensilien wurden bald zugunsten von notleidenden Mitmenschen erhöht. Für Familien bedeutete Invalidität, Krankheit oder Tod des Ernährers oft bitterste Armut. Daher der Zusatz zum Namen der Clubs – „Sterbekassenunterstützungsverein“. Rauchen sei weder Vereinszweck, noch werde es gefördert. Ein Großteil der Mitglieder sind Nichtraucher.

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